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Usedom Mühlen-Umzug von Wolgast nach Zarnitz auf der Spur
Vorpommern Usedom Mühlen-Umzug von Wolgast nach Zarnitz auf der Spur
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19:03 07.11.2019
Siegfried Scheiba (l.) und Manfred Schönrock mit dem Teil eines eichenen Kammrades, das aus der früheren Zarnitzer Windmühle stammt, die zunächst auf dem Sandberg in Wolgast gestanden hatte Quelle: Tom Schröter
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Wolgast

Siegfried Scheiba hat der Entdeckerdrang gepackt: Seit einiger Zeit erforscht der 75-jährige Karlshagener die regionale Mühlengeschichte. In alten Landkarten spürte der Ingenieur für Schweißtechnik frühere längst in Vergessenheit geratene Mühlenstandorte, etwa in Wolgast-Mahlzow und in Hohendorf, wieder auf.

Bei seinen Recherchen zur Holländerwindmühle, die ab etwa 1912 auf einem Hügel am südöstlichen Dorfrand von Zarnitz ihren Dienst versah, stieß Scheiba auf interessante Details, die kaum bekannt sind. Demnach handelte es sich bei dem Zarnitzer Erdholländer um jene Mühle, die noch Anfang des 20. Jahrhunderts auf dem Wolgaster Sandberg thronte.

„Als der Sandberg nach und nach abgetragen wurde, kaufte der Zarnitzer Müller Theodor Mähl die darauf befindliche Mühle. Diese wurde in der Folge demontiert und in Zarnitz wieder aufgestellt“, so der Insulaner.

Bei seinen Erkundigungen zum Verbleib der Mühle machte Siegfried Scheiba jetzt sogar mehrere Teile des Mühleninnenlebens ausfindig, die die Zeit überdauert haben. Die Überbleibsel, darunter zum Beispiel Fragmente des beeindruckenden aus Eiche gefertigten Kammradrings, lagerten am Wanderweg, der von Zarnitz peenestromwärts zum Poggenkrug führt.

Dieses Foto vom Beginn des 20. Jahrhunderts zeigt die Holländerwindmühle am ursprünglichen Standort auf dem Sandberg in Wolgast, der, um Baumaterial zu gewinnen, nach und nach abgetragen wurde. Quelle: Archiv Tom Schröter

„Dort wurden die Teile deponiert, nachdem die Mühle um 1950 herum abgerissen wurde“, so Scheiba. Die Eigentümer hätten dem Vernehmen nach, nachdem sie im Zuge der Bodenreform ihre Ländereien verloren hatten, versucht, die Mühle zu sprengen, was jedoch erfolglos verlaufen sei. „Die Mühle war vorher schon viele Jahre lang außer Betrieb, denn der Müller ist früh verstorben“, berichtet Christa Koepsell, Jahrgang 1938. Die Ur-Zarnitzerin erinnert sich noch gern daran, wie sie und ihre Freundinnen als Kinder im Umfeld der Mühle spielten.

Siegfried Scheiba unterdessen ist inzwischen darangegangen, ein meterlanges Stück des noch recht kernigen Kammrades, das einen Durchmesser von über dreieinhalb Meter hatte, zu sichern. „Mich begeistert die alte Handwerkskunst“, erklärt er. „Ich habe das Teil gereinigt, getrocknet und mit einem öligen Anstrich konserviert.“ Mühlenexperte Manfred Schönrock schätzt ein, dass das Bauteil vermutlich aus dem 19. Jahrhundert stammt. „Hält man das Holz in einem trockenen Zustand“, da ist sich der Freester sicher, „dann hält es mindestens noch einmal 150 Jahre.“

Diese um 1949 entstandene Aufnahme zeigt die Mühle südöstlich von Zarnitz bereits in stark desolatem Zustand. Quelle: Archiv Siegfried Scheiba

Dem Hohendorfer Ortsteilvorsteher Hans-Jörg Knuth ist auch am Erhalt der letzten Mühlenrelikte gelegen. „Es handelt sich hier um ein Stück gemeinsamer Geschichte von Wolgast und Hohendorf. Wir werden auch die übrigen Teile noch bergen und in unser früheres Gemeindehaus nach Hohendorf bringen, wo sie im geheizten Keller trocknen können“, so Knuth. Derzeit werde überlegt, wie die Zeitzeugnisse nach einer Konservierung in geeigneter Weise in Hohendorf dauerhaft zur Schau gestellt werden können. Erst kürzlich sei, ebenfalls auf Scheibas Initiative hin, im Bereich des früheren Hannerschen Hauses unweit des Hohendorfer Mühlenbaches eine uralte Trogmühle geborgen worden, die sich gleichsam als Ausstellungsstück eignen würde.

Siegfried Scheiba will seinerseits dem Mühlen-Umzug von Wolgast nach Zarnitz auf der Spur bleiben. Er ist sich sicher: Im Landesarchiv in Greifswald gibt es bestimmt interessantes Material, das nur darauf wartet, von ihm durchforstet zu werden.

Von Tom Schröter

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