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Usedom Nach Steinfurth-Brand: Zündelten spielende Kinder?
Vorpommern Usedom Nach Steinfurth-Brand: Zündelten spielende Kinder?
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18:59 19.05.2019
Der Dachstuhl der Erich-Steinfurth-Heimes wurde bei dem Feuer komplett zerstört. Früher war dies ein Sportraum für Kinder und Jugendliche.
Der Dachstuhl der Erich-Steinfurth-Heimes wurde bei dem Feuer komplett zerstört. Früher war dies ein Sportraum für Kinder und Jugendliche. Quelle: Hannes Ewert
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Zinnowitz

 Die schwarzen Rauchschwaden waren bis weit über die Gemeindegrenzen hinaus zu sehen: Am Samstagmorgen brannte ein Gebäudeteil des ehemaligen Erich-Steinfurth-Heimes auf dem Glienberg in Zinnowitz lichterloh. Kurz nach 6 Uhr ging der Alarm bei den Rettungskräften ein. Das Gebäude muss allerdings schon eine Weile gebrannt haben.

Sechs Feuerwehren zwischen Karlshagen und Koserow rückten an, um die Flammen zu löschen. Gegen 7.30 Uhr war das Feuer zum ersten Mal aus. Zwei weitere Male rückte ein kleinerer Trupp der Freiwilligen Feuerwehr Zinnowitz an, um nachzulöschen, da immer wieder kleinere Glutnester aufflammten. Am Abend wurde nochmals mit einer Wärmebildkamera geschaut, ob das Feuer erloschen ist. Fazit: Das Feuer ist wirklich aus. 62 Feuerwehrkräfte aus Karlshagen, Trassenheide, Bannemin/Mölschow, Zempin, Koserow und der Feuerwehr aus Zinnowitz waren vor Ort, um die Flammen zu löschen. Hinzu kam die Polizei und zwei Rettungswagen.

Am Sonnabendmorgen brannte es in einem Gebäudekomplex des Erich-Steinfurth-Heimes in Zinnowitz auf der Insel Usedom

Die Nachricht, dass große Teil des Steinfurth-Heimes brennen, verbreitete sich auf der Insel Usedom wie ein Lauffeuer. Nun stellt sich die Frage nach dem „Warum?“. Die Ursache für das Feuer ist offiziell noch ungeklärt. Aber es kreisen Gerüchte durch den Ort, wonach Jugendliche, die im nahegelegenen CJD untergebracht sind, mit dem Feuer in Verbindung gebracht werden können. Nachbarn, die den Brand am frühen Morgen sahen und den Rettungskräften meldeten, wissen, dass sich sehr häufig Kinder und Jugendliche in dem Gebäude aufhalten.

Die Barrieren sind relativ niedrig. Einzig ein Bauzaun muss verschoben werden und schon in der Eintritt in das Gebäude möglich. Auch größere Löcher im Zaun ebnen den Zutritt zum Haus. Laut Augenzeugen feiern die Jugendlichen oft Partys, hören laute Musik und vertreiben sich die Zeit. Die Augenzeugen gehen stark davon aus, dass die Brandursache womöglich bei den Kindern und Jugendlichen zu finden ist. Auch die Polizei teilte in einer Pressemitteilung mit, dass sich beinahe täglich dort die Jugendlichen aufhalten.

Geschichte des Steinfurth-Hauses

Im Jahr 1875 wurde das Haus auf dem Glienberg eröffnet. Zunächst diente es als Hotel „Belvedere“. 1907 wird es an die Arbeiter-Pensionkasse verkauft, 20 Jahre später erwirbt die „Milde Stiftung“ der Deutschen Reichsbahn das Hotel Belvedere und das am gleichen Ort befindliche Hotel Kagemann und gestaltet die Gebäude um zu einem Eisenbahner-Waisenhort für elternlose Kinder von Eisenbahnern. Zwischen 1964 und 1989 diente das Gebäude als Kindersanatorium. Im Laufe der politischen Wende wurde es abgewickelt und 1991 endgültig geschlossen. Seitdem wurde es dem Verfall preisgegeben, steht aber unter Denkmalschutz. Heutiger Eigentümer ist die GP+Q GmbH aus Dortmund, ein Ableger der Ruhrkohle AG. Es ist geplant, dass dort Wohnungen, Apartments, Geschäfte und Gastronomiebereiche entstehen.

Mehr lesen: Feueralarm in Seniorenheim: Zinnowitzer lässt Essen auf dem Herd

Rückschlag für das Projekt?

Bürgermeister Peter Usemann, der selbst am Samstagmorgen als Feuerwehrmann vor Ort war, befürchtet, dass durch den Brand die Entwicklungen auf dem Gelände ins Stocken geraten könnten. „Derzeit liegt für das Bestandsgebäude – welches abgebrannt ist – eine Baugenehmigung vor. Die Genehmigung wurde nur noch nicht ausgeführt, weil es dahinter im Bereich der Frankstraße eine Trinkwasserschutzzone gibt. In diesem Bereich sollen die Parkflächen geschaffen werden. Und die fangen nicht am Gebäude an, ehe dort keine Parkflächen entstehen“, erklärt er. Wie Bauausschussvorsitzender Wolfgang Gehrke auf Nachfrage informierte, soll am Montag der Auslegungsbeschluss diskutiert werden. Am Mittwoch befasst sich auch die Gemeindevertretung mit dem Thema „Belvedere“.

Ein Feuerwehrmann betrachtet nach dem Brand die Schäden in dem Steinfurth-Heim in Zinnowitz. Mithilfe einer Wärmebildkamera schaut er, ob noch irgendwo Glutnester zu finden sind. Quelle: Hannes Ewert

Staatsanwaltschaft entscheidet über Brandursachenermittler

Der Kriminaldauerdienst der Polizei aus Anklam nahm noch am Sonnabend die Arbeit auf und dokumentierte den Schaden. Das Polizeipräsidium in Neubrandenburg revidierte den Schaden von zunächst 100 000 Euro nun auf null Euro herunter. „Es handelt sich um eine Ruine“, so ein Polizeisprecher. Am Montag entscheidet die Staatsanwaltschaft in Stralsund, ob ein Brandursachenermittler zum Einsatz kommen soll. Verletzt wurde bei dem gesamten Einsatz niemand.

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Hannes Ewert