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Usedom Hunderte Kilometer für Vineta: Das sind die größten Fans
Vorpommern Usedom Hunderte Kilometer für Vineta: Das sind die größten Fans
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18:00 27.08.2019
Lisa Lange (17) mit Anna Jamborski als „Einhorn“. Quelle: Steffen Adler
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Zinnowitz/Heringsdorf

Für Lisa Lange (17) aus Frankfurt/Oder gehören die Vineta-Festspiele auf der Open Air-Bühne zum Urlaub wie Ostsee, Strand und Sonne. Seit sieben Jahren reist die Teenagerin zu den Vinetern und kann von ihnen nicht mehr lassen. Daran mag auch Schwester Franziska (31) einen Anteil haben, denn sie ist Fan schon im neunten Jahr hintereinander.

„Ich schaue mir das musikalische Spektakel immer mehrmals an. In Vineta fühle ich mich wie im Wunderland, bin wie in eine ferne Welt versetzt und kann träumen“, erzählt Lisa Lange. Vor allem seien es einige Lieder, die die Gefühlslage der Frankfurterin exakt treffen. „Sie geben mir Mut und Hoffnung“, beschreibt sie deren Wirkung.

Familientour startet mit dem Osterspektakel

Ihre Familie, die insgesamt mit sieben Leuten anreist, startet ihr jährliches Vineta-Touring schon zum großen Osterspektakel neben der Seebrücke. Und mit den jüngeren Kindern geht es außerdem auch zu den Puppenspielen. Dass Lisa selbst gern Schauspielerin werden möchte, mag auch mit ihrer Freundschaft zu Anna Jamborski, der sie einen Einhornpokal getöpfert hat, zu tun haben. „Wo Anna mitspielt, gehen wir hin“, berichtet Lisa.

Wahrem Fantum ist halt kein Weg zu weit, egal, ob es für den Sportverein, die Rockband oder eben die Theaterinszenierung ist. Und neben Rügens „Störtebeker“ dürfte es in ganz MV kein anderes Bühnenspektakel geben, das seine Zuschauer immer wieder neu so magisch anzieht. Im Falle Vinetas kommt die anhaltende Suche nach der wahren Verortung jener Stelle, an der die goldgierigen Einwohner mitsamt der ehedem so reichen Stadt untergegangen sind, hinzu.

Bildergalerie: So bunt sind die Vineta-Festspiele in Zinnowitz

Es wird gekämpft, geküsst und viel gelacht: Die Darsteller der Vineta-Festspiele bereiteten ein abwechslungsreiches Programm für die Zuschauer vor. Am Freitag ist Premiere auf der Zinnowitzer Ostseebühne.

Für das Team um den früheren Intendanten und jetzigen Geschichtenerzähler Wolfgang Bordel ist deshalb unbestritten: „Kultur und namentlich Theater sind längst unersetzbare Standortfaktoren der Ferieninsel Usedom geworden, sie ziehen Gäste magisch an.“ Wo Aufführungen Kultstatus erreichen und Urlaubsbuchungen auslösen, könnten Künstler nicht viel falsch gemacht haben – Lokale Politiker übrigens auch nicht.

Ethik-Arbeit über Vineta

Für die 21-jährige Rebekka Heimann aus der Bundeshauptstadt war Vineta sogar zum Gegenstand einer Ethik-Arbeit geworden. Sie beschrieb die sagenhafte Stadt als ihren Lieblingsort, recherchierte vor Ort in Zinnowitz und leistete hier Ferienarbeit in der Küche eines Vineta-Hotels. Noch mehr Nähe geht nicht. Das war 2018, nun ist sie wieder da, um ihre Schrift, die mit der Note 1 bewertet wurde, dem Erfinder der Festspiele und dem Vineta-Team zu präsentieren. Rebekka lernt in Stendal Tierpflegerin, lebt in Berlin.

