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Usedom „Die Peene brennt“: Gewaltiger Geldregen zur Premiere
Vorpommern Usedom „Die Peene brennt“: Gewaltiger Geldregen zur Premiere
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15:38 08.09.2019
Vorpommern-Staatssekretär Patrick Dahlemann (SPD) mimte zur Premiere des Open-Air-Spektakels "Die Peene brennt" in Anklam Don Quijote. Er brachte aus Schwerin Truhen voller Gold mit, was übersetzt bedeutet, dass die Vorpommersche Landesbühne Anklam ab kommendem Jahr deutlich mehr Geld vom Land erhält. Quelle: Cornelia Meerkatz
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Anklam

Wenn es in Anklam regnet, dann richtig – egal, ob Wasser oder Geld: Mit dieser Gewissheit jedenfalls verließen am Sonnabend zufriedene Zuschauer und Darsteller die ausverkaufte Premiere des Open-Air-Spektakels „Die Peene brennt“. Denn ein gewisser Don Quijote hatte am Ende im Dauerregen einer jubelnden Menge verkündet, dass er mit Truhen voller Gold, also Geld, fürs Theater aus Schwerin zurückgekehrt sei.

Ein Märchen, meinen Sie? Oh nein, beglückende Wahrheit: Gerade erst hat die Landesregierung von MV beschlossen, dass die Vorpommersche Landesbühne in Anklam mehr Geld erhält. 2019 bekomme sie einmalig 175 000 Euro zusätzlich, vom kommenden Jahr an jährlich 400 000 Euro mehr als bisher. Die Zuschüsse für das Theater steigen damit auf 1,95 Millionen Euro pro Jahr. Doch damit nicht genug. Ab 2020 wird der jährliche Landeszuschuss dynamisiert, es gibt 2,4 Prozent mehr. Juhu, Gehälter der Schauspieler können nach langen Jahren des Verzichts endlich angepasst werden. Und die Vorpommersche Landesbühne erhält auch noch für ihre maroden Spielstätten in Anklam und Barth einen Baukostenzuschuss in Höhe von 9 Millionen Euro. Was für ein Gelds(r)egen!

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Bis zum 14. September ist das Open-Air-Spektakel „Die Peene brennt“ zu sehen. Mimen der Vorpommerschen Landesbühne und Laien, darunter Ex-Landrätin Barbara Syrbe, begeistern mit Tanz, Gesang und Kanonenfeuer.

Regenumhänge, wohin das Auge blickte

Der Dauerregen setzte pünktlich zum Aufführungsbeginn ein, die Zuschauer störte das nicht. Unter einem Meer von Regenumhängen feierten, sangen und klatschten sie mit den Protagonisten auf der Bühne. Schließlich muss doch im Kampf um den Erhalt der Peeneunion nicht nur das abtrünnige Vereinigte Königreich Usedom von der Freien Republik Peeneland mit ihrer Hauptstadt Anklam wieder auf den rechten Weg gebracht werden. Auch die Schweden und Brandenburger haben sich eine Extra-Lektion verdient.

Dahlemann mit lockigem Haupthaar

Doch bevor die auf die Mütze und die Kanone bekamen, trottete Don Quijote von der Mancha mit seiner stählernen Rosinante vor die Bühne. Kein Geringerer als der Parlamentarische Staatssekretär für Vorpommern, Patrick Dahlemann (SPD), kam da hoch, pardon schnell zu Ross, und mit langem lockigem Haupthaar daher, um den Auftrag auszuführen, den er immer erhält: Gen Schwerin geschickt zu werden, um die Truhen mit Geld zu füllen. „Na, hoffentlich klappt’s“, so noch das Stoßgebet des Intendanten der Vorpommerschen Landesbühne, Martin Schneider, als Don Dahlemann ins ferne Mecklenburg davon ritt.

Der lange Beifall für diesen ersten Auftritt bewies: Der Patrick hat seine Sache gut gemacht. Sein Patenkind Meike in der ersten Reihe winkte ihm hinterher. Ob der plötzlichen Haarpracht des Patenonkels – er hatte lange Locken genau wie sie – staunte die Fünfjährige allerdings und musste der Sache in der Pause auf den Grund gehen. Don Quijote, dem vom ersten Ausritt auf dem hohen Tier noch die Knie zitterten („Man kann sich schließlich nirgends an diesem Eisenpferd richtig festhalten“), ließ es lachend geschehen. Zudem: Sein ganz großer Auftritt stand ja noch bevor.

Kirchentante will Flirten vervollkommnen

Unterdessen wurde auf der klitschnassen Bühne von den Akteuren sicheren Schritts getanzt, gekämpft, gefochten und gesungen. Sogar die erste Mondlandung Baron Harryhausens, eines waschechten Anklamers, gab es zu bejubeln. Einfach unglaublich, diese Peenestädter, und nicht zu toppen! Da half es auch nichts, dass im Lager der Brandenburger eine Kirchentante namens Barbara Syrbe mit von der Partie war, die im früheren Leben mal Landrätin von Vorpommern-Greifswald war und während des Spektakels immer wieder mit General Tassilo zu flirten versuchte. „Das müssen wir noch bisschen üben, mein Angebeteter hat sich mehrfach weggedreht“, sagte Syrbe nach der Vorstellung. Riesigen Spaß habe es ihr gemacht, auch wenn sie unter den Regenponchos niemand habe richtig erkennen können. Aber es kommen ja noch sechs Vorstellungen, „da ist auch mit dem Flirten manches möglich“, meinte sie mit einem Augenzwinkern.

Die Kanonenschlacht über die Peene war wie immer laut, grell, klasse. Und das Finale trotz Nässe und Kälte Lebensfreude und Spiellust pur. Der Geldregen des Don Patrick Dahlemann-Quijote aber brachten die Gesichter der Darsteller sowie des Intendanten Martin Schneider und des Regisseurs Wolfgang Bordel zum Leuchten. Manchmal werden sogar die unglaublichsten Geschichten wahr!

Weitere Vorstellungen von „Die Peene brennt“: 9. bis 14. August täglich 19.30 Uhr

Von Cornelia Meerkatz