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Usedom Rehkitzretter auf Usedom fliegen 61 Mal mit Drohnen über Felder
Vorpommern Usedom Rehkitzretter auf Usedom fliegen 61 Mal mit Drohnen über Felder
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13:21 10.08.2019
Wolfgang Wehner und Petra Pasch haben mit vielen Helfern von Mai bis Juni knapp 740 Hektar Wiesen in der Region mit der Drohne abgesucht. Quelle: Henrik Nitzsche
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Karnin

Die Saison war kurz aber intensiv für Ralf Wehner, Petra Pasch und die weiteren Helfer. Zwischen Mai und Juni mussten sie besonders früh auf den Beinen sein. Möglichst noch vor den Erntemaschinen auftauchen, ansonsten könnte das Feld zur tödlichen Falle für Rehkitze werden.

Hinter den Rehkitzrettern aus Karnin liegen 61 Einsätze. „Die Stiftung hat vom 18. Mai bis Ende Juni insgesamt 736 Hektar Wiesen nach Rehkitzen und Bodenbrütern abgesucht“, bilanziert Ralf Wehner. Mit einer einzigen Ausnahme sind auf den abgesuchten Flächen keine Rehkitze zu Schaden gekommen.

286 Einsatzstunden

Der 60-jährige gebürtige Oberfranke gründete mit seiner Frau vor zwei Jahren die Stiftung „Perspektive Usedom“, die sich der Förderung des Natur- und Artenschutzes, der Altenhilfe, der Gewaltprävention, Vermüllung und eben der Rehkitzrettung verschrieben hat. „Ohne Planungs-, Koordinations- und Vorbereitungsarbeiten wurden für die Einsätze 286 Stunden investiert. Lediglich zwei Anfragen für Einsätze zur Rehkitzrettung mussten aus Kapazitätsgründen abgelehnt werden“, informiert Wehner. Insgesamt kann die Stiftung auf einen Pool von 15 ehrenamtlichen Helfern zurückgreifen, die an den Einsätzen teilgenommen haben.

2018 hatte die Stiftung erstmals einige Wiesen mit jeweils acht Helfern zu Fuß abgesucht, um Rehkitze bei der Mahd vor Tötung und Verletzungen durch landwirtschaftliche Maschinen zu schützen. „Das stellte sich als ineffizient und unsicher heraus“, so Wehner. Die Rehkitzretter gingen Klinken putzen, um Geld für die Anschaffung von Drohnen zu bekommen. Das Vorhaben gelang. Dank einer EU-Förderung über das Leader-Programm und mehrerer Stiftungen konnten bis zum Beginn der Mahd in diesem Jahr zwei Drohnen mit Wärmebildkameras angeschafft werden, um Rehkitze im Gras ausfindig machen zu können – nach dem Vorbild anderer Aktionsgruppen nahe Rostock und in Süddeutschland.

Rehkitze mit Handschuh und Gras geborgen

„Wie viele Tiere die Stiftung bei den Aktionen tatsächlich gerettet hat, lässt sich nur schwer beziffern, da viele Rehe mit ihrem Nachwuchs alleine durch die Aktivitäten der Rehkitzrettung vertrieben wurden. Das eine oder andere Rehkitz wäre gegebenenfalls auch dem Fahrer bei der Mahd aufgefallen. In nur wenigen Fällen mussten Rehkitze beiseite getragen werden – behutsam mit Handschuhe und Gras, sodass die Ricke ihr Kitz auch wieder annimmt. Mit einer einzigen Ausnahme sind auf den abgesuchten Flächen keine Rehkitze zu Schaden gekommen“, so Wehner.

Die Rehkitzrettung unter Einbeziehung einer Drohne wurde Anfang des Jahres einigen Landwirten vorgestellt, wobei die Resonanz auf die Einladung eher verhalten war. Bis zum Beginn der Mahd schlossen sich allerdings zehn Landwirtschaftsbetriebe der Aktion Rehkitzrettung an, von denen die Stiftung etwa 2400 Hektar Wiesen erfasst und katalogisiert hat. Dadurch ist eine eindeutige und schnelle Kommunikation mit den Landwirten (ohne zeitaufwendige Wegbeschreibungen) möglich, wobei die Landwirte ihre Bezeichnungen der Wiesen in der Kommunikation mit der Rehkitzrettung verwenden können. All diese Wiesen sind in einem Katalog erfasst, der inzwischen einen Aktenordner füllt. „Diese Wiesen wurden auch in die Drohnen einprogrammiert, sodass die Geräte die Flächen automatisch in Bahnen abfliegen können.“

2020 mit akustischen Signalgebern

Hilfe aus der Luft gab es in diesem Jahr durch einen mit der Stiftung kooperierenden Landwirtschaftsbetrieb. Thomas Helfer unterstützte mit einer dritten Drohne, die ebenfalls mit einer Wärmebildkamera ausgerüstet ist.

Die Stiftung Perspektive Usedom plant, bei Einsätzen ab 2020 ergänzend zum Absuchen der Wiesen auch mit akustischen Signalgebern zu arbeiten, um Ricken mit ihren Kitzen von den Wiesen unmittelbar vor der Mahd zu vertreiben. Diese Technik hat sich in Nordrhein-Westfalen bewährt und wird dort für die Landwirtschaft auch gefördert, so Wehner.

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Von Henrik Nitzsche