Was für sie das Bühnenspektakel mit Tanz, Pyro und Kämpfen ist, bedeutet für die Greifswalderin Martina Schönrock das jährliche „Keimzeit“-Konzert in der „Blechbüchse“. Ins gelbe Theater von Zinnowitz, eine frühere Strandkorbhalle mit Kultstatus, kommt sie seit 1997, um Rockkonzerte zu hören. Los ging es seinerzeit mit „Stern Meißen“. Jetzt tourt sie zu jedem Keimzeit-Konzert, klebt alle Eintrittskarten säuberlich in ihr privates Archiv und ist immer wieder aufs Neue begeistert von der Musik der Norbert Leisegang & Co. „Wenn es das gelbe Theater nicht gäbe, müsste man es erfinden. Es ist für Zinnowitz unersetzbar.“

Erster Gang zum Chapeau Rouge

Fan der Vorpommerschen Landesbühne durch und durch sind Marion und Steffen Petermann aus Altenburg. Seit 2007 urlauben sie auf dem Heringsdorfer Mobilcamp, ihr erster Gang auf Usedom ist stets jener zum Chapeau Rouge, um sich Tickets für die nächsten zwei Wochen zu sichern. Es gleicht einem Ritual der beiden. Mutter Courage, Was ihr wollt, Kabarett – ein straffes kulturelles Abendprogramm gehört für sie dazu.

Den beiden Gymnasiallehrern aus Gelsenkirchen, Sabine Paul und Hans-Jürgen Gießelmann geht es ähnlich. Sie wohnen im Heringsdorfer „Kaiserhof“ und schätzen das Chapeau Rouge nun schon im vierten Jahr. Die Spielpläne werden online schon zu Hause gecheckt. Da sie auch im Essener Grillo-Theater Stammgäste sind, fällt es ihnen leicht, Inszenierungen zu vergleichen. So hat ihnen Jürgen Kerns „Kleiner Mann – was nun?“ besser gefallen als die Aufführung des Fallada-Stückes im Ruhrgebiet, sie sei konzentrierter ausgefallen.

Keine Ferien ohne Kunst

Für die Gelsenkirchener Urlauber ist an elf Abenden Kultur angesagt, wozu auch Klassik am Meer und Zirkus gehören. Ferien ohne Kunst? Das geht für sie gar nicht, und auch deshalb kommen sie immer wieder auf die Insel Usedom.

„Ich hab schon die Eule am Stamm“, scherzt Gesina Schwerin. Sie ist seit anderthalb Jahrzehnten Stammgast des Roten Zeltes an der Heringsdorfer Promenade und sieht dort ausnahmslos jede Inszenierung. Aber ob sie deshalb Schutzstatus genießt? Die Rentnerin aus Bansin lacht. Es sei die besondere Atmosphäre, die im Theaterzelt herrsche. Dessen neue Ausgestaltung überzeugt sie nicht, und die aktuellen Kabarettprogramme sind ihr zu weichgespült. Aber Sternstunden habe sie auch erlebt: „Das kunstseidene Mädchen“ mit Juliane Botsch und Jürgen Kerns Inszenierung von „Marlene“.

Treffen hinter der Bühne, Autogrammstunden und Selfies

Für die große Nähe zu ihren Fans tut die Vorpommersche Landesbühne aber auch jede Menge. Man nimmt sich Zeit füreinander, verabredet Begegnungen backstage, Autogrammstunden und Selfies. „Überzeugende Leistung auf der Bühne ist das eine, für die Zuschauer auch vor und nach der Vorstellung da zu sein, das andere. Wenn der Gesamtmix stimmt, gewinnt man immer neue Stammgäste“, fasst Vineta-Erfinder Bordel seine Überzeugung zusammen.

Noch ein Beispiel: Als das Ehepaar Petermann aus Altenburg bei der Anreise kurz vor Anklam mit einem Reifenschaden am Wohnwagen liegengeblieben war, schleppte sie der ADAC zwar in die Lilienthalstadt ab, doch eine schneller Weiterfahrt ermöglichte erst das Telefongespräch mit dem Heringsdorfer Chapeau Rouge. Da kannte nämlich ein Mitarbeiter einen Anklamer Kollegen, der ruck-zuck half. Wie in einer gut funktionierenden Familie.

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