Menü
Ostsee Zeitung | Ihre Zeitung aus Mecklenburg-Vorpommern
Anmelden
Usedom 10. Touristiker Talk: Wie erreicht man Qualitätstourismus?
Vorpommern Usedom 10. Touristiker Talk: Wie erreicht man Qualitätstourismus?
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
06:45 09.05.2019
Der Strand in Heringsdorf im Abendrot - viele Usedom-Urlauber lieben dieses Motiv. Quelle: Eigenbetrieb Kaiserbäder
Anzeige
Heringsdorf

Der Tourismus boomt auf Usedom, doch ist er in jedem Fall auch qualitativ hochwertig? Während des 10. Touristiker Talks, der sich mit der Landestourismuskonzeption, ihrer Umsetzung und möglichen Änderungen für die Insel Usedom beschäftigte, ging es auch um diese Frage.

Thomas Heilmann, Kurdirektor der Dreikaiserbäder, findet vieles am Landestourismuskonzept gut, dennoch sei man im polnischen Teil der Insel dabei, die deutsche Seite zu überholen. Darauf würde seitens des Landes viel zu wenig geachtet. Dann sprach er Klartext: Die Gemeinde Seebad Heringsdorf mit den Orten Ahlbeck, Heringsdorf und Bansin sowie den dazugehörigen Ortsteilen verfüge über 23 000 Betten in Hotels, Pensionen und Ferienwohnungen. Im vergangenen Jahr wurden insgesamt 3,8 Millionen Übernachtungen gezählt. „Das hört sich gigantisch an, wir sind stolz darauf und freuen uns, werden gelobt. Doch das bringt uns nicht weiter, denn in Swinemünde gibt es inzwischen 50 000 Betten ...“ Dann führte er den Servicegedanken an: In mindestens 60 Prozent der Swinemünder Geschäfte kann man mit Karte bezahlen. „Auf Usedom ist das Verhältnis eher umgekehrt“, sagte er. Gleiches gelte in Restaurants, wo bei den polnischen Nachbarn die Speisekarten allesamt dreisprachig sind. Auf deutscher Seite suche man das vergebens.

Schlafstrand in Schleswig-Holstein

Der Kurdirektor Kaiserbäder: Thomas Heilmann. Quelle: WLG

Heftig kritisierte er, dass in die Erarbeitung der Landestourismuskonzeption das Landwirtschaftsministerium nicht einbezogen wurde. „Dabei ist es für den Strand, die Düne, den Wald und die ländlichen Regionen zuständig“, sagte Heilmann. „Andere Bundesländer denken da weiter.“ In Schleswig-Holstein beispielsweise gebe es einen Schlafstrand, also die Möglichkeit, im Strandkorb oder Himmelbett am Strand zu übernachten.“ Bei Urlaubern komme das super an, in MV sei das rechtlich nicht möglich. „Da müssen wir uns nicht wundern, wenn uns andere jetzt überholen“, so Heilmann.

Nadine Riethdorf, Kurdirektorin in Koserow und zugleich Vorsitzende des Tourismusverbandes Insel Usedom (TVIU), mahnte wie andere Touristiker an, die Anzahl der Ferienwohnungen auf Usedom nicht ins Unermessliche wachsen zu lassen: „Wir müssen uns immer fragen, ob sich auch der Einheimische hier noch wohl fühlt. Für die touristische Qualität ist das ganz entscheidend“, so Riethdorf. Gern würde sich Usedom als touristische Modellregion etablieren wollen, doch für sie sehe es so aus, als habe das Wirtschaftsministerium in Schwerin bereits allein festgelegt, wer diese Anerkennung erhalte.

Mitarbeiter sind wichtig

Ein wichtiger Aspekt für Qualität im Tourismus seien die Mitarbeiter. Und um die zu halten, bräuchte es Wohnraum. Nach Ansicht von Landrat Michael Sack (CDU) ist die Schaffung von Wohnraum für die Mitarbeiter ein vordringliches Problem. Wenn es gelänge, auf Usedom eine größere Wohnanlage zu errichten, „habe ich von zahlreichen Hoteliers die Zusage, dass sie sofort ein bestimmtes Kontingent abnehmen“, ergänzt Sebastian Ader, Direktor des Hotels „Zur Post“ in Bansin und Mitglied des TVIU-Vorstandes.

Am Ende des Talks blieb die (nicht neue) Erkenntnis, dass Usedom seine Beliebtheit bei den Urlaubern nur halten kann, wenn auf Qualität, Attraktivität, gesunde Infrastruktur und Fachkräftesicherung gesetzt werde.

Diskussion auch über Digitalisierung und Internationalität

Weitere Diskussionsthemen waren Digitalisierung, Mobilität/Verkehr, Akzeptanz und Internationalität. Da schneidet die Insel allerdings nach Einschätzung von Tobias Woitendorf, Vizechef des Landestourismusverbandes, ganz schlecht ab. „Da ist Usedom der Blinde unter den Einäugigen“, so sein Fazit.

Cornelia Meerkatz

Am Mittwochabend wurde auf Usedom bekannt, dass ein Deutscher unter ungeklärten Umständen ums Leben gekommen und bei Swinemünde auf einer Müllkippe gefunden wurde. Die Staatsanwaltschaft Stralsund hatte noch keine Informationen zu dem Fall.

09.05.2019

Der Bürgermeister sollte angeblich der Stadt finanziellen Schaden zugefügt haben, lautete der Vorwurf. Der SPD-Fraktionsvorsitzende in der Stadtvertretung, Günther Jikeli, forderte eine Überprüfung.

08.05.2019

Einer der beiden Tatverdächtigen hat in der U-Haft den entscheidenden Hinweis gegeben, wo er die Schuhe entsorgt hat. Die Tatwaffe, ein Messer, konnte noch nicht gefunden werden. Es soll in der Ostsee liegen.

08.05.2019