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Usedom Strandaufspülung: Hier entsteht ein neues Stück Usedom
Vorpommern Usedom Strandaufspülung: Hier entsteht ein neues Stück Usedom
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18:31 28.10.2019
In Zempin auf der Insel Usedom wird der Strand aufgespült. Bis Weihnachten sollen die Arbeiten bis Stubbenfelde abgeschlossen sein. Rund 500 000 Kubikmeter kommen dabei zusammen. Quelle: Hannes Ewert
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Zempin

Auf der Insel Usedom war Polier Tom Ahrens noch nie in seinem Leben. Der Schleswig-Holsteiner kennt jedoch genau den Unterschied zwischen seiner Heimat an der Nordsee und Vorpommern. „Wir spülen auf der Insel Sylt jedes Jahr eine Million Kubikmeter Strandsand auf. Und das seit sehr vielen Jahren“, sagt er und lacht.

Da scheinen die 500 000 Kubikmeter auf der Insel Usedom für ihn und sein Team nur eine „kleine Übung“ zu sein. Bis Weihnachten soll der Abschnitt zwischen Zempin und Stubbenfelde aufgespült worden sein. Am vergangenen Freitagnachmittag begannen die Arbeiten in dem kleinsten Seebad der Insel. Allein bis Montagmorgen landeten schon mehr als 35 000 Kubikmeter neuer Sand am Strand.

Die OZ besuchte am Montagmorgen die Baustelle

Viel Küstenschutz bei den Sturmfluten zerstört

Die Arbeiten waren dringend notwendig, denn zum letzten Mal wurde vor mehr als einem Jahrzehnt auf Usedom Sand angespült. Die Herbst- und Winterstürme nagten immer wieder an der Küste. Zuletzt sorgte Sturmtief „Axel“ im Januar 2017 für mächtig Abbruch und deutschlandweite Schlagzeilen. Unter anderem brach in Zempin ein Kiosk ins Meer, der mittlerweile wieder hergestellte Hochuferweg wurde zerstört und bei den Strandfischern war kein Sand mehr.

Das Land Mecklenburg-Vorpommern, der Bund und die Gemeinde Zempin investieren deshalb in den Küstenschutz. Insgesamt sollen so zwischen Zempin und Stubbenfelde rund vier Millionen Euro ausgegeben werden.

Bildergalerie: In Zempin wird der Strand aufgespült

Mit einem Spezialschiff wird der Zempiner Strand aufgespült.

Tom Ahrens beschäftigt sich seit vielen Jahren berufsmäßig mit der Aufspülung von Stränden und Ausbaggerungen von Hafenzufahrten. „Wir waren schon auf der Halbinsel Fischland-Darß-Zingst, Rügen oder wie eben auch Sylt“, sagt er. „Dort kann man die Uhr danach stellen – immer im Frühjahr wird der Strand aufgespült – dort wird einfach zu viel abgetragen“, sagt er.

Pro Ladung kommen rund 1500 Kubikmeter Sand

Acht Mal am Tag – auch in der Nacht – fährt das Saugbaggerschiff „Thor R“ zwischen der landeseigenen Lagerstätte vor Koserow und der Entladestelle vor Zempin hin und her. In etwa 15 Metern Tiefe wird das Material gewonnen. „Ein 1200 Meter langes Stahlrohr liegt vor Zempin im Wasser und transportiert das Sand-Wasser-Gemisch vom Schiff an den Strand“, sagt er.

Zuvor wurde mithilfe von zwei Schleppern das Rohr nach Usedom transportiert. „Der Transport funktioniert nur über das Wasser. Ein Schlepper zieht das Stahlrohr hinter sich her, der andere sorgt für die Sicherheit“, erklärt er. Schwierig wird es, wenn die Arbeitsstelle von der Nordsee an die Ostsee verlegt wird. „Wir dürfen mit der Leitung nicht durch den Nord-Ostsee-Kanal, sondern müssen außen herumfahren“, erzählt er.

An Land wird die Leitung immer wieder um ein Stück erweitert, sofern ein Teil der Düne fertig ist. „Noch in dieser Woche soll der Abschnitt in Zempin fertig werden. Am Dienstag oder Mittwoch soll die Hauptzufahrt zum Strand an der Reihe sein“, erklärt der Experte.

Ahrens erklärt das Verfahren: „Das Schiff lässt an der Entnahmestelle einer Art Rüssel auf den Meeresgrund und pumpt das Sand-Wasser-Gemisch in den Laderaum. Das macht er solange, bis der Laderaum voll ist – in dem Fall bei rund 1500 Kubikmeter reinem Sand. Das Wasser wird vom Schiff abgelassen“, erzählt er.

Der dunkle Sand wird wieder hell!

Das beladene Schiff fährt in Richtung Zempin, fixiert die Dükerleitung am Schiff und pumpt zunächst Wasser durch die 1,7 Kilometer lange Leitung. „Zunächst ist das Wasser noch sehr hell, da kein Sand dabei ist. Wenn das Schiff schlagartig aufhören würde zu spülen, wäre die Leitung voller Sand. Und beim nächsten Spülen könnte sie verstopfen.

Viele Spaziergänger wundern sich darüber, dass der Sand so dunkel ist und fragen sich, ob dieser so dunkel bleibt. Die Antwort: Nein. Die dunklen Teilchen sind organisches Material und verschwinden, sobald sie mit Sauerstoff in Verbindung kommen. Nach ein paar Tagen hat der Sand die normale Strandsandfarbe“, sagt er.

Wenig Hoffnung auf große Bernsteine im Spülsand

Übrigens: Bernsteinfreunde werden wenig Chancen haben, große Steine durch die Aufspülung zu finden. „Der Sand wird an Bord des Schiffes gesiebt. Die Körnung beträgt zwölf Millimeter. Alles was größer ist, geht zurück ins Meer. Ob Bernstein, Geröll, Steine oder sonstiges“, erklärt Ahrens. Und die neuen Dünen sind für die Spaziergänger sowieso gesperrt. Diese sollten bis März 2020 bepflanzt und eingezäunt werden. „Diese darf man weder jetzt noch danach betreten“, so Ahrens.

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Von Hannes Ewert

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