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Usedom So erlebte Heringsdorfs Bürgermeisterin Marisken die ersten 100 Tage im Amt
Vorpommern Usedom So erlebte Heringsdorfs Bürgermeisterin Marisken die ersten 100 Tage im Amt
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18:00 22.11.2019
Laura Isabelle Marisken, Bürgermeisterin von Heringsdorf, zieht nach 100 Tagen im Amt eine Bilanz. Quelle: Andreas Dumke
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Heringsdorf

Nach 100 Tagen im Amt zieht Heringsdorfs Bürgermeisterin Laura Isabelle Marisken eine Zwischenbilanz.

Sie sind jetzt gut 100 Tage im Amt – ist die Tätigkeit als hauptamtliche Bürgermeisterin und damit Verwaltungschefin noch immer Lust oder gibt es schon Frust über Dinge, von denen Sie gar nicht wussten, dass sie auch zu Ihrem Aufgabengebiet gehören?

Auf keinen Fall. Ich empfinde es als ungemein große Ehre, diesen verantwortungsvollen Posten ausführen zu dürfen. Ich bin überaus dankbar für das mir entgegengebrachte Vertrauen und stehe zu 100 Prozent hinter dieser Gemeinde und der Würde des mir übertragenen Amtes. Richtig ist, dass die Themenfelder breit aufgestellt sind und man an einem Tag mit einer Vielzahl ganz diverser Aspekte konfrontiert wird. Von A wie Abfall, der illegal abgeladen worden ist, bis Z wie Zeiterfassung für unsere Mitarbeiter/-innen ist alles dabei. Die Themenfelder, die mir bislang begegneten, sind für mich sehr spannend, und ich betrachte die sachgerechte Einarbeitung als lohnende Herausforderung.

Sie haben während des Wahlkampfes an über 3000 Haustüren geklingelt. Wie viele Bürgergespräche bzw. Hausbesuche haben Sie in den ersten 100 Tagen absolviert?

Weiterhin sehr viele. Und ich beabsichtige, dies definitiv beizubehalten: Sei es bei meinen Einwohnerfragestunden, auf Veranstaltungen, nach Terminvereinbarung im Rathaus oder dem zufälligen Gespräch vor meiner Haustür. Es ist für mich von hoher Priorität, den Kontakt zu den Einwohnerinnen und Einwohnern intensiv zu halten. Nicht nur für die Einwohnerinnen und Einwohner erachte ich das als positiv – die Gespräche ermöglichen auch mir, meine Amtsgeschäfte und Schwerpunkte an den Bedürfnissen der Menschen vor Ort ausrichten zu können.

Welche Probleme wurden am häufigsten an Sie herangetragen, sprich, was wurmt die Bürger der Gemeinde am meisten?

Es gibt eine Vielzahl von Themen, die angesprochen werden. Die Liste ist weitaus länger, aber um einige wesentliche Aspekte anzuführen: Die derzeitige Kurabgabe für Verwandte 1. Grades sowie die Verkehrsproblematik auf der Insel und der Gemeinde werden kritisiert. Die Einwohner bemängeln, dass bezahlbarer Wohnraum in unserer Gemeinde Mangelware sei. Häufig wird eine Dysbalance zwischen den Interessen der Einheimischen und den Touristen angesprochen sowie die bauliche Entwicklung in unserer Gemeinde, insbesondere im Hinblick auf die expansive Zunahme der Ferienwohnungen kritisiert. Mehrfach thematisiert wurden die teilweise defizitäre Versorgung des Breitbandausbaus sowie die Verbesserungswürdigkeit der medizinischen, notfallmedizinischen und gesundheitlichen Versorgung. Außerdem sind die Sauberkeit des Ortes und des Meeres sowie die Verhinderung der Erdgasförderung wichtige Themen in unserer Gemeinde.

Welche Umstrukturierungen haben Sie im Rathaus außer der Verlegung Ihres Büros ins Erdgeschoss noch vorgenommen und wie wurden diese Veränderungen von den Mitarbeitern aufgenommen?

Im ersten Schritt erfolgte und erfolgt die gründliche Analyse der Verwaltung, seiner Abläufe und Strukturen. Daran erst schließt sich der Prozess der Umstrukturierung an. Der Spielraum ist im Vergleich zu privatwirtschaftlichen Unternehmen viel limitierter und hängt kausal auch von den Vorstellungen der Gemeindevertretung ab, die etwa über die Frage der Schaffung von Arbeitsstellen im Haushaltsplan entscheidet.

