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Usedom Gezerre um den Blauzahn-Schatz auf Rügen
Vorpommern Usedom Gezerre um den Blauzahn-Schatz auf Rügen
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Teile des Blauzahnschatzes Quelle: dpa
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Vorpommern

 Der Fund eines Silberschatzes bei Schaprode war 2018 das archäologische Ereignis Nummer 1 in Mecklenburg-Vorpommern. Besonders die etwa 250 Münzen aus der Zeit des ersten Königs von Dänemark, Harald Blauzahn (um 910 bis 987), sorgten für Aufsehen. Es europaweit ist der zweitgrößte Einzelfund von Münzen aus der Zeit dieses bedeutenden Herrschers. Er setzte auch das Christentum als Staatsreligion durch, sodass man das Kreuz auf den mit nur 0,2 Gramm sehr leichten Münzen findet. Es ist nicht das Gewicht des Silbers oder das spektakuläre Aussehen der Geldstücke, es ist der historische Bezug, der den Schaproder Fund so bedeutend macht.

Um den Verbleib der auch aus dem islamischen Raum, Byzanz und dem deutschen Kaiserreich stammenden Münzen, zerhackten Silberschmuck, Armreife, Amulette und Perlen wird seither gestritten. Eigentümer des etwa 1,7 Kilogramm schweren Schatzes ist laut Gesetz das Land. Insgesamt sind es 1600 Stücke.

Stralsunds Bürgermeister plädiert für Präsentation in Stralsund

Stralsunds Oberbürgermeister Alexander Badrow (CDU) plädierte schon vor einem Jahr per Schreiben an Bildungsministerium Birgit Hesse (SPD) für die Präsentation im Stralsund-Museum. Denn hier wird der ebenfalls Blauzahn zugeschriebene berühmte Goldschmuck gezeigt, der 1872 und 1874 auf Hiddensee gefunden wurde. Badrow war der Erste, der seinen Hut in den Ring warf.

Der Hiddenseer Goldschmuck. Entdeckt worden war der sagenumwobene Wikingerschatz auf der Insel Hiddensee nach zwei gewaltigen Sturmfluten in den Jahren 1872 und 1874. Die insgesamt 16 gefundenen Teile sollen dem Wikingerkoenig Harald Blauzahn gehoert haben. Quelle: altarchiv

Der Kreistag Vorpommern-Rügen nahm sich des Themas ebenfalls schnell an. Das Parlament beschloss bereits im April 2018, dass der Blauzahn-Schatz im Kreis Vorpommern-Rügen präsentiert werden sollte. Allerdings mit einer Präferenz für die Insel und nicht für Stralsund. Einen Monat später plädierte der Vorsitzende des Vereins Insula Rugia, Hans Dieter Knapp, sogar für ein eigenes Rügen-Museum, in dem auch der Schaproder Schatz gezeigt werden soll. Im Juni 2018 beantragte dann Göhrens Bürgermeister Wolfgang Pester die Ausstellung in den dortigen Museen, die seit Jahren um ihren Fortbestand kämpfen. In einem Neubau sei dort der geeignete Platz neben der geplanten Ausstellung pommerscher Trachten.

Er ist nicht der einzige Bewerber von der Insel. „Wir würden den Blauzahn-Schatz auch gern ausstellen“, sagt die Leiterin des Stadtmuseums Bergen, Marika Emonds. Denn der Schatz solle auf Rügen bleiben, wo er auch gefunden wurde. Bergens Bürgermeisterin Anja Ratzke bekundete wie Stralsunds OB Interesse an der Ausstellung des Schaproder Fundes in Rügens bedeutendster Stadt. Die Bergener Offerte fand auch Unterstützung bei der Arbeitsgemeinschaft „De Akerlöper“, deren Mitglieder den Schatz fanden.

Jetzt wird auch Greifswald aktiv

Und das Pommersche Landesmuseum in Greifswald, das als Einrichtung die gesamte Geschichte des Landes am Meer im Blick hat? Direktor Uwe Schröder hält sich bedeckt und sagt nur: Jedes Museum würde sich glücklich schätzen, den Blauzahn-Schatz zu bekommen. Und es gibt noch einen wichtigen Bewerber: das Archäologische Landesmuseum Mecklenburg-Vorpommern, das in Rostock gebaut werden soll.

Ein Jahr nach dem Vorstoß der Stralsunder meldet sich nun auch die Stadt Greifswald zu Wort. Ende dieses Monats soll die Bürgerschaft beschließen, dass sich Oberbürgermeister Stefan Fassbinder (Grüne) für die Präsentation im Landesmuseum einsetzt. Das war Konsens auf der Sitzung der Ausschüsse. Allerdings waren sich die Greifswalder Lokalpolitiker mit Blick auf den Fundort Rügen auch einig, dass niemandem etwas weggenommen werden sollte. In der Begründung heißt es, dass der Silberschatz in Vorpommern untergebracht und ausgestellt werden sollte, um auch den Bezug zum Fundort in Vorpommern zu verdeutlichen.

