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Usedom Schwimmmeister: 40 Jahre am Beckenrand
Vorpommern Usedom Schwimmmeister: 40 Jahre am Beckenrand
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11:06 18.12.2018
Nach 40 Jahren als Schwimmmeister freut sich Arno Melcher nun auf den verdienten Ruhestand. Quelle: Flemming Goldbecher
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Zinnowitz

 Eigentlich wollte Arno Melcher am vergangenen Montag still und leise seinen Hut nehmen, ohne eine besondere Würdigung seiner langjährigen Arbeit als Schwimmmeister. Er selbst habe nämlich mittlerweile mit dem Ende seiner beruflichen Laufbahn abgeschlossen und begehe seinen letzten Arbeitstag wie jeden anderen. Doch all die Jahre, in denen der 63-Jährige als Aufpasser am Beckenrand stand, in denen er Kindern und Erwachsenen das Kraulen beibrachte, verdienen schon allein wegen der vielen Menschen, die sich an ihn erinnern werden, eine besondere Erwähnung.

Angefangen hat alles eher zufällig. Damals lebte Melcher noch in Thüringen. Ein Freund, der als Bademeister arbeitete, wurde in die NVA eingezogen und fragte ihn, ob er nicht einspringen wolle. Melcher übernahm und merkte schnell, dass er einen Beruf gefunden hatte, bei dem er seine Leidenschaft für den Schwimmsport mit täglichem Kontakt zu den Menschen verbinden konnte. 1982 machte er seinen Schwimmmeister und arbeitete dann bis zur Wende im Schwimmbad Zinnowitz. Danach folgten kürzere Stationen in Anklam und Berlin. Ganze sieben Jahre arbeitete er im Hansedom in Stralsund. Vor neun Jahren ging er zurück nach Zinnowitz in die Bernsteintherme.

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Ausrichtung auf Tourismus ist zum Problem geworden

Dort blieb Melcher bis vor wenigen Tagen. Sein letzter Tag als Schwimmmeister lässt ihn nicht in Sentimentalitäten verfallen. Die durchlebte er in den letzten 150 Tagen schon zu Genüge. Die vergangenen Monate waren für ihn ein Wechselbad der Gefühle. Immer wieder kamen Bekannte und Freunde vorbei, um sich bei ihm zu verabschieden. „Da arbeitet man auf, was man in der Vergangenheit erlebt hat“, sagt Melcher, der auf seine Zeit in Zinnowitz nicht nur mit einem Lächeln zurückblickt. „Ich war immer jemand, der seine Meinung offen gesagt hat. Manchmal geriet ich deshalb mit der Geschäftsführung aneinander.“

Besonders habe ihn die zunehmende Ausrichtung auf den Tourismus in der Bernsteintherme gestört. „Früher war das Schwimmbad fast immer voll und trotzdem kannte ich fast jeden Gast persönlich. Heute kommen wegen der hohen Preise kaum noch Einheimische“, erzählt Melcher resigniert. „Die Tourismusorientierung hat der Schwimmhalle das Herz genommen.“ Auch deshalb ist der Neu-Rentner nicht allzu traurig, die vertrauten Gefilde jetzt zu verlassen. Die positiven Erinnerungen wolle er auf jeden Fall mitnehmen.

Am wohlsten fühlte er sich am Beckenrand

Zum Beispiel jene an die Vielzahl an Seepferdchen und Sportabzeichen, die der zertifizierte Schwimmlehrer während seiner Karriere verliehen hat. Sogar einer 76-Jährigen habe er das Schwimmen beibringen können. Früher war er selbst aktiver Schwimmer, nahm sogar an Meisterschaften teil. Sein Wissen weiterzugeben, gefiel ihm daher sehr. Am wohlsten fühlte er sich aber als Aufseher am Beckenrand, wenn er die Badegäste über das richtige Verhalten im Wasser und außerhalb davon aufklärte und darum bemüht war, schon im Vorhinein Unfälle zu verhindern. Auch davon habe er einige mit ansehen müssen. In 40 Jahren als Schwimmmeister erlebe man alles, sagt er. Letztlich käme es vor allem auf das richtige Fingerspitzengefühl an. „Ein guter Schwimmmeister wird am Beckenrand gemacht“, so Melcher.

Wie seine Zukunft als Rentner aussieht, könne er noch nicht sagen. Der Sport wird auch weiterhin eine Rolle für ihn spielen. Sein ganzes Leben lang habe er sich viel bewegt, ist geschwommen und gelaufen, sogar beim Berlinmarathon. Sicher ist, dass er nach Stralsund zurückkehren wird, um dort auch unter der Woche wieder mit seiner Frau zusammenleben zu können. „Nach all den Jahren in einer Wochenend-Ehe müssen wir uns erstmal wieder daran gewöhnen, unsere gemeinsame Freizeit zu planen.“ Bestimmt werde er auch sein Motorrad mal wieder herausholen und viel mehr Zeit mit seinen Kindern verbringen, ist sich Melcher sicher und hebt hervor: „Endlich kann ich auch mal wieder richtig Weihnachten feiern.“

Flemming Goldbecher

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