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Usedom Schäferhund fällt Welpen auf Usedom an: Sanitäter retteten Kiwi das Leben
Vorpommern Usedom Schäferhund fällt Welpen auf Usedom an: Sanitäter retteten Kiwi das Leben
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17:37 07.10.2019
Andrea Born, tiermedizinische Fachangestellte in der Greifswalder Tierarztpraxis Quandt & Bracke, mit dem verletzten Welpen Kiwi nach der Operation.  Quelle: WLG
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Usedom/Greifswald

Es war ein herzzerreißendes Drama, das sich da am Sonnabend auf Usedom abspielte: „Wir mussten die Mutter und die beiden Töchter beruhigen. Sie weinten und schrien“, berichtet Sebastian Antczak vom Rettungsdienst des Deutschen Roten Kreuzes (DRK). Der Grund: Kiwi, der Hund der Familie, war im kleinen Ort Dewichow von einem freilaufenden Schäferhund angefallen und dabei schwer verletzt worden.

Nach der Beißattacke standen die Besitzerin und ihre beiden Töchter aus Berlin so unter Schock, dass der Rettungsdienst verständigt wurde. Sebastian Antczak und seine Kollegin Linda Hörning handelten schnell. „Nachdem wir die Frauen versorgt hatten, kümmerten wir uns um den verletzten Hund. Der wäre sonst verblutet“, so Antczak.

Offene Wunde am Bauch des Welpen

Der kleine Malteser musste nach der Attacke eines Schäferhundes am Sonnabend in Dewichow operiert werden. Quelle: Andrea Born

Wenig später traf auch Klaus Kraft vom Verein Haus- und Wildtierrettung Neckartal-Odenwald Abteilung Greifswald/Ostsee ein. „Der Darm hing schon aus dem kleinen Körper. Die Sanitäter haben dem Welpen das Leben gerettet, denn die Verletzungen waren so stark, dass er ohne eine solch schnelle Versorgung nicht überlebt hätte.“

Der Malteser wurde inzwischen in der Greifswalder Tierarztpraxis Quandt & Bracke operiert. „Ihm geht es wieder besser“, sagt Kraft, der zugibt, dass ihm dieser Einsatz „besonders ans Herz ging“.

Kiwis Rettung ist einer von inzwischen 563 Einsätzen in diesem Jahr. Klaus Kraft und seine sechs Mitstreiter leisten für den Verein ehrenamtliche Hilfe bei allen Notfällen von Haus- und Wildtieren im Landkreis Vorpommern-Greifswald.

Einsatzwagen mit Notfallkoffer

Der Verein war 2017 in Süddeutschland ins Leben gerufen worden, im vergangenen Jahr kam die Abteilung Greifswald/Ostsee dazu. „Wir betreuen die Insel Usedom sowie Wolgast, Greifswald und Umland sowie Anklam“, sagt Kraft, der hauptberuflich Fahrlehrer ist.

Drei Standorte haben die Schutzengel der Tiere im Landkreis – in Greifswald, in Medow bei Anklam sowie in Lühmannsdorf. Sie verfügen über geländetaugliche Einsatzfahrzeuge, die es ermöglichen, bei Notfällen abseits befestigter Straßen beziehungsweise ungünstiger Witterungslagen schnell und mit voller Ausrüstung vor Ort zu sein. Bestückt sind die Fahrzeuge mit Schutzausrüstung, Fangstangen, Notfallkoffer mit Infusionen, Schmerzmittel und Kochsalzlösung. Der Verein finanziere sich über Spenden.

„Wir arbeiten inzwischen eng zusammen mit Wildtierauffangstationen, Polizei, Feuerwehr, Behörden, Tierärzten und Tierkliniken“, so Kraft, der erst im Frühjahr 2018 aus Hessen nach Vorpommern gekommen ist.

Erschütterndes Erlebnis

In Medow bei Anklam lebt er auf einem Hof mit 15 Hunden, darunter sind ausgebildete Rettungshunde wie Flächensuchhunde, Therapiehund oder Pettrailer (Tiersuchhund). In Hessen engagierte sich Kraft bereits seit sieben Jahren für die Tierrettung.

Auslöser seines großen Engagements war ein Erlebnis in Rumänien. „Für einen Kumpel bin ich bei einem Tiertransport eingesprungen. Wir haben dort Hunde geholt. Was ich dort gesehen habe, hat mich erschüttert. Seitdem engagiere ich mich für die Tierrettung.“

Keine medizinische Behandlung

Gut ausgerüsteter Einsatzwagen: Klaus Kraft ist ehrenamtlich für die Haus- und Wildtierrettung Abteilung Greifswald/Ostsee unterwegs. Quelle: Henrik Nitzsche

Die Ehrenamtler versuchen, 24 Stunden am Tag einsatzbereit zu sein. Da die meisten einen Job haben, ist das nicht immer leicht. Und wenn es einen Einsatz – 2018 waren es 80 – gibt, dann kann es dauern, bis die Tierretter vor Ort sind.

„Wir haben im Straßenverkehr keine Sonderrechte“, betont der 51-Jährige. Hinzu komme, dass sie keine Tierärzte sind. „Wir können nur eine sehr begrenzte Erstversorgung leisten. Medizinische Behandlungen werden von uns grundsätzlich nicht durchgeführt. Unsere Tierrettung unterhält aus rechtlichen Gründen keine Pflegestellen und vermittelt auch keine Tiere.“

Eine Schlange im Hausflur

Mit solch schlimmen Fällen wie dem Angriff auf den kleinen Malteser – das Ordnungsamt des Südamtes und das Veterinäramt des Kreises haben inzwischen Kontakt zum Besitzer des Schäferhundes aufgenommen – haben die Tierretter nicht immer zu tun. Häufig geht es um ausgesetzte Hunde, mal ist es ein Ziegenbock, der partout nicht von der Terrasse will oder wie am Sonntag eine verletzte Robbe am Strand von Zempin.

Ein junges Kälbchen auf der Fahrbahn rief die Retter auch schon auf den Plan, ebenso eine Schlange in einem Hausflur in Greifswald. „Sie stellte sich als Kornnatter heraus, eine ungiftige Art“, so Kraft, der in den vergangenen vier Tagen mit seinem Rettungsfahrzeug rund 600 Kilometer unterwegs war. „Vom 1. bis 6. Oktober hatten wir 15 Alarmierungen.“

System auch für Vorpommern-Rügen

Sie sind längst an der Kapazitätsgrenze, und dennoch gibt es immer wieder Anfragen, ob sie das Rettungssystem nicht auch im Landkreis Vorpommern-Rügen einführen wollen. „Perspektivisch ist das schon geplant. Die Rettungsleitstelle Stralsund schaut schon etwas neidisch nach Greifswald. Auch von der Polizei und der Stadt Grimmen kamen schon Anfragen“, sagt Kraft. In den meisten Fällen würden dort die Aufgaben Tierheime und -höfe übernehmen.

Für die Ausbreitung des Rettungssystems in Vorpommern brauche es finanzielle Hilfe sowie Freiwillige, die sich für die Tierrettung ans Steuer setzen. „Ich kann mir durchaus vorstellen, dass künftig auch in Stralsund ein Fahrzeug von uns stationiert ist.“

Telefonnummer der Tiernotrettung: Tel. 01 52 / 24 62 27 61

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