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Usedom „Sinnlose Gewalt ist leider kein Privileg von Geschichtsbüchern“
Vorpommern Usedom „Sinnlose Gewalt ist leider kein Privileg von Geschichtsbüchern“
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00:00 14.11.2016
Im Anschluss an die Gedenkfeier wurden an der Statue „Die frierende Frau im Soldatenmantel“ Kränze abgelegt. Fotos (2): Henrik Nitzsche
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Kamminke

Der 13-jährige Till Grabowski und die 12-jährige Sarah Tulinski von der Europaschule Ahlbeck zitierten aus einem Gedicht von Ingeborg Görler: „Krieg ist etwas im Fernsehen, man kann es abschalten, Krieg ist etwas in der Zeitung, man kann Salat drin einwickeln, Krieg ist etwas, das die Alten erlebt haben – man kann’s nicht mehr hören. Krieg ist meistens weit weg“.

Einige, die gestern am Volkstrauertag zum Golm kamen, haben den Krieg aber erlebt. „Fast nirgendwo anders als hier auf der Kriegsgräberstätte, die das Inferno des 12. März 1945 und die damit einhergehende Tragödie mit tausenden Opfern und bis heute anhaltenden körperlichen und seelischen Wunden der Überlebenden versinnbildlicht, wird die Bedeutung erkennbarer: Wir wollen um die Menschen trauern, die durch Krieg und Gewalt ihr Leben verloren“, sagte Bundestagsabgeordneter Eckhardt Rehberg (CDU) in seiner Rede bei der Gedenkfeier. Hier, in der Region Swinemünde haben an einem Tag 6000 bis 10 000 Menschen ihr Leben gelassen. „Sie ließen ihr Leben nicht aufgrund einer Schlacht. Nein, diese Menschen starben, weil offenbar eine militärische und machtpolitische Überlegenheit demonstriert werden sollte. Wir wollen aber nicht nur an die Toten erinnern, wir wollen auch hinterfragen, mahnen und uns selbstkritisch unsere Worte und Taten vergegenwärtigen. Sinnlose Gewalt ist leider kein Privileg von Geschichtsbüchern, sondern ein menschliches Phänomen“, sagte Rehberg und zog Parallelen zur aktuellen weltpolitischen Lage, „die prekärer denn je ist“.

Stefan Fricke, Pastor der Kirchengemeinden Morgenitz und Zirchow, bezeichnete den Gedenktag als „Orientierungspunkt. Sie sollten sich einlassen auf die Schicksale, die dieser Ort verbindet.“

Eingelassen haben sich beispielsweise Schüler der Berliner Johanna Eck-Schule, die seit mehreren Jahren die Gedenkfeier unterstützen. „Wir sind hier, um mit ihnen zu trauern. Ich hoffe, dass irgendwann einmal kein Mensch mehr durch Krieg sterben muss“, sagte Sebastian Bröder (16) aus der Hauptstadt. Seine Schule steht für Courage und gegen Rassismus. In mehreren Workshops widmen sich die Berliner derzeit in der Jugendbegegnungs- und Bildungsstätte den Themen Krieg, Flucht und Vertreibung. Rehberg dankte der Einrichtung und dem Volksbund Deutsche Kriegsgräberfürsorge, um dann eine gute Botschaft aus Berlin zu verkünden: 2017 wird der bundesseitige Etat des Volksbundes um drei Millionen Euro auf insgesamt 16 Millionen Euro aufgestockt.

Träger ist der Volksbund

Am 1. März 2000 ist die größte Kriegsgräberstätte des Landes M-V in die Trägerschaft des Volksbundes übergegangen, der die Pflege und Erhaltung dieses Friedhofes übernommen hat.

Jährlich führt der Volksbund am 12. März und am Volkstrauertag Gedenkstunden auf dem Golm durch.

Am 12. März 2005 eröffnete der Volksbund die Jugendbegegnungs- und Bildungsstätte Golm in Kamminke.

Henrik Nitzsche

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