Bei der Analyse liegt mein Fokus zunächst auf dem Bereich Personal und Struktur. Dazu habe ich viele Mitarbeitergespräche geführt, Prozessmonitoring betrieben, mich in Sacharbeiten eng einbinden lassen, um Stärken und Schwächen zu analysieren. Infolgedessen konnte ein erster Katalog an Veränderungen erstellt werden, die nach und nach umgesetzt werden können. Die Umstrukturierung der Verwaltung ist damit vielmehr als Prozess zu verstehen, bei dem mir starre Grenzen durch andere Entscheidungsträger gesetzt sind. Derzeit steht die Erarbeitung eines Lageberichts der Fachabteilungen für die Gemeindevertretung an, der Einfluss in die Ausgestaltung des nächsten Haushalts finden soll.

Die von mir erarbeiteten Umstrukturierungsmaßnahmen reichen beispielsweise von der Erarbeitung eines flächendeckenden Vertretungsplans im Amt, über die Bedarfseruierung einwohnerorientierter Öffnungszeiten am Samstag durch ein Pilotprojekt hin zur Erstellung eines Arbeitsplans zum Aufbau eines betrieblichen Gesundheitsmanagements sowie teambildender Maßnahmen.

Im Fokus steht für mich im nächsten Schritt zentral die Veränderung der derzeitigen Verwaltungsstruktur. Diese ist meiner Ansicht nach teilweise wenig zweckmäßig und disproportioniert. Vakant und unbedingt zu besetzen ist für mich die Stelle eines Kämmerers/einer Kämmerin. Ich plane, das bisherige 2-Säulen-Modell der Verwaltung mit zwei Fachbereichen in ein mehrgliedrigeres Modell umzustrukturieren. Hierzu sind jedoch in Abstimmung mit der Gemeindevertretung entsprechende personelle Veränderungen notwendig. Die skizzierten strukturellen Veränderungen werden insgesamt gut aufgenommen, da es mir wichtig ist, sie in enger Kommunikation mit den Mitarbeitern zu entwerfen.

Eines der zentralen Themen des Wahlkampfes war die Neuregelung der Kurabgabe, damit Verwandte ersten Grades wie die Einwohner selbst von der Zahlung befreit sind. Doch seit Ihrem Amtsantritt hört man davon nichts mehr. Wie ist der Stand der Dinge?

Weil ich davon nicht extensiv berichte, bedeutet das nicht, dass die Arbeiten dazu nicht auf Hochtouren laufen würden. Ich werde der Gemeindevertretung eine Beschlussvorlage zur Kurabgabe 2020 vorlegen, die Verwandte ersten Grades von der Kurabgabe im Ergebnis befreit.

Sie haben sich seit Ihrem Amtsantritt mehrfach für einen Bettenstopp auf Usedom starkgemacht, wollten sogar die Landtagsfraktionen nach Heringsdorf einladen. Dennoch wird auch in den Dreikaiserbädern fleißig weiter gebaut, z. B. ein großes Hotel an der Ahlbecker Promenade. Und von den Landtagsabgeordneten war noch nicht viel zu sehen. Mussten Sie Ihre Ziele aufgeben?

Nein, natürlich habe ich meine Ziele dies betreffend nicht aufgegeben. Es steht oben auf meiner Agenda. Die Landtagsfraktionen sind angeschrieben, hier erfolgt derzeit der Rücklauf. Festzuhalten ist, dass seit meinem Amtsantritt keine größeren Ferienbauvorhaben neu genehmigt und viele Ferienbauvorhaben abgelehnt worden sind. Ich muss an dieser Stelle betonen, dass hier zwischen der Gemeindevertretung, meiner Verwaltung und mir absolute Übereinstimmung besteht: Wir ziehen an einem Strang, wenn es um die Frage geht, neue große Ferienwohnungsbauvorhaben innerhalb des uns rechtlich zustehenden Rahmens zu vermeiden.

