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Usedom Plädoyers im Mord-Prozess Maria K.: Lebenslänglich und Maßregelvollzug gefordert
Vorpommern Usedom Plädoyers im Mord-Prozess Maria K.: Lebenslänglich und Maßregelvollzug gefordert
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17:00 02.09.2019
Der 19-jährige Angeklagte Nicolas K. (l.) und der 21-jährige Angeklagte Niko G. (4. v. l.) sitzen im Gerichtssaal im Landgericht Stralsund neben ihren Anwälten. Quelle: Stefan Sauer
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Stralsund

Lebenslänglich – das ist die Forderung der Staatsanwaltschaft und der Nebenklage als Strafe für das am 18. März dieses Jahres begangene brutale Verbrechen an der 18 Jahre alten Maria K. aus Zinnowitz. Am Montag, dem fünften Verhandlungstag, sind vor dem Landgericht Stralsund die Plädoyers gehalten worden. Nicolas K. (19 Jahre) und Niko G. (21 Jahre) sind des gemeinschaftlichen Mordes und des Schwangerschaftsabbruches angeklagt. Beide wussten, dass Maria zum Zeitpunkt des Mordes schwanger war.

Staatsanwalt Christoph Schäfer führte in seiner Rede aus, dass die Täter mit großer Brutalität vorgegangen seien. Es sei ihnen darum gegangen, einen Menschen sterben zu sehen. Sie hätten Marias Tod vorsätzlich herbeigeführt. Es sei zwar nicht ihr Ziel gewesen, das ungeborene Kind zu töten, aber sie hätten sich des Schwangerschaftsabbruches im Sinne des Gesetzes strafbar gemacht.

„15 Jahre wären zu wenig“

Laut Schäfer sei Niko G. voll schuldfähig. Er plädierte auf eine lebenslange Haftstrafe unter Berücksichtigung der besonderen Schwere der Schuld. Das bedeute 20 Jahre Haft und hieße zudem, dass keine Möglichkeit besteht, nach 15 Jahren einen Antrag auf vorzeitige Entlassung zu stellen. Dem schloss sich auch Sabine Butzke an, Anwältin von Marias Mutter Steffi K. und Nebenklägerin. „15 Jahre wären zu wenig“, sagte Butzke.

Bildergalerie: Lebenslängliche Haftstrafe gefordert

Am Montag sind im Prozess um den Mord an Maria K. aus Zinnowitz vor dem Landgericht Stralsund die Plädoyers gehalten worden. Staatsanwaltschaft und Nebenklägerin forderten jeweils Maximalstrafen – mit einem Unterschied.

Für Nicolas K. fordern sowohl die Staatsanwaltschaft als auch die Nebenklägerin die Unterbringung im Maßregelvollzug. Dort ist der 19-Jährige bereits auf Wirken seines Pflichtverteidigers Axel Vogt untergebracht. K. war nach seiner Festnahme zunächst in die Justizvollzugsanstalt Neustrelitz gebracht worden. Nicolas K. soll im Maßregelvollzug, einem psychiatrischen Haftkrankenhaus mit strengsten Sicherheitsvorkehrungen, weiter behandelt werden. „Die Allgemeinheit muss vor diesem nach wie vor hochgefährlichen Täter geschützt werden“, sagte Butzke.

Nebenklage fordert bei Nicolas längere Haftstrafe

Außerdem verlangt die Staatsanwaltschaft die Verhängung einer Haftstrafe nach Jugendrecht in Höhe von zehn Jahren. Hier wich das Plädoyer der Nebenklage ab: Sabine Butzke verlangte eine Verhängung einer Jugendstrafe in Höhe von 15 Jahren.

Die Staatsanwaltschaft verwies nochmals auf die im Prozess deutlich gewordene schwere dissoziale Persönlichkeitsstörung und die schwere seelische Abartigkeit von Nicolas K. Der Angeklagte habe weiterhin Tötungsfantasien und ihm fehle jeglich Empathie. Staatsanwalt und Nebenklägerin folgen den Gutachtern, wonach Nicolas K. als sehr gefährlich eingeschätzt wird. Staatsanwaltschaft und Nebenklage forderten auch bei Nicolas K. die Feststellung der besonderen Schwere der Schuld. Eine vorzeitige Haftentlassung wäre damit ausgeschlossen.

Quälende Frage: Warum Maria?

Sabine Butzke sprach als Vertreterin von Marias Mutter am Montag sehr emotional und ausführlich, am Ende war sie selbst den Tränen nahe. Wie Butzke sagte, sei es der Mutter von Maria darum gegangen, dass diese grausame, heimtückische und brutale Tötung aufgeklärt wird. Nach wie vor stehe für Steffi K., die Brüder und die Familie die quälende Frage im Raum, warum Maria ausgewählt wurde. Schließlich seien Maria und die Angeklagten beste Freunde gewesen.

Der Mutter sei es auch darum gegangen, in das Gesicht der Angeklagten zu sehen und zu prüfen, ob sie ihr auch in die Augen schauen könnten. Beide hätten den Blickkontakt jedoch meist verwehrt. Nach Einschätzung der Nebenklage zeigen beide Täter keinerlei Reue. Ihnen sei noch nicht klar, welche menschenverachtende Tat sie begangen hätten, zumal sie Maria bestialisch zugerichtet hätten und der Todeskampf der 18-Jährigen mehrere Minuten gedauert habe.

„Es bleibt eine große Leere“

Marias Mutter weinte während des Plädoyers ihrer Anwältin. Fest in der Hand hielt sie dabei eine Halskette. Auf einem Medaillon an der Kette ist ein Fingerabdruck Marias verewigt – als Erinnerung an Maria. Das Plädoyer der Nebenklage schloss mit den Worten: „Es bleiben Erinnerungen an Maria – ihr freundliches, überschäumendes Lachen –, aber auch eine große Leere in der Familie, weil sie fehlt.“

Auch Pflichtverteidiger Axel Vogt sagte, dass sein Mandant Nicolas K. schuldig des Mordes mit Schwangerschaftsabbruch sei. Allerdings liege keine besondere Schwere der Schuld vor, da er eine schwer gestörte Persönlichkeit habe und geständig gewesen sei. Dadurch sei seine Schuldfähigkeit erheblich vermindert. Er plädiert für das Jugendstrafrecht. Das hieße maximal zehn Jahre Haft, eine genaue Zahl nannte er aber explizit nicht. „Das Gericht findet das richtige Maß“, sagte Axel Vogt.

Verteidiger sieht bei Niko G. Beihilfe zum Mord

Rene Neumeister, Pflichtverteidiger von Niko G., plädierte hingegen auf Beihilfe zum Mord ohne besondere Schwere der Schuld. Die Strafe solle sich am Erwachsenenstrafrecht orientieren. Er widersprach der Nebenklage, dass nicht nachgewiesen werden kann, dass Niko G. das Opfer festgehalten habe. G. selbst war während des Prozesses bei seiner durch den Anwalt vorgetragenen Erklärung geblieben, nicht festgehalten zu haben. Ob Heimtücke vorlag, müsse das Gericht prüfen. „Es ist ein deutschlandweit einzigartiger Fall. Ich hoffe, dass Recht und Gerechtigkeit aufeinandertreffen – auch wenn das nicht für alle möglich sei“, resümiert der Anwalt.

Das Urteil vor dem Landgericht Stralsund soll am Freitag, dem 6. September, um 10.30 Uhr gesprochen werden.

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Von Cornelia Meerkatz

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