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Usedom „Nasse Landwirtschaft“ für die Rettung des Klimas
Vorpommern Usedom „Nasse Landwirtschaft“ für die Rettung des Klimas
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00:00 31.08.2017
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Greifswald

In der Universitätsstadt schlägt das wissenschaftliche Herz der Paludikultur, der Landwirtschaft auf nassen Standorten (siehe Kasten). Es ist eine Innovation aus der Region mit Ausstrahlung in die Welt. Paludikultur steht für eine neue Form der Agrarproduktion und mehr noch für Klima- und Umweltschutz. „Moorschutz ist für die Minderung der CO2

-Emissionen mindestens so wichtig wie die Nutzung der Windenergie“, schätzt Franziska Tanneberger ein. Sie ist zusammen mit Greta Gaudig Leiterin des Greifswalder Moorzentrums (siehe Beitrag rechts).

Ende September lädt das Zentrum zu einer einwöchigen internationalen Konferenz zur Paludikultur in die Hansestadt ein. Unter anderem werden Gäste aus Indonesien erwartet. In dem asiatischen Land gibt es extreme Probleme durch die Entwässerung von Mooren und brennende Torfflächen. „Wir werden auf einer Exkursion einige unserer Kooperationspartner besuchen“, informiert Franziska Tanneberger.

Besucht werden beispielsweise das Gut Darß, das Wasserbüffel züchtet, und die Firma Schramm in Bargischow bei Anklam, die in MV geerntetes Rohr zur Deckung von Dächern einsetzt. Ein ganzer Tag ist einem Workshop zur Torfmooskultivierung gewidmet. Das angebaute Torfmoos soll den im modernen Gartenbau noch unverzichtbaren Torf ersetzen. Dazu läuft aktuell ein Forschungsvorhaben.

Die Beschäftigung mit Mooren und ihrem Schutz hat in Greifswald eine jahrzehntelange Tradition. Auf Paludikultur liegt ein besonderer Fokus, seit der Bund 2010 vier Millionen Euro für die „Vorpommern Initiative Paludikultur“ zur Verfügung stellte. 2013 erhielten die Greifswalder den Deutschen Nachhaltigkeitspreis in der Kategorie Forschung. Mit 13 Partnern wurden traditionelle und neue Bewirtschaftungsmethoden auf Moorstandorten untersucht. Die Wissenschaftler und Praktiker haben gezeigt, wie man Klimaschutz und Bewirtschaftung nasser Standorte zusammenbringen und so für Wertschöpfung sorgen kann. „Unser Moorzentrum ist einer der Partner des in der Landesexellenzinitiative geförderten Projekts Wetscapes“, erinnert Franziska Tanneberger. Da geht es um „Stoffumsetzungsprozesse an Moor- und Küstenstandorten als Grundlage für Landnutzung, Klimawirkung und Gewässerschutz“.

Seit 2010 wurde vieles erreicht. Der Anbau von Schilf für Reetdächer, von Rohrkolben für die Herstellung von Dämmstoffen und Kissenfüllungen oder Rohrglanzgras als Futter für Kühe und Pferde auf wiedervernässten Mooren gehören zu den bereits etablierten Möglichkeiten in Vorpommern. Maschinen für den Einsatz im Moor wurden entwickelt. Außerdem finden Beratungsveranstaltungen für die Bauern statt. „Wir erleben ein großes Interesse der Landwirte“, sagt Tanneberger. Der Landkreis Vorpommern-Rügen wolle über alle Flächen informiert werden, die für Paludikultur geeignet sind. Für Vorpommern-Greifswald gebe es eine solche Initiative noch nicht. „Wir hoffen, dass der Landwirtschaftsminister im Herbst weitere Schritte unternehmen wird, um Paludikultur voranzubringen.

Mecklenburg-Vorpommern ist in diesem Bereich ein echter Vorreiter“, betont Tanneberger.

„Wir brauchen aber einen langen Atem“, betont die Leiterin des Moorzentrums. „Für die Paludikultur ist ja eine komplette Veränderung der Herangehensweise an Landwirtschaft nötig.“ Die Bauern müssen auf Düngung verzichten. Das sei möglich, weil durch die vorausgegangene Bewirtschaftung genug Nährstoffe im Boden sind. Die Politik müsse die nötigen Rahmenbedingungen schaffen, damit die Landwirte von der Paludikultur leben können. Das heißt, es werden Fördermittel benötigt.

Eckhard Oberdörfer

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