Da unter anderem wegen der hohen Versicherungsbeiträge kleinere lokale Museen nicht in Betracht kämen, sollte sich das Landesmuseum dieser Aufgabe stellen. Der Silberschatz des Dänen-Königs Harald Blauzahn wäre darüber hinaus eine gute Ergänzung der Ausstellung im Pommerschen Landesmuseum, heißt es. Inwieweit es stimmt, dass kleinere Museen nicht in der Lage sind, den Schatz auszustellen, bleibt dahingestellt. Marika Emonds geht davon aus, dass dies auch in Bergen möglich ist.

Noch „spricht“ der Blauzahn-Schatz nicht

Bisher ist noch nichts entschieden, machte Michael Schirren, Dezernent Urgeschichtliche Gräber, Horte, Befestigungen, Werkplätze im Landesamt für Kultur und Denkmalpflege, jetzt am Rande seines Vortrags „Geschichten vom Finden. Der Hacksilberschatz von Drewelow und andere frühmittelalterliche Schatzfunde aus Vorpommern“ in Greifswald deutlich. „Zunächst muss die wissenschaftliche Aufarbeitung erfolgen, noch spricht der Schatz nicht“, erinnerte Schirren. Auch müsse bei einer Ausstellung die Sicherheit der wertvollen Funde gewährleistet werden.

Landesmuseum bekommt Anklamer Silber

Das Landesmuseum kann sich indes auf jeden Fall in naher Zukunft über einen bedeutenden Zugang freuen, den frühmittelalterlichen Silberhortfund von Anklam. Er wird derzeit in Groß Raden gezeigt. Vorpommern ist geradezu eine Region der Silberschätze. Dank des Einsatzes von Metalldetektoren und der Hilfe von dafür geschulten ehrenamtlichen Bodendenkmalpflegern konnten in den vergangenen Jahren bedeutende Funde geborgen werden. Dazu gehört der im Zusammenhang mit dem Bau einer Anbindung der Ostseepipeline 2010 geborgene Hacksilberschatz von Anklam nahe einer slawischen Siedlung. Die hier geborgenen Münzen wurden im persischen und arabischen Raum geprägt. Die ältesten stammen aus der Regierungszeit des Perserkönigs Chosrau II. (590 bis 637) und zeigen auf der Vorderseite den Herrscher und auf der Rückseite einen Feueraltar (ein Hinweis auf deren Religion, den Zoroastrismus). Dieser Fund belegt die weitreichenden Handelsbeziehungen jener Zeit. Nicht weit entfernt befand sich der bedeutende Wikinger-Handelsplatz Menzlin. Dass Münzen zerhackt wurden, liegt daran, dass diese bei den Tauschgeschäften noch keinen Geld-, sondern nur einen Metallwert besaßen. Wahrscheinlich spielte dabei der Menschenhandel eine große Rolle.

Eine Münze des Anklamer Silberschatzes Quelle: Stefan Sauer

Vorpommerns Boden ist silberreich

Michael Schirren ging noch auf zwei weitere bedeutende vorpommersche Funde der vergangenen Jahre ein, um die es bisher keinen großen öffentlichen Streit um die Präsentation gibt. Das ganz Besondere an dem von dem Medower Sven Glapski 2011 bei Drewelow (Vorpommern-Greifswald) entdeckten Schatzes sind nicht nur die vor allem aus Kleinasien, dem wolga-bulgarischen Raum und dem heutigen Syrien stammenden Münzen. Es wurden auch Teile einer Waage und Gewichte gefunden, mit der der Tauschwert des Silbers bestimmt wurde.

2015 schließlich wurde ein weiterer schon 1926 von einem Bauern entdeckter Silberschatz vollständig geborgen. Er umfasst 441 Objekte, und zwar alles Münzen, führte Schirren aus. Der eigens aus Tübingen angereiste Experte für islamisches Münzwesen, Lutz Ilisch, hält es für möglich, dass der Eigentümer einen Teil dieses Schatzes im Peeneraum erwirtschaftete. Dafür spricht, dass die Münzen durch häufige Verwendung bei Tauschgeschäften schon stark zerstückelt waren. Auch hier dominierten islamische und vorislamische Prägungen. Ein kleinerer Teil der Münzen stammt aus dem ersten Drittel des 10. Jahrhundert, darunter eine aus dem Deutschen Reich.

Insgesamt ist Vorpommern also sehr silberreich – und es ist nicht unwahrscheinlich, dass in den Böden weitere Schätze verborgen liegen. Wir dürfen gespannt sein, ob demnächst weitere entdeckt werden.

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