Menü
Ostsee Zeitung | Ihre Zeitung aus Mecklenburg-Vorpommern
Anmelden
Usedom Noch keine Hilfe für Wolgaster Kirchenbibliothek
Vorpommern Usedom

Noch keine Hilfe für Wolgaster Kirchenbibliothek

Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
13:45 21.01.2020
Ein Blick in die Kirchenbibliothek von St. Petri, die auch in baulicher Hinsicht mit dem weit ausladenden Kreuzgewölbe einer Schatzkammer gleicht. Quelle: Tom Schröter
Anzeige
Wolgast

Im Januar 2012, also vor acht Jahren, wartete der damalige Pastor Jürgen Hanke mit einer positiven Nachricht auf: Die Alfried Krupp von Bohlen und Halbach-Stiftung mit Sitz in Essen erwog damals Maßnahmen zur Erforschung und zum Erhalt der Bibliothek in der Wolgaster St. Petri-Kirche. Außer in Wolgast, wollte die Stiftung ähnliche Vorhaben in Barth und Greifswald fördern.

Während aber entsprechende Stiftungsgelder für die mittelalterliche Bibliothek der Marienkirche in Barth und die Bibliothek des Geistlichen Ministeriums im Greifswalder Dom bereitgestellt wurden, ging Wolgast leer aus. Lediglich eine Vorbegutachtung der in der Kirche befindlichen fast 1800 Titel umfassenden Büchersammlung ist seinerzeit erfolgt. „Am 30. Juni 2012 haben Jochen Bepler, der inzwischen verstorbene Direktor der Dombibliothek Hildesheim, und ich im Auftrag von Krupp den Bibliotheksraum und den Bestand in Augenschein genommen“, berichtet Dr. Falk Eisermann, Referatsleiter Gesamtkatalog der Wiegendrucke in der Staatsbibliothek zu Berlin.

Stiftung will öffentliche Nutzung

Weitere Aktivitäten blieben aber aus. Der frühere Pastor Hanke hatte frühzeitig erklärt, dass die Stiftung sich erst engagieren wolle, wenn – als Alternative zur existierenden engen Wendeltreppe – die Bibliothek über einen komfortablen Zugang zu erreichen ist. So sollte sichergestellt werden, dass der nach 1831 hauptsächlich von Carl Heller zusammengetragene Bücherfundus später auch zum Beispiel von Wolgaster Schülern regelmäßig genutzt und der Raum für geeignete Veranstaltungen verwendet werden kann. Obwohl Hanke nach der Prüfung mehrerer Varianten im Februar 2014 noch von einem vorhandenen „guten Vorschlag“ sprach, konnte am Ende offenbar keine Einigung erzielt werden.

Eine außen an der Südkapelle platzierte Eisentreppe sei aus denkmalpflegerischen Aspekten ebenso abgelehnt worden, wie ein Zugang vom Kirchenschiff her, wo sich die älteste Bausubstanz von St. Petri befinde, berichtet Hankes Nachfolger, Sebastian Gabriel, der im Oktober 2015 seinen Dienst als Pastor antrat. „Es gab auch noch eine dritte Variante, die vorsah, in der Südkapelle eine Wendeltreppe zu bauen, über die man von der Rückseite in die Bibliothek gelangt.“ Aber auch diese Idee sei unter anderem wegen des enormen Aufwands nicht zum Tragen gekommen.

Kirchenmitarbeiter Ulrich Kober mit der Ausgabe eines der beliebtesten und wichtigsten Wörterbücher des 18. Jahrhunderts. Quelle: Tom Schröter

„Zur Krupp-Stiftung haben wir daher seit Jahren keinen Kontakt mehr“, erklärt Pastor Gabriel, was Dr. Ingomar Lorch als Mitarbeiter der Förderabteilung bei der Krupp-Stiftung bestätigt: „Unser Vorstandsmitglied Dr. Thomas Kempf hatte großes Interesse an einem Engagement in Wolgast. Aber leider gab es zwischen der Kirchengemeinde und der Stiftung seit einem letzten, 2013 geführten Telefonat keine Kommunikation mehr.“

Dabei hätte die Synodalbibliothek in St. Petri fachmännische Hilfe dringend nötig, wie Dr. Falk Eisermann aus Berlin im Ergebnis der 2012 vorgenommenen Sichtung einschätzt. „Gerade die älteren Bände sind in keinem besonders guten Zustand. Zudem müssten die Regale erneuert und der Raum an sich hergerichtet werden.“

