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Usedom Sie retten Rehkitze vor dem Mäher
Vorpommern Usedom Sie retten Rehkitze vor dem Mäher
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14:22 12.06.2019
Petra Pasch und Ralf Wehner engagieren sich in der Region als Rehkitzretter. Sie setzen nun eine Drohne ein bei ihrer ehrenamtlichen Arbeit. Quelle: Henrik Nitzsche
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Karnin

Sie müssen schnell sein und noch vor den Erntemaschinen kommen. Ansonsten könnte das Feld zur tödlichen Falle für Rehkitze werden. Zur Verhinderung des Mähtods braucht es Menschen wie Petra Pasch und Ralf Wehner – Rehkitzretter aus Karnin. Um sicher zu gehen, dass sich kein Jungwild zur Zeit des Mähens in der Wiese befindet, werden die Flächen vorher abgesucht. „Wir bedienen gegenwärtig auf Usedom und dem Festland um die 2200 Hektar“, sagt Ralf Wehner. Der 60-jährige gebürtige Oberfranke gründete mit seiner Frau vor zwei Jahren die Stiftung „Perspektive Usedom“, die sich der Förderung des Natur- und Artenschutzes, der Altenhilfe, der Gewaltprävention, Vermüllung und eben der Rehkitzrettung verschrieben hat. „Jährlich kommen bei der Mahd rund 500 000 Tiere ums Leben, davon 80 000 bis 100 000 Rehkitze“, sagt Petra Pasch.

Wiesen in die Drohne einprogrammiert

Vor der Ernte suchten die beiden mit einigen Helfern die Felder zu Fuß ab – das war 2018 so. Personell und zeitlich war das ein riesiger Aufwand. Inzwischen ist der ehrenamtliche Einsatz moderner geworden, Hilfe aus der Luft ist dazugekommen. Dank einer EU-Förderung über das Leader-Programm und mehrerer Stiftungen rücken die beiden in aller Frühe nun mit zwei Drohnen aus – meist sehr kurzfristig. Wochentage werden da mitunter kaum noch genannt. „Meistens heißt es, morgen‘“, so Petra Pasch zu den Telefonaten mit den Jägern oder Landwirten. Das sind wichtige Partner für die Rehkitzretter. Mit zehn Landwirten kooperiert das Duo.

Einer von ihnen ist Jörg Espig, Geschäftsführer der Agrar GmbH Usedom. „Ich unterstütze die Rehkitzretter in vollem Maße. Wir können das zeitlich und finanziell gar nicht leisten“, sagt Espig. Als Jäger schlage sein Herz auch für jedes Wild. „Gerade was Rehwild angeht, haben wir jedes Jahr schon auf den Straßen enorme Verluste. Darum ist es wichtig, so viel wie möglich Rehwild zu erhalten. Das fängt auf den Feldern an“, so der Geschäftsführer.

Wenn auf Flächen eines kooperierenden Landwirts eine Mahd ansteht, können sich Wehner/Pasch mit der Technik darauf zügig einstellen. „Die Wiesen sind bereits in die Drohne einprogrammiert. So können wir die Felder nach Bahnen abfliegen“, so Wehner, der früher als Betriebswirt, heute als Fluglehrer tätig ist. Und der gerade im Mai und Juni mit seiner Frau früh aufstehen muss. Um 6 Uhr sind sie auf dem Feld. Ihre Motivation: „Leben retten.“

Auf knapp 140 Einsatzstunden und 440 Hektar kommen sie mit ihren Helfern schon in diesem Jahr. „Immer mit dabei ist Hartmut Gollnow und Familie“, betont Petra Pasch, die Yogalehrerin ist.

Anfang der Woche wurden sie zu einem Lupinenfeld nach Zemitz gerufen – etwa sechs Hektar groß. Schwierig für das Trio (unterstützt wurden sie von einem Jäger), weil die Pflanzen bauchhoch standen. „Mit der Drohne sieht man da nicht viel. Mitunter hilft die Wärmebildkamera“, so Wehner, der die Arbeitsweise vor Ort so beschreibt: Einer bedient die Drohne, einer schaut auf die Drohne und hält Kontakt per Walkie Talkie zum Dritten, der im Feld unterwegs ist. Und hofft, dass er Kitz oder Ricke aufschrecken kann. Bei einer Gefahr für Rehe – sprich große Erntemaschinen – laufen die Rehkitze nicht davon, sondern bleiben instinktiv auf dem Boden sitzen und suchen Schutz. Mitunter ist das ihr Todesurteil. „Zwei Wochen lang haben Rehe keinen Fluchtreflex“, so Petra Pasch, die mit ihrem Mann schon zahlreiche Rehkitze per Hand aus der Gefahrenzone geschafft hat. „Das ist jedesmal ein Erfolg“, meint sie und verweist auf die Pflicht der Landwirte, den zuständigen Jagdausübungsberechtigten über den Zeitpunkt der Mahd zu informieren und Vorsichtsmaßnahmen zu treffen, um den Tod der Tiere zu verhindern.

Weil die Rehkitzretter inzwischen an ihre Kapazitätsgrenze gestoßen sind, brauchen sie weitere Helfer. „Sponsoren wären auch gut, weil wir dann eine dritte Drohne anschaffen könnten. Wichtig ist, dass wir weitere Jäger ins Boot holen“, sagt Wehner, während nebenan das Telefon klingelt. Seine Frau geht ran. Morgen ist der nächste Einsatz.

Kontakt: 0172/7201660

stiftung-perspektive-usedom.de

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