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Usedom Tote Leonie aus Torgelow: Mutter belastet laut Anwalt den Angeklagten
Vorpommern Usedom Tote Leonie aus Torgelow: Mutter belastet laut Anwalt den Angeklagten
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17:00 22.10.2019
Hier durfte der Angeklagte noch den Gerichtssaal betreten. Bei der Aussage der Mutter am Montag musste er diese aus einem Nebenraum verfolgen. Das Foto stammt vom Prozessauftakt am 24. September. Quelle: Bernd Wüstneck/zb/dpa
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Neubrandenburg

„Sie hat am 12. Januar versucht, den Rettungsdienst zu rufen, was der Angeklagte aber verhindert hat“, erklärte der Anwalt der Nebenklage, Falk-Ingo Flöter, am Montag nach der ersten Vernehmung am Landgericht Neubrandenburg. Die Mutter habe erklärt, dass Leonie gesund zu Hause in Torgelow (Vorpommern-Greifswald) gespielt haben soll, als sie an jenem Nachmittag in die Stadt gegangen war. Das Mädchen habe – als sie wiederkam – verletzt, aber noch ansprechbar im Bett gelegen. Sie habe Hilfe holen wollen. Von allen anderen Prozessbeteiligten gab es keine Angaben zu der Aussage der 25-jährigen Frau.

Die Schwurgerichtskammer am Landgericht Neubrandenburg hatte die Öffentlichkeit und den Angeklagten zuvor für die Vernehmung der Mutter ausgeschlossen. Das gilt auch an diesem Donnerstag bei ihrer weiteren Vernehmung. Die schutzwürdigen Interessen der Frau und ihrer Kinder wögen schwerer, als das Interesse der Öffentlichkeit, sagte Richter Jochen Unterlöhner zur Begründung. Anwalt Axel Vogt, der die 25-Jährige vor Gericht vertritt, hatte den Antrag gestellt. Der Angeklagte und Lebensgefährte hat die Vernehmung per Leinwand in einem Nachbarraum verfolgt.

Dem 28 Jahre alten Stiefvater Leonies wird Mord durch Unterlassen und Misshandlung von Schutzbefohlenen vorgeworfen. Er soll Leonie mehrfach so misshandelt haben, dass sie am 12. Januar an den Verletzungen starb. Um die Taten zu verdecken, habe er erst viel später Rettungskräfte informiert als nötig, hieß es in der Anklage.

Von der schrecklichen Nachricht über ihren Tod bis zum Prozess in Neubrandenburg

Angeklagter schwieg bisher im Prozess

Die Schwurgerichtskammer will mit Hilfe der Mutter die genauen Umstände von Leonies Tod aufklären. Der Angeklagte hat im Prozess bisher geschwiegen. Bei Vernehmungen hatte er angegeben, dass Leonie am Nachmittag des 12. Januar mit einem Puppenwagen eine Treppe im Hausflur hinuntergestürzt und an den Folgen gestorben sei. Das bezweifeln Ermittler. So hatten Beamte im Treppenhaus keine Sturzspuren gefunden und Rettungskräfte waren erst viereinhalb Stunden nach dem angeblichen Sturz gerufen worden.

Anwalt Vogt gab an, dass der Angeklagte während der Partnerschaft auch die Mutter von Leonie misshandelt haben soll. Die Frau gilt als Hauptzeugin der Staatsanwaltschaft, da sie den Ermittlern von Misshandlungen an Leonie und ihrem jüngeren Bruder berichtet hatte. Die eingeschüchterte Frau hat mit dem Angeklagten auch ein Baby. Mit dem Kleinkind wurde sie nach dem Vorfall vom Jugendamt von der Öffentlichkeit abgeschirmt untergebracht.

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Anwalt von Leonies Mutter: Mandantin sei im Internet bedroht worden

„Nach dem Tod von Leonie ist meine Mandantin über die sozialen Netzwerke von Anderen auch bedroht worden“, sagte der Anwalt. Außerdem habe ein Psychiater erklärt, dass der Zeugin „eine weitere psychische Schädigung“ drohe, wenn sie vor Besuchern und dem Angeklagten im Saal aussagen müsste.

Gegen die Mutter wird in dem Fall auch wegen des Verdachts der fahrlässigen Tötung ermittelt, weil auch sie nicht rechtzeitig Hilfe geholt haben soll. Anwalt Flöter vertritt als Nebenklageanwalt den leiblichen Vater Leonies und ihres Bruders. Insgesamt sei die Aussage der Mutter vor Gericht bisher lückenhaft, schätzte Flöter ein. Weitere Vernehmungen seien nötig. Der Prozess wird am Dienstag fortgesetzt. Dann sollen der Rettungssanitäter, der als Erster in der Wohnung war, und eine Notfallseelsorgerin aussagen. Mit einem Urteil wird frühestens Ende November gerechnet.

Von RND/dpa

Autor Kai Stefes aus dem Rheinland reist 2014 mit seiner MZ quer durch den Osten und fragte die Menschen, wie sie die damalige, politische Wende erlebten. Darüber schrieb er ein Buch. In der Villa „Irmgard“ in Heringsdorf stellte er seine Erlebnisse vor.

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