Doch so einfach wird es in Zukunft nicht sein. Die rechtliche Situation fesselt uns. Auf vielen Grundstücken, so auch auf dem vor meiner Zeit genehmigten Grundstücks des Goethequartiers, besteht Baurecht und ein Bauherr hat dementsprechend generell Anrecht auf die Erteilung einer Baugenehmigung. Nach geltendem Recht hängen die Größe und die Art des genehmigungsfähigen Bauvorhabens nicht zuletzt davon ab, was in der Umgebung bereits vorhanden ist und diese Umgebung baulich prägt. Hier sind in den vergangenen Jahren und Jahrzehnten aus heutiger Sicht Entscheidungen getroffen worden, die uns heute auf die Füße fallen. Diese sind jedoch nicht mehr zurückzudrehen. Ich darf mich nur auf der Grundlage des geltenden Rechtes bewegen. Rechtskräftige Planungen aus der Vergangenheit kann ich nicht einseitig verändern; damit würde sich die Gemeinde schadenersatzpflichtig machen. Aus diesem Grund sind hier auch der Gesetzgeber und der Landkreis als Genehmigungsbehörde gefragt!

Haben Sie inzwischen in Heringsdorf eine eigene Wohnung gefunden?

Ja, Heringsdorf ist meine neue schöne Heimat. Ich fühle mich sehr wohl. Es war absolut außergewöhnlich, wie sehr mich die Einwohnerinnen und Einwohner bei der Wohnungssuche unterstützt haben, wie viel Hilfe ich angeboten bekommen habe und wie toll ich aufgenommen worden bin. Das hätte es woanders nicht gegeben und das werde ich nie vergessen!

Wie steht es um das Thema sozialer Wohnungsbau in der Gemeinde? Auf der Insel macht das Gerücht die Runde, dass die Genehmigung des Bauvorhabens von Medigreif-Chef Dietmar Enderlein sozusagen der Dank für seine Unterstützung in Ihrem Wahlkampf war. Stimmt das?

Das Thema sozialer Wohnungsbau wurde nun in der Gemeinde angeschoben, ist damit aber nicht abgearbeitet. Die kommunale Wohnungsgesellschaft wird 10 Wohnungen dieser Art bauen, die Medigreif plant etwa 70 Wohnungen, davon circa 20 Sozialbauwohnungen. Ferienwohnungen sind nicht vorgesehen.

Ich bin sehr dankbar für diese Frage, gibt sie mir doch Gelegenheit für eine Klarstellung: Der Beschluss zur Aufstellung eines vorhabenbezogenen Bebauungsplans obliegt nicht mir, sondern den zuständigen Gremien. Die Beschlüsse erfolgten durchweg einstimmig. Doch auch meine Positionierung für einen Wohn- und Gesundheitspark ist kein Dank. Für mich zählt einzig, ob ein Projekt gut oder schlecht für unsere Gemeinde ist. Das vorgestellte Projekt „Wohn- und Gesundheitspark Setheweg“ bringt einen klaren Mehrwert für die Gemeinde. Die Wichtigkeit der Schaffung von bezahlbarem Wohnraum und die Verbesserung der gesundheitlichen Versorgung sind zentrale Themen der Einwohnerinnen und Einwohner, denen gegenüber ich einzig in der Pflicht stehe. Es wäre andersherum unter diesen Umständen sträflich, würde ich mich gegen ein solches Projekt aussprechen.

Wie sind Sie in der Gemeinschaft der Bürgermeister der Region aufgenommen worden und welches Gewicht hat Ihr Wort dort mittlerweile?

Für mich ist es wichtig, in dieser Gemeinschaft gemeinsam und geschlossen für die Verbesserungen auf der Insel zu kämpfen. Alten destruktiven Grabenkämpfen sollten wir bei der Bearbeitung wichtiger Sachthemen keine Aufmerksamkeit schenken. Wir müssen als Insel bei übergreifenden Themen zusammenhalten und nicht vom Kirchturm herab denken. Mit dieser Einstellung wurde ich sehr gut, herzlich und offen aufgenommen.

Meinem Wort sollte dann Gewicht zukommen, wenn es inhaltlich überzeugt. So wurde etwa ein Schreiben an Minister Glawe, das sich dem Thema der wichtigen notfallmedizinischen Rettung durch den Helikopter auch bei Nacht widmet, bereitwillig von angesprochenen Kollegen und Amtsvorstehern unterstützt. Ich habe eine Inselkonferenz ins Leben gerufen, um dort zukünftig inselweite Themen gemeinsam mit den Kolleginnen und Kollegen diskutieren und voranbringen zu können. Besonders glücklich bin ich auch über die vom ersten Tag an sehr gute Verbindung zum Stadtpräsidenten unserer Nachbarstadt Swinemünde. Die grenzüberschreitende Zusammenarbeit hat für mich bekannterweise einen hohen Stellenwert.

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Von Cornelia Meerkatz

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