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Usedom 74-Jähriger lebt im Bunker – Swinemünder helfen
Vorpommern Usedom 74-Jähriger lebt im Bunker – Swinemünder helfen
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In dieser alten Bunkeranlage im Wald fristet Eugeniusz Krawczyk sein Dasein. Quelle: Radek Jagielski
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Swinemünde

Im alten Bunker der Goeben-Batterie, mitten im Wald am rechten Ufer der Swine, lebt der 74-jährige Eugeniusz Krawczyk. Er ist krank und leidet an Altersdemenz. Da die städtischen Institutionen zögerten, ihn zu unterstützen, begannen die Bewohner von Swinemünde zu helfen. Sie sammelten Kleidung, Feuerholz und Lebensmittel. Er war sehr gerührt, als er die Sachen erhalten hat. „Ich kann mich nicht erinnern, wann ich zum letzten Mal ein Brot mit Margarine gegessen habe“, sagte er mit Tränen in den Augen.

Eugeniusz Krawczyk wohnt in einem ehemaligen technischen Gebäude, in den während des Zweiten Weltkriegs Wagen eine Schmalspurbahn hineinfuhr und die Batterie versorgt hat. Er kommt aus einem kleinen Ort zwischen Krakau und Katowice. Sein rebellischer Charakter half ihm in seinem Leben nicht weiter. Als belesener und guter Physiker wollte er Astrophysik studieren. Doch er beteiligte sich an Studentenstreiks in der Zeit des Volksrepublik Polen, die zwischen 1944 und 1989 bestand, und geriet in Konflikt mit der damaligen, repressiven Regierungsmacht.

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„Ich sterbe nicht, bevor nicht ein Mensch seinen Fuß aus den Mars gesetzt hat!“

„Die Beamten des Sicherheitsdienstes haben einen Studenten geschlagen, so habe ich ihm geholfen. Er rannte weg, auch ich. Sie haben mich erwischt. Mein Studium habe ich gar nicht beginnen können“, berichtet er von früher. „Ich interessierte mich schon immer für Physik und hatte gute Noten. Heute lese ich gerne Bücher über Astronomie. Ich habe einmal zu einem Arzt gesagt, dass ich nicht sterben werde, bevor nicht ein Menschen seinen Fuß auf den Mars gesetzt hat!“, erzählt Krawczyk.

In Swinemünde lebt er seit nunmehr 50 Jahren. Früher reparierte er Fernseher, Radios und sogar komplizierte Radarmechanismen auf Schiffen. Das war seine Arbeit und sein Hobby zugleich. Als seine Tante starb, mit der er zusammen lebte, erhielt er einen Räumungsbescheid. Weil er keine andere Option sah, zog er in den Bunker mitten im Wald. In letzter Zeit hat sich sein Gesundheitszustand verschlechtert.

Offizielle Hilfsangebote schlägt er aus

Eine Gruppe von Journalisten und Geschichtsinteressierten vom Fort Gerhard traf ihn während einer Wanderung in die Batterie Goeben. Der Mann beklagte sich über Rückenschmerzen, grauen Star und Erfrierungen an den Händen. Das Städtische Zentrum für Familienhilfe (die polnische Abkürzung lautet MOPR) wurde um Hilfe gebeten. Doch es stellte sich heraus, dass dies nicht so einfach werden würde.

„Unsere Mitarbeiter bemühen sich, an alle Obdachlosen im Gebiet von Swinemünde zu gelangen. Ihnen stehen das Obdachlosenheim und im Herbst und Winter ein Heizungsraum zu Verfügung. Einige dieser Menschen ziehen es jedoch vor, ihr Leben weiterzuführen wie bisher, weil ihnen der Aufenthalt ihnen in einem Obdachlosenheim aus verschiedenen Gründen nicht zusagt. Wir können diesen Menschen eine Mahlzeit, Medikamentenhilfe und notwendige Kleidung zur Verfügung stellen“, erklärt Gabriela Poniedziałek-Petruk, Direktorin von MOPR in Swinemünde.

Kein fließendes Wasser, kein Strom, keine Toilette

Die Geschichte von Herrn Eugeniusz schockiert viele Einwohner von Swinemünde. Es steht die Frage im Raum, warum es in so einer reichen Stadt wie Swinemünde einen Mann gibt, der sein Alter in solch bedauernswerten Verhältnissen verbringen muss. Im Bunker gibt es kein fließendes Wasser, keine Toilette oder Strom. Es gibt nur einen Ofen und der alte Mann badet in einem nahe gelegenen See. Nach der Bekanntmachung des Falls besuchten Bewohner von Swinemünde Eugeniusz Krawczyk wie eingangs erwähnt mit Taschen voller Kleidung, Lebensmitteln und Holz als Brennstoff.

Nach der Intervention der Wohltäter bei den Stadtbehörden gelang es, einen Arztbesuch für den Wohnungslosen zu arrangieren. Er erhielt Medikamente und wurde zum Röntgen der Rippen geschickt. Auf die Frage, ob er seinen Wohnort wechseln möchte, schüttelt er aber den Kopf. Die Bewohner von Warszów wollen ihn jedoch nicht im Stich lassen.

„Vielleicht braucht er Zeit...“

„Wir wollten ihm den Bunker aufräumen und ausstatten. Er hat seine Meinung im letzten Moment jedoch geändert. Das heißt aber nicht, dass wir ihn in Stich lassen werden. Vielleicht braucht er Zeit, um sich davon zu überzeugen, dass das Leben an so einem Ort, in seinem Alter und mit seinen Gesundheitsproblemen eine schlechte Idee ist“, sagt Dariusz Krzywda vom Vorstand der Siedlung Warszów, die sich vor allem für Eugeniusz Krawczyk engagiert.

Radek Jagielski

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