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Usedom Schock für Urlauber und Einheimische: Elf Wochen kein Handyempfang in Zinnowitz
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Schock für Urlauber und Einheimische: Elf Wochen kein Handyempfang in Zinnowitz

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20:50 20.12.2019
Funkmast auf dem Hotel „Baltic“ in Zinnowitz. Telefonica repariert dort seine Antennen und lässt die kunden ohne Netzempfang. Quelle: Tilo Wallrodt
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Zinnowitz

Es ist ein Skandal: Seit 25. November gibt es im Osteebad Zinnowitz auf der Urlaubsinsel Usedom für Kunden von des Mobilfunkkonzerns Telefonica kein Handynetz. Auch über Weihnachten und den Jahreswechsel wird das Handy lediglich „Kein Netz“ anzeigen. Nach Aussage des Konzernes werde der Netzausfall bis zum 8. Februar andauern – also elf Wochen lang.

Betroffen sind Handynutzer von O2, 1&1, E-Plus und Blau. Grund für das fehlende Handynetz von Telefonica sind geplante Reparaturarbeiten an der Antennenanlage auf dem Hotel „Baltic“ in Zinnowitz. Zwar sollte spätestens ab 12. Dezember alles funktionieren. Doch nun stellt sich heraus, dass ein Ersatzteil nicht vorrätig ist.

Laut Pressesprecher Jörg Borm kann es auch nicht beschafft oder von einem anderen Funkmast abgebaut werden – obwohl der Konzern hunderte davon in ganz Deutschland betreibt. Borm bedauert zwar den Ausfall, verwies aber darauf, dass auf der Homepage von Telefonica stehen würde, dass bis 8. Februar nichts passiere.

Weihnachtsgäste sind verärgert

Zinnowitz’ Bürgermeister Peter Usemann (parteilos) ist stinksauer. Über die Weihnachtsfeiertage und den Jahreswechsel wächst die Einwohnerzahl des 3200-Seelen-Seebades sprungartig auf über 10 000 an, da tausende Urlauber aus Brandenburg, Berlin, Sachsen, Sachsen-Anhalt, Thüringen, Nordrhein-Westfalen und Niedersachsen hier die Feiertage an der Ostsee verbringen.„Zum Service gehört aber auch, dass man mobil telefonieren kann“, so der Bürgermeister.

Die ersten angereisten Weihnachtsgäste sind verärgert und laufen bereits Sturm. „Wir als Gemeinde finden es rufschädigend, wenn eine geplante Reparatur durchgeführt wird, ohne den Kunden eine mobile Lösung anzubieten. Ein Autohaus nimmt ein Fahrzeug auch erst auseinander, wenn das Ersatzteil da ist bzw. gibt dem Kunden einen Leihwagen“, macht er seinem Unmut Luft.

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Dass es anders geht, habe nach seinen Worten Vodafone bewiesen, die zeitgleich Reparaturarbeiten an der Funkmastanlage in Zinnowitz durchgeführt haben. „Auch da hat es etwas länger gedauert, aber das Unternehmen hat ständig den Kontakt mit der Gemeinde gesucht und informiert“, schildert er.

Bürgermeister: Telefonicas Verhalten ist unverschämt

Telefonica habe nach seinen Worten statt dessen nur unverschämt reagiert: „Auf meine Bitte als Gemeindeoberhaupt nach einem mobilen Funkmast für die Zeit der Reparatur teilte das Unternehmen mit, dass die Beantragung der Genehmigung zum Aufstellen des mobilen Mastes und die Erteilung der Genehmigung genau so lange dauere wie die Reparatur, daher lehne man den Vorschlag ab. Außerdem bekam ich zu hören, dass man mobile Lösungen anbiete und ich doch nur dorthin zu gehen brauche, wo Netz anliegt. Das ist eine Missachtung der gesamten Gemeinde und der Region“, so Peter Usemann.

Handwerker und Hoteliers können wegen des nicht vorhandenen Handynetzes keine Kundenabsprachen treffen. „Mein Bruder ist Taxifahrer. Der war tagelang nicht zu erreichen. Auch im Friseurgeschäft gab es Klagen, weil kein Empfang und damit keine Terminvergabe möglich war“, schildert der Bürgermeister.

Im Hotel funktioniert nicht mal Nottelefon

Noch schlimmer trifft es Hotels, wie Dehoga-Regionalchef Krister Hennige weiß. „In unseren Hotels in Zinnowitz laufen die Notfalltelefone in der Nacht über O2. Falls wirklich was passiert – ein Brand beispielsweise, was hoffentlich nicht eintritt – kann nicht mal die Feuerwehr gerufen werden“, sagt Hennige.

Gemeinsam mit dem Tourismus- und Hotelverband der Insel Usedom ist er sich einig: Das nicht vorhandene Handynetz beschert nicht nur dem Ostseebad Zinnowitz, sondern der gesamten Insel Usedom als eine der beliebtesten Urlaubsdestinationen in Deutschland jede Menge Negativ-Image. Und der Hinweis, dass gegebenenfalls mit dem Festnetz telefoniert werden könne, ist deplatziert. Viele Bürger besitzen angesichts der fortschreitenden Digitalisierung gar kein Festnetz mehr.

In München, wo Telefonica Deutschland seinen Sitz hat, interessiert das Dilemma in einer der bedeutendsten Urlaubsregionen im Nordosten der Bundesrepublik niemanden. Eine Anfrage der OSTSEE-ZEITUNG direkt an den Vorstandsvorsitzenden des Konzerns, Markus Haas, blieb unbeantwortet. Auch der Versuch einer telefonischen Kontaktaufnahme scheiterte.

Bundestagsabgeordneter hat sich eingeschaltet

Das Infrastrukturministerium von Minister Christian Pegel (SPD) in Schwerin ist ebenso informiert wie die Bundesnetzagentur als Aufsichtsbehörde der Mobilfunkkonzerne. Von beiden Seiten wurde allerdings betont, dass es kaum Möglichkeiten der Hilfe gibt, da weder Ministerium noch Bundesnetzagentur dem Konzern weisungsberechtigt sind. Aus diesem Grund hat sich nun auch der Bundestagsabgeordnete Philipp Amthor (CDU), zu dessen Wahlkreis Zinnowitz und die gesamte Insel Usedom gehört, an Telefonica gewandt. Noch gibt es keine Aussage dazu.

Der Zinnowitzer Bürgermeister Peter Usemann hat die Hoffnung aufgegeben, dass noch auf die Schnelle eine Lösung gefunden wird. Schöne Weihnachten und ein entspannter Jahreswechsel sehen für ihn anders aus. Er empfiehlt deshalb seinen Einwohnern und auch jenen Urlaubern, die vom Netzausfall betroffen sind, sich mit ganz vielen Beschwerde-E-Mails und Beschwerdebriefen an Telefonica in München zu wenden – und für die Zukunft den Wechsel zu einem anderen Anbieter in Betracht zu ziehen. „Die Betroffenen müssen zeigen, dass sie eine Macht sind“, sagt er.

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