Ortsumgehung Wolgast: Warum gehen die Arbeiten nur so langsam voran?
Menü
Ostsee Zeitung | Ihre Zeitung aus Mecklenburg-Vorpommern
Anmelden
Usedom Warum geht es an der Ortsumgehung Wolgast nur langsam voran?
Vorpommern Usedom

Ortsumgehung Wolgast: Warum gehen die Arbeiten nur so langsam voran?

Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
12:12 03.09.2021
An der Ziesebrücke (Bereich B 111 / K 22) bei Wolgast.
An der Ziesebrücke (Bereich B 111 / K 22) bei Wolgast. Quelle: Tilo Wallrodt
Anzeige
Wolgast

Drei Wochen ist der offizielle Spatenstich für die Wolgaster Ortsumgehung her. Gleich sieben Politiker von CDU und SPD schwangen nahe der jetzigen Ziesebrücke die Spaten – darunter Ministerpräsidentin Manuela Schwesig und Verkehrsminister Christian Pegel (beide SPD) sowie Wolgasts Bürgermeister Stefan Weigler, Landrat Michael Sack und der Staatssekretär im Bundesverkehrsministerium Enak Ferlemann (alle CDU). Sie alle feierten die Tatsache, dass endlich nach über 30 Jahren der Planung und Prüfung in den kommenden fünf (oder mehr) Jahren die dringend erforderliche Ortsumgehung gebaut wird und dann der Verkehrskollaps vor allem in der Urlaubssaison ein Ende haben soll.

Die erste Baumaßnahme, die realisiert werden muss, ist der Bau einer Ersatzbrücke über die Ziese, damit die jetzige völlig marode Brücke abgerissen und durch einen Neubau ersetzt werden kann. Doch wer glaubte, dass sofort in den Tagen nach der Feierlichkeit reges Baugeschehen auf dem abgesteckten Areal herrschte, irrt. Denn nachdem Tribüne, Getränkewagen sowie der extra aufgeschüttete Sandhaufen weggeräumt waren, passierte erst mal nichts. Fast zwei Wochen lang waren weder Baufahrzeug noch Bauarbeiter zu sehen. In der vergangenen Woche dann Aufatmen: Vermesser waren erneut zugange.

Amphibienzaun war erste Maßnahme

Außerdem, so teilte das Verkehrsministerium auf Nachfrage mit, vollendete die Firma Gartenprofi Wuttig aus Zinnowitz den Bau eines Amphibienschutzzauns sowohl auf der Nord- wie auch auf der Südseite der B 111, den sie bereits vor dem Spatenstichtermin begonnen hatte. „Dieser Schutzzaun ist Voraussetzung, um im Baustellenbereich um die Ziesebrücke mit den Arbeiten beginnen zu können. Der Zaun wird hauptsächlich in Handarbeit errichtet, dafür ist kein Einsatz von Großtechnik nötig“, erklärt Renate Gundlach, Sprecherin des Verkehrsministeriums. An dem Zaun wurde kontinuierlich gearbeitet, auch wenn dies insbesondere auf der Südseite der B 111 von der Straße aus wegen des dichten und hohen Grünstreifens dazwischen nicht zu sehen ist. Er ist inzwischen fertig.

Als nächstes werde mit der sogenannten Vorlastschüttung begonnen. Das heißt, es wird auf das Gelände, wo später die Ersatzbrücke verlaufen soll, viel Sand aufgeschüttet. Das ist notwendig, weil der Untergrund ein sieben Meter tiefes Moorgebiet ist. Auftragnehmer ist die Grimmener Niederlassung der Firma Günter Papenburg, die zu Beginn dieser Woche mit den Oberbodenarbeiten begann. Dabei werden zunächst mithilfe eines Baggers die Grasnarben auf der Straßenböschung entfernt und die Stubben der Bäume gezogen, die in Vorbereitung der Bauarbeiten bereits im Winter, außerhalb der Brutzeit, gefällt werden mussten, um Platz für das Baufeld an der Ziese zu schaffen.

Biber muss erst vergrämt werden

Entsprechend der Auflagen aus dem Planfeststellungsbeschluss zum Schutz des Bibers, der an der Ziese schon große Dämme aufgeschüttet hat, dürfen die Arbeiten gerade mit großem Gerät nur allmählich aufgenommen werden. „So ist im Beschluss genau festgelegt, dass die Arbeiten zur Baustelleneinrichtung in den ersten Wochen abwechselnd für jeweils ein bis zwei Tage mit erhöhter und dann wieder mit ruhiger Aktivität zu erfolgen haben, um die Biber sachte zu vergrämen“, heißt es aus dem Verkehrsministerium.

Erdaufschüttung wird präzise berechnet

In diesem Zusammenhang wird darauf verwiesen, dass auch während der mehrmonatigen Zeit der Vorlastschüttung nicht permanent mit sichtbaren Aktivitäten zu rechnen ist: Der Sinn der Schüttung ist, jeweils eine präzise berechnete Menge Erde beziehungsweise Sand nachzuschütten und dann zu warten und zu prüfen, wie stark sich der Boden setzt. Abhängig vom jeweiligen Ergebnis dieser Prüfung wird dann erneut nachgeschüttet. Ziel dieses Vorgehens ist, so die Sprecherin, einen Grundbruch zu vermeiden.

Ihr Newsletter von Deutschlands schönster Insel

Jeden Freitag um 18 Uhr erhalten Sie von uns einen Newsletter in Ihr Postfach. Wir zeigen Ihnen, dass Deutschlands schönste Insel, nämlich Usedom, viel mehr zu bieten hat als nur Sonne und Sand.

Mit meiner Anmeldung zum Newsletter stimme ich der Werbevereinbarung zu.

Im Klartext heiße das, so erläuterte der Verkehrsminister, der Boden müsse so verfestigt werden, dass die Brücke, die dann darauf errichtet wird, auch sicher steht und nicht zusammenbricht wie etwa die A-20-Brücke bei Tribsees. Die Ersatzbrücke soll dann während der zweijährigen Bauzeit der neuen Ziesebrücke das hohe Verkehrsaufkommen auf der B 111 aushalten.

Von Cornelia Meerkatz