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Usedom Neues Güllelager in Lassan - muss das sein?
Vorpommern Usedom Neues Güllelager in Lassan - muss das sein?
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00:07 19.05.2018
Im August 2017 protestierten Bürger gegen ein Güllegroßlager im Lassaner Winkel. Quelle: Foto: Tom Schröter
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Greifswald/ Lassan

Ein paar hundert Meter vom Pulower See im Lassaner Winkel entfernt, entsteht ein großes Güllelager. Warum die Verwaltung das genehmigt habe, wollte ein Lassaner Bürger bei einem Forum in Greifswald von den Landratskandidaten wissen.

Michael Sack (56), CDU, will sich zu dieser Frage nicht eindeutig positionieren. „Ich kenne die Abwägungsprozesse nicht“, sagt er. „Die Situation ist bestimmt nicht gut, weil der Lassaner Winkel ein gut entwickelbarer Tourismusraum ist.“ Aber der Landwirt, der das Becken baut, erfülle damit wohl eine Auflage.

Ulrike Berger (38), Grüne, sieht im Güllelager eine Gefahr für den Naturschutz und die sanfte Wirtschaft im Lassaner Winkel. „In dem Becken, das nur 500, 600 Meter vom Pulower See entfernt liegt, wird die Gülle nur vorübergehend gelagert“, sagt sie. „Danach wird sie auf die Felder rund um den Pulower See ausgebracht und von dort fließt natürlich einiges in den See!“Das sei fatal und auch widersprüchlich, weil gerade europäische Fördermittel in die Säuberung des Sees gesteckt wurden. „Diese Mittel versenken wir gleich wieder! Und die kleinen Betriebe, die gerade im Lassaner Winkel enstanden sind, zum Beispiel eine Handweberei, gehen den Bach runter.“

Monique Wölk (42), SPD, kritisert das Ja der Landkreis-Verwaltung zum Güllelager. „Es gibt neben dem Naturschutz noch ein zweites Problem“, sagt sie: Damit das Lager überhaupt genutzt werden könne, müsse eine Straße ausgebaut werden. Im Landkreis seien aber so viele Straßen sanierungsbedürftig, dass das Geld nicht ausreiche. „Und nun soll es ausgerechnet in eine Straße investiert werden, die zu einem Güllelager führt, das die Leute vor Ort gar nicht haben wollen?“ Transparentere Entscheidungsstrukturen in der Verwaltung seien nötig. „So etwas darf nicht nochmal passieren.“

Kai Uwe Ottenbreit (52), parteilos, fühlt sich vom Güllelager an einen anderen Fall erinnert, den er ebenfalls kritisch sieht: Ende 2017 seien im Landkreis Vorpommern-Greifswald die Überreste einer Schlacht von 1136 gefunden worden – einer nicht ganz unbedeutenden Schlacht, wie er meint. „Ich bin ehrenamtlicher Bodendenkmalpfleger und frage mich: Wie konnte dieses Gebiet fürs Bauen freigegeben werden?“ Sollte er Landrat werden, wolle er dafür sorgen, „dass es eine unabhängige Kontrollkommission für Verwaltungsentscheidungen gibt. Und diese Kommission stelle ich mir selbst zusammen.“

Axel Gerold (54), AfD, findet: „Dass das gemeindliche Einvernehmen durch einen Verwaltungsbeschluss ersetzt wird, sollte natürlich die absolute Ausnahme sein.“ Das Güllelager am Pulower See habe grundsätzlich aber seine Berechtigung. „Es wird deshalb gebaut, weil der Landwirt neun Monate im Jahr gar keine Gülle ausbringen darf – nämlich dann, wenn der Boden nicht in der Lage wäre, die Gülle aufzunehmen.“ Bauern würden in Deutschland gegängelt. Den Ökolandbau voranzubringen, sei sinnvoll, „aber die europäische Agrarpolitik muss den Landwirten auch das nötige Geld geben.“

Andreas Suttor (51), parteilos, warnt davor, Tourismus und Industrie im Landkreis gegeneinander auszuspielen. „Wer die Region wirtschaftlich entwickeln will, kann nicht sagen, gib mir Wasser, aber mach mich nicht nass“, meint er. Wirtschaftsförderung habe die Aufgabe, Tourismus und Industrie miteinander zu versöhnen. Genauso sei es auch bei der Landwirtschaft: Sowohl die konventionelle als auch die ökologische Landwirtschaft würden gebraucht. Eine Kontrollinstanz, wie sie Ottenbreit für Verwaltungsentscheidungen fordert, hält Suttor für überflüssig: „Eine Verwaltung hat nach Recht und Gesetz zu handeln. Das reicht.“

Sybille Marx

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