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Usedom Wildschweinbestand muss intensiv bejagt werden
Vorpommern Usedom Wildschweinbestand muss intensiv bejagt werden
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17:54 24.10.2019
Handzahme Wildschweine verschärfen Gefahr der Ausbreitung der Afrikanischen Schweinepest: An der deutsch-polnischen Grenze füttern trotz Verbotsschildern Autofahrer Wildschweine am Straßenrand. Die Tiere haben jegliche Scheu verloren. Quelle: Tilo Wallrodt
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Anklam

„Trotz aller Anstrengungen: Der Wildschweinbestand im Landkreis Vorpommern-Greifswald ist weiterhin nicht nur sehr hoch, sondern zu hoch“, sagt Kreissprecher Achim Froitzheim, selbst ein erfahrener Jäger. Rotten mit bis zu 30 Schweinen seien gerade auf dem Festland keine Seltenheit.

Die weiterhin notwendige Bestandsreduzierung war daher ein zentrales Thema beim 6. Schwarzwild-Symposium in Anklam mit seinen 90 Teilnehmern – 80 davon waren Jäger, Landwirte und Förster. Vertreten waren auch das Kreisveterinäramt und das Stalu sowie die Untere Naturschutzbehörde. Jürgen Buchwald, Staatssekretär im Schweriner Landwirtschaftsministerium, machte angesichts der sich weiter ausbreitenden Afrikanischen Schweinepest (ASP) in Europa deutlich, dass der Schwarzkittelbestand direkten Einfluss auf den Verlauf der Seuche hat. Sein Fazit: In den vergangenen Jahren konnten durch intensive Bejagung ganz erhebliche Mengen an Wildschweinen erlegt werden. Diese Anstrengungen hätten aber leider noch zu keiner signifikanten Reduzierung des Gesamtbestandes geführt. Dies hänge mit der guten Ernährungssituation des Wildes zusammen.

10 200 Wildschweine in diesem Jahr erlegt

14 300 Stück Schwarzwild wurden im vergangenen Jahr im Landkreis erlegt. In diesem Jahr sind es bislang 10 200. „Trotz der teilweise überhohen Abschusszahlen konnte nur der Zuwachs abgeschöpft werden. Es ist keine Reduzierung des Bestandes erfolgt“, erklärt auch Froitzheim. Die hohen Wildschweinbestände sorgen in Vorpommern für ein ganzes Bündel von Problemen. „Die Schwarzkittel richten in landwirtschaftlichen Kulturen große Schäden an, höhlen Deiche aus und gelten als potenzielle Überträger der Schweinepest. Nicht zuletzt die Tatsache, dass die ASP schon vor unserer Haustür – in Polen – angekommen ist, erfordert weitergehende Gedanken“, sagt der Kreissprecher.

So seien Wildschweine mittlerweile in der Kreisstadt Greifswald beispielsweise Am Gorzberg oder in Ladebow auch tagsüber unterwegs. Auch auf Usedom trifft man an der polnischen Grenze tagsüber verstärkt Wildschweine an, die dann oftmals auch noch von Passanten gefüttert werden. Doch gerade durch diese Nähe Mensch – Wildschwein steigt die Übertragungsgefahr von ASP noch.

Wildschwein-Rotte am 24. September dieses Jahres auf dem Parkplatz an der Montessorischule Greifswald. Quelle: Daniela Quade

Nahrungsangebot begünstigt Gesamtpopulation

Forstdirektor Peter Neumann aus Rothemühl legte auf dem Symposium den Jägern, Land- und Forstwirten sowie Naturschützern die Ergebnisse aus nahezu vier Jahren Arbeitsgruppen-Tätigkeit dar. Er zeigte die vielfältigen Ansätze zu alternativen Bejagungsmethoden auf und forderte insbesondere eine stärkere Unterstützung durch den Kreisbauernverband. Bereits im Vorfeld hatten die Verantwortlichen beschlossen, ihre Aktivität für weitere zwei Jahre fortzusetzen. „Trotz intensiverer Bejagung gestaltet sich die Streckenentwicklung, also die Anzahl der erlegten Wildschweine, welche Rückschlüsse auf die Population zulässt, weiterhin besorgniserregend. Sehr gute Nahrungsangebote für die Schwarzkittel und milde Winter begünstigten nach wie vor eine sehr hohe Gesamtpopulation“, erklärte Peter Neumann.

ASP-Virus viel widerstandsfähiger als geglaubt

Hochinteressant waren die Ausführungen von Dr. Sandra Blome, Leiterin der Nationalen Referenzlabors am Friedrich-Loeffler-Institut auf der Insel Riems bei Greifswald, zu den spezifischen Eigenschaften des ASP verursachenden Virus. Das Virus, so Blome, sei extrem widerstandsfähig und halte sich in den betroffenen Gebieten hartnäckiger als von Wissenschaftlern prognostiziert. Es sei definitiv nicht vom Wolf aus den östlichen Teilen Europas eingeschleppt worden, räumte die Wissenschaftlerin zudem mit landläufigen Vermutungen auf.

Die Teilnehmer des Schwarzwild-Symposiums wollen weiterhin die örtliche Jägerschaft, Landnutzer, Behörden und Verbände sowie Regionalpolitiker für die Problematik sensibilisieren. Beibehalten werden soll zur Bestandsregulierung nach wie vor der gezielte Eingriff in die Jugendklasse, also die aktive Bejagung von Frischlingen mit geringem Gewicht. „Der Landkreis wird die Aktivitäten der Jägerschaft weiter begleiten und unterstützen, weil es eben kein Allheilmittel gegen zu hohe Wildschweinbestände gibt“, sagte Froitzheim.

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Über die Autorin

Von Cornelia Meerkatz

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