Zwar, so heißt es in der 2012 von Jochen Bepler formulierten Stellungnahme, sei in der Wolgaster Kirchenbibliothek, außer regionaler Kirchengeschichte, kein inhaltlicher Schwerpunkt erkennbar. Aber: „Durch das Zustandekommen aus Geschenken, Stiftungen und Nachlässen haben sich eine ganze Reihe von Beiträgen zu unterschiedlichen Wissenschafts- und Interessengebieten angesammelt. Neben den bestandsprägenden Werken zur protestantischen Theologie und Seelsorge, sind philosophische (Mendelsohn, Leibnitz) ebenso wie literarische Werke (Wandsbecker Bote), literarische und wissenschaftliche Zeitschriften (Teutsche Merkur, Acta eruditorum), historische Werke ebenso wie Reisebeschreibungen vertreten.“

Regional- und -kirchengeschichte gut vertreten

Darüber hinaus finde sich Literatur zu Fragen der Naturkunde oder der Mathematik des 18. Jahrhunderts, die aus einem Unterrichtszusammenhang zu stammen scheinen und wohl über Lehrernachlässe an die Bibliothek gekommen seien. Besonders gut besetzt sei die Bibliothek zu Fragen der pommerschen Regional- und insbesondere der Kirchengeschichte. „Dazu“, so schrieb Bepler, „sind beispielsweise Gebet und Gesangbücher nicht nur zahlreich, sondern auch in großer historischer Bandbreite vertreten.“ Anhand der guten Materiallage erscheine ein Dissertations-Projekt zur Prosopographie und Kirchengeschichte von Wolgast im Kontext der Pommerschen Kirchen- und Landesgeschichte vielversprechend.

„Der Wert der Bibliothek ist geprägt vom Raumeindruck, dessen Instandsetzung mit größtmöglicher Zurückhaltung erfolgen sollte“, so Jochen Bepler weiter. Denkbar seien darin Lesungen, Auftritte von Soloinstrumentalisten, Vorträge, Bücherrunden und Tagungen mit maximal 25 Personen.

Ursprungsbestand wurde 1831 verschleudert

Die Bibliothek in St. Petri wurde ursprünglich 1598 von Pastor Samuel Marcus begründet und durch Ankäufe und Geschenke aus Privatsammlungen, Klöstern und Kirchen der Region erheblich erweitert, informiert Dr. Eisermann. „Ausgerechnet Baumaßnahmen an der Kirche führten dazu, dass fast der gesamte Bestand von 950 Bänden im Juli 1831 zu einem Schleuderpreis an die Universitätsbibliothek Greifswald verkauft werden musste.“

Zum Ursprungsbestand der Wolgaster Kirchenbibliothek gehörte auch diese Gutenberg-Bibel, die sich seit 1831 im Besitz der Universitätsbibliothek Greifswald befindet. Die 36-zeilige Bibel wurde um 1458 in Bamberg vom Buchdrucker Albrecht Pfister gedruckt. Weltweit existieren noch 13 Exemplare dieser Bibel, nur vier davon jedoch vollständig in jeweils zwei Bänden. Eine dieser vier zweibändigen Ausgaben gehört der Greifswalder Universität. Die anderen drei werden in Wien, Paris und Leipzig aufbewahrt. Quelle: Stefan Sauer

Erst 1890 habe man in Greifswald bemerkt, dass sich im Wolgaster Bestand eines der bedeutendsten Erzeugnisse des frühesten Buchdrucks überhaupt befand: Ein herausragend ausgestattetes Exemplar der um 1458 gedruckten, sogenannten 36-zeiligen Bibel, so Eisermann weiter. „Bei dieser in zwei Bänden vorliegenden Zimelie handelt es sich um eines von nur vier weltweit erhaltenen, vollständigen Exemplaren, die auf Papier (und nicht auf Pergament) gedruckt wurden – mithin eine absolute Besonderheit, deren materieller wie ideeller Wert sich schlichtweg nicht beziffern lasse. „Wäre es in St. Petri verblieben und hätte es die Zeitläufe überstanden, wäre Wolgast heute ein Wallfahrtsort der internationalen Gutenberg-Forschung.“ 

Von Tom Schröter

Umfangreiche Bauarbeiten haben an der Shell-Tankstelle an der Wolgaster Chausseestraße begonnen. Bis Anfang Februar soll insbesondere der zur Zapfstation gehörende Shop baulich erneuert werden.

21.01.2020

Die Diskussion um das Radwegekonzept „Fahrradfreundliches Heringsdorf“ geht weiter: Alwin Müller, engagierter Bürger und passionierter Radfahrer, kritisiert die Pläne, dass die notwendige Entlastung des Promenadenradweges über den Kulm geführt werden soll. Er macht einen anderen Vorschlag – und trifft damit auf offene Ohren im Ausschuss.

20.01.2020

Eine Bansinerin bekam an der Heringsdorfer Eisbahn auf Usedom ein Knöllchen. 30 Euro musste sie zahlen. Sie fühlt sich ungerecht behandelt, weil der Poller an der Zufahrt unten war.

20.01.2020