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Usedom Heiße Suppe und Tee mit Schuss
Vorpommern Usedom Heiße Suppe und Tee mit Schuss
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06:00 11.01.2019
Angelika Kirsch, die früher die Koserower Bahnhofsgaststätte mit ihrem Mann als Kommissionär betrieb, erinnert sich an den Schneewinter 1978/79. Quelle: Steffen Adler
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Koserow

Die Kirschs waren Gastronomen mit Haut und Haar. Als Kommissionäre bei der Konsumgenossenschaft leiteten Angelika (75) und Klaus Kirsch (81) seit 1974 die weit über die Inselmitte hinaus bekannte wie beliebte Bahnhofsgaststätte in Koserow. Frühstück, Mittag, Abendbrot gab es hier, im Sommer sieben Tage die Woche, nahezu rund um die Uhr. Vor allem Arbeiter, Berufskraftfahrer und Einheimische wussten hier gern und preiswert zu speisen und – ganz wichtig - die neuesten Neuigkeiten auszutauschen.

Und so war es für das Ehepaar Kirsch auch keine Frage, als es Ende Dezember 1978 hieß, nun müsse zunächst und vorrangig die Versorgung aller Helfer, die sich gegen Schnee, Eis und Sturm wehrten, sichergestellt werden. Das Paar zog kurzerhand für vier Tage mitsamt provisorischem Bett in die Lokalität ein. „Wir kümmerten uns darum, dass immer heiße Getränke und Brühe, Suppen und andere Speisen angeboten wurden“, erinnert sich die „Chefin“ des Hauses.

Mit der Planierraupe zum Bäcker

Am 29. Dezember 1978 habe es in Koserow einen Aufruf gegeben, dass sich alle gesunden Männer daran beteiligen mögen, die innerörtlichen Straßen bis zum Krankenhaus freizuhalten. „Da kam sogar die Planierraupe der Dünenmeisterei zum Einsatz“, weiß Klaus Kirsch noch. An Bord eines solchen robusten Fahrzeuges war er eines Morgens sogar zu Bäcker Eichhorst nach Kölpinsee mitgefahren, um die Versorgung mit Brot und Brötchen abzusichern. Die organisatorischen Fäden lagen seinerzeit in der Hand von Bürgermeisterin Ursula Löhrke, die die Sache „sehr gut im Griff hatte“, so Kirsch.

Auf dem Parkplatz am Bahnhof machten in jenen Tagen und Nächten alle Halt, die irgendwie mit Maschinen oder ohne PS-starke Gefährte im Einsatz gegen die Witterungsunbilden waren. Soldaten mit gewaltigen Tatrazügen, Fahrer mit Schneepflügen und Koserower, die zu Fuß im Ort mithalfen, die Straßen passierbar zu halten. „Es war eine schwierige, aber auch tolle Zeit. Man half sich gegenseitig, hielt zusammen“, schaut Angelika Kirsch zurück. Und dieser Blick schließt zugleich die Jahre zwischen 1974 und der politischen Wende ein. Manches sei kompliziert gewesen, nahezu alles anders als heute, aber vieles eben auch einfach schön.

Kräftiger Schuss im Tee

Die Einsatzkräfte erinnern sich bis heute an den heißen Kaffee und Tee (manchmal auch mit einem kräftigen Schuss, obwohl das nicht sein sollte). Und selbst, als vorübergehend der Strom und kurzzeitig das Gas abgeschaltet waren - man sei niemals in Hektik oder gar Panik verfallen. Jeder in der Gaststätte wusste, was zu tun war, und die ungezählten Gäste dankten es den Kirschs und ihrem Team. Manche auch dadurch, dass sie später Stammgäste wurden oder blieben, als sie längst ins Kölpinseer Hotel „Zur Ostsee“ gewechselt waren.

Heute besteht nach Aussagen des Ehepaares das einzige Manko aus jener Zeit darin, dass schlichtweg niemand daran gedacht hatte, Fotos vom Einsatz im Ort und im proppevollen Lokal zu machen. Alle hatten Besseres zu tun. „Und Handys gab es ja noch nicht“, merkt Angelika Kirsch augenzwinkernd an. Wenn sie nun mit ihrem Mann heute in der heimischen Diele sitzt und an den Jahreswechsel vor 40 Jahren denkt, strahlen beide. „Wir haben das damals - wie alle anderen Anforderungen unseres Jobs auch - geschafft. Und wir haben es gern gemacht.“

Steffen Adler

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