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Usedom Sensationeller Kartenfund im Wolgaster Museum
Vorpommern Usedom Sensationeller Kartenfund im Wolgaster Museum
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11:52 20.09.2019
Museumsleiter Stefan Rahde ist hocherfreut: Die Wolgaster „Kaffeemühle“ ist eines der wenigen Museen, die einen wertvollen Druck aus dem Jahr 1758 der Lubinschen Karte in ihrem Bestand haben. Quelle: Tom Schröter
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Wolgast

Erfolgreiche Schatzsuche im Wolgaster Museum: Stets glaubte man, bei der in der „Kaffeemühle“ ausgestellten großen Pommernkarte von Eilhard Lubin handele es sich um eine Reproduktion aus jüngerer Zeit. Doch eine aktuelle Untersuchung ergab, dass die Besucher hier einen der äußerst seltenen, wertvollen Original-Zweitdrucke von 1758 vor sich haben. „Weltweit existieren nur noch etwa 25 dieser Drucke. Vom 1618/19 hergestellten Erstdruck ist heute kein Exemplar mehr bekannt“, berichtet Museumsleiter Stefan Rahde, der sich über den sensationellen Fund freut.

„Schon bei der Eröffnung unserer aktuellen Ausstellung ‚Eilhard Lubin – Unbekannte Wege‘ am 26. Juli kam ich mit Dr. Jürgen Hamel ins Gespräch über den Zweitdruck der Lubinschen Karte im Jahr 1758“, schildert Rahde. Schnell war sein Forscherdrang geweckt. Den jüngsten Vortrag des Astronomie-Historikers Hamel vor gut zwei Wochen in Wolgast nahm der Museumschef dann zum Anlass, den Druck in der Dauerausstellung einmal genauer unter die Lupe zu nehmen.

„Zunächst hatten wir keinen Erfolg. Aber mit Hilfe eines Lichttischs, der sonst zum Durchleuchten von Röntgenbildern Verwendung findet, konnten wir das Wolgaster Exemplar nun flächiger durchleuchten und ein Wasserzeichen des Papierherstellers in Form einer stilisierten Lilie entdecken“, so Rahde. Nun stehe fest, dass Wolgast einen der wenigen Originaldrucke von 1758 besitzt. „Damit befinden wir uns zum Beispiel mit dem Museum in Stralsund und dem Stettiner Schloss in guter Gesellschaft“, so Rahde.

Der Beleg für die Echtheit der Karte: Unter dem geschwungenen Schriftzug „BALTICI“ sind Teile des ebenfalls geschwungenen Wasserzeichens im Papier zu erkennen, welches 1758 beim Zweitdruck der Lubinschen Karte Verwendung fand. Quelle: Stefan Rahde

Jetzt wiederum stellt sich die Frage, woher die Wolgaster Karte stammt und wie sie ins Museum gelangte. Deren frühere Leiterin Dr. Barbara Roggow erinnert sich, dass das Exemplar ursprünglich im Rathaus aufbewahrt und in den 1970er-Jahren ins Museum überführt worden sei. „Vielleicht“, so hofft Stefan Rahde, „weiß noch jemand etwas zur früheren Geschichte unserer Karte.“ Nicht auszuschließen sei, dass diese zuvor im Gebäude der einstigen herzoglichen Kanzlei in der Kleinbrückenstraße 4 hing und von dort ins Rathaus gebracht wurde.

Das wertvolle Wolgaster Ausstellungsstück zeichne sich durch einen sehr guten Erhaltungszustand aus. Lediglich an wenigen Stellen ist der Druck etwas verblasst. Präsentiert wird das Exponat in einem Raum mit Kunst- statt mit Tageslicht, um die messerscharfen Kontraste zu bewahren. „Allerdings“, so sagt der Museumsleiter, „muss die Karte neu gerahmt werden. Die alte Rahmung ist inzwischen marode.“

Detail der von Eilhard Lubin erstellten und erstmals 1618/19 gedruckten Pommernkarte mit der zeitgenössischen Stadtansicht von Wolgast. Quelle: Tom Schröter

Im Jahr 1610 hatte der Herrscher über den Ostteil Pommerns, der Stettiner Herzog Philipp II. (1573–1618), den Rostocker Universitätsprofessor Eilhard Lubin mit der Erstellung einer Karte beauftragt, die das Herzogtum Pommern abbildet. Acht Jahre später verließen die ersten Exemplare, die heute nicht nur als Meisterwerk kartographischer Kunst, sondern auch als eine solide Quelle historischen Wissens angesehen werden, die Druckerei. Überreicht wurden diese unter anderem an die damals lebenden Pommernherzöge Franz in Stettin und Philipp Julius in Wolgast. Philipp II. erlebte als Initiator des Gesamtprojekts zwar noch dessen Umsetzung, aber nicht mehr den Druck.

Die kupfernen Originaldruckplatten galten schon früh als verschollen. Erst 140 Jahre nach dem Erstdruck tauchten zum Erstaunen der Zeitgenossen die Platten im Nachlass des Stralsunder Bürgermeisters Zabel auf. Umgehend wurde in Hamburg daran gegangen, erneut Karten zu drucken. Ein Exemplar dieses Drucks, dies ist nun klar, befindet sich bis heute in Wolgast. Welchen Weg anschließend die wertvollen Druckplatten nahmen, ist hingegen unbekannt – sie verschwanden wiederum auf rätselhafte Weise. Übrigens: Die Ausstellung „Eilhard Lubin – Unbekannte Wege“ ist noch bis zum 31. Oktober im Wolgaster Museum zu sehen.

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Von Tom Schröter

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