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Usedom Mordfall Maria K. aus Zinnowitz: Diese Strafen erwarten die beiden Täter
Vorpommern Usedom Mordfall Maria K. aus Zinnowitz: Diese Strafen erwarten die beiden Täter
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11:28 31.08.2019
Stralsund: Der 19-jährige Angeklagte Nicolas K. (l.) und der 21-jährige Angeklagte Niko G. (3.v.l.) sitzten im Gerichtssaal im Landgericht neben ihren Anwälten. Quelle: Stefan Sauer
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Stralsund

Wie lange werden die beiden Angeklagten im Mordfall Maria K. in Haft müssen? Am Montag werden am fünften Prozesstag am Landgericht Stralsund die Plädoyers gehalten. Staatsanwalt Christoph Schäfer wird dann bekannt geben, welches Strafmaß für Nicolas K. und Niko G. gefordert wird. Auch die Rechtsanwältin Sabine Butzke, die Marias Mutter in der Nebenklage vertritt, sowie Axel Vogt und Rene Neumeister als Pflichtverteidiger der Angeklagten werden ein Strafmaß fordern.

Auf OZ-Nachfrage erklärte Pflichtverteidiger Rene Neumeister, dass er noch nicht wisse, auf welches Strafmaß er für Niko G. plädiere. Denkbar sei aber, dass die Staatsanwaltschaft für beide Täter lebenslange Haft fordere. Lebenslang bedeute bei dem 21-jährigen Niko G., dass er für mindestens 15 Jahre ins Gefängnis muss. Werde zusätzlich die besondere Schwere der Schuld festgestellt, könnten es mindestens 20 Jahre Haft sein.

Bluttat im „Overkill“

Die besondere Schwere der Schuld könnte sich daraus ergeben, dass beide Täter wussten, dass Maria schwanger war und dass die Tat als sogenannter „Overkill“ ausgeführt wurde – es gab viel mehr Stiche als nötig gewesen wären, um das Opfer zu töten.

Bilder vom Prozessauftakt im Mordfall Maria K. am Landgericht Stralsund

Bei Nicolas K. könnte folgendes Prozedere eintreten: K. wird, wie von Gutachter Orlob und der Jugendgerichtshilfe empfohlen, aufgrund seiner ganzheitlichen Entwicklung nach Jugendstrafrecht verurteilt. Tritt das ein, beträgt lebenslang zehn Jahre, bei besonderer Schwere der Schuld 15 Jahre.

Wie lange geht von einem Mörder Gefahr aus?

Verbleibt der psychopatisch auffällige Täter, der bereits im Maßregelvollzug untergebracht ist, dort weiter, wird er auf unbestimmte Zeit medizinisch behandelt. Begutachtungen durch Forensiker erfolgen alle zwölf Monate. Sollte zu einem nicht bestimmbaren Zeitpunkt medizinisch und juristisch festgestellt werden, dass Nicolas K. als „geheilt“ gilt, wird die Zeit der Unterbringung im Maßregelvollzug zu zwei Dritteln auf die verhängte Haftstrafe angerechnet. Wenn noch Haftzeit übrig wäre, müsste er diese im normalen Gefängnis absitzen. Es kann aber auch sein, dass die vom Täter ausgehende Gefahr bestehen bleibt und er dauerhaft, also bis zum Lebensende, in der forensischen Psychiatrie bleiben muss.

Die 18-jährige Maria K. aus Zinnowitz war am 18. März erstochen wurden. Tags darauf, am 19. März, wurde sie in ihrer Wohnung gefunden. Angeklagt sind der 19-jährige Nicolas K. aus Karlshagen und der 21-jährige Niko G. aus Zinnowitz, die junge Frau gemeinschaftlich umgebracht zu haben.

Während des Prozesses hatte Nicolas K. ohne jede Emotion den genauen Tathergang geschildert und eingeräumt, mit einem Messer zig Mal auf Maria eingestochen zu haben. Beide wollten erleben, wie es ist, einen Menschen sterben zu sehen.

Frage der Schuldfähigkeit

Niko G. soll die Beine von Maria während des Blutbades festgehalten haben, da sie noch versucht hatte, sich zu wehren. G. allerdings streitet ab, Maria festgehalten zu haben und ließ dazu eine von ihm verfasste Erklärung am ersten Prozesstag durch seinen Pflichtverteidiger Rene Neumeister verlesen. Nicolas K. dagegen schilderte ohne jede Regung die grausamen Details der Tat und sorgte mit Äußerungen und Gesten mehrfach für dramatische Szenen während der Verhandlung.

Niko G. wurde durch Gutachterin Dr. Peggi Grüneberg bescheinigt, dass er keinerlei Einschränkungen habe und voll schuldfähig sei. Dagegen sprach der forensische Gutachter Dr. Stefan Orlob, der Nicolas K. mehrfach untersucht und getestet hat, von einer schweren seelischen Abartigkeit, die K. kennzeichne. Nach wie vor gehe eine große Gefahr von dem 19-Jährigen aus, da er weiterhin Tötungsphantasien habe. Orlob riet deshalb dringend, Nicolas K. in einem Maßregelvollzug unterzubringen. Dahinter verbirgt sich eine geschlossene forensische psychiatrische Einrichtung unter strengsten Sicherheitsvorkehrungen.

Urteil wohl am 6. September

Bereits am Ende des vierten Verhandlungstages, als die Vorsitzende Richterin der Großen Jugendkammer des Landgerichts, Birgit Lange-Klepsch, das Ende der Beweisaufnahme andeutete, wurde deutlich, dass die Urteilsfindung und damit Art und Dauer der Strafe keine leichte Aufgabe für die drei zur Kammer gehörenden Richter und die beiden Schöffen werden wird. Das Urteil des Gerichts wird aller Voraussicht nach am 6. September gesprochen werden.

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Von Cornelia Meerkatz

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