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Usedom „The Flying Matos“ zeigen atemberaubende Flugakrobatik
Vorpommern Usedom „The Flying Matos“ zeigen atemberaubende Flugakrobatik
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17:19 05.08.2019
Nara Júlia Sales Sousa (34, links), Fábio Farfan (32), Patricia Kuwai (28) und João B. Sousa Matos (35) bereiten sich auf das Training vor. Quelle: Dana Frohbös
Heringsdorf

Patricia Kuwai steht auf einer schmalen Plattform. Hoch oben unter der 16 Meter hohen Kuppe des Zirkuszeltes ist diese befestigt und schwebt quasi in der Luft. Und das wird auch die 28-jährige Artistin gleich tun. Sie holt Schwung, lässt die Trapezstange los, dreht sich dreimal in der Luft und greift nach den Armen von Fábio Farfan, der ihr gegenüber schwebt.

Doch die beiden kriegen sich nicht zu fassen – und die Artistin stürzt ins Sicherheitsnetz. Alles geht gut. Die beiden trainieren für die abendliche Show.

Trapeznummern von Weltrang

„Sie wäre weltweit die zweite Frau, die den dreifachen Salto schaffen würde“, sagt Manolito Wille. Der 40-Jährige gehört zu den Gebrüdern Wille, die den Zirkus William betreiben und „The Flying Matos“ engagiert haben. „Wir wollen die Show für die Besucher attraktiv halten“, sagt er. Deswegen werden immer wieder externe Künstler verpflichtet.

Patricia Kuwai versucht sich am dreifachen Salto:

Für eine so waghalsige Trapezshow brauchen die vier Artisten, die in Brasilien zu Hause sind, nicht nur Kraft und Mut. Ebenso wichtig ist eine gute Vorbereitung: Nara, Patricia und João ziehen sich schmale Lederstreifen über die Hände. „Dadurch haben wir besseren Grip an der Stange“, sagt Patricia Kuwai.

Der Fänger bekommt Magnesium

Außerdem dehnen sie ihre Muskeln und umwickeln ihre Handgelenke mit Bandagen, um ein Abrutschen wegen Feuchtigkeit zu verhindern. Schließlich kommen sie bei ihren Tricks durchaus ins Schwitzen. Fábio braucht diese Bandagen nicht. Er ist der Fänger und hängt mit seinen Beinen kopfüber an einem Trapez auf der anderen Seite der Zirkuskuppel. „Ich muss sie spüren“, sagt er über seine Teamkollegen, wenn er sie an den Unterarmen greift. Er reibt seine Hände lediglich mit Magnesium ein.

Für die Shows auf Usedom haben sich die Brüder Wille etwas Besonderes ausgedacht: Erstmalig sind preisgekrönte fliegende Menschen auf der Insel zu sehen – „The Flying Matos“.

Europa als Hauptwirkungskreis

Die fünf Brasilianer touren durch die ganze Welt. „Meistens sind wir aber in Europa“, sagt Patricia Kuwai. Das Wichtigste in ihrem Job: das Timing. „Wenn das nicht stimmt, knallen wir in der Luft zusammen“, sagt Nara Júlia Sales Sousa, die erst vor acht Monaten ein Kind zur Welt gebracht hat. Aber Timing können sie. Verletzungen wie Rippenbrüche kommen sehr selten vor.

Der Versuch des Dreifachen aus anderer Perspektive:

Our practicing time are on fire with our super japa almost catching her triple somersault!!! Let’s go, Patricia!! You can do it !!!! 💪💪💪 #flyingmatos #triple #flyingtrapeze #girlspower

Gepostet von The Flying Matos am Samstag, 27. Juli 2019

Die Spannung beim zweiten Versuch

Erst kürzlich war einer der Artisten mit voller Wucht im Netz gelandet, weil der Griff nicht saß. „Als er dann den zweiten Versuch gestartet hat – der übrigens glückte – war es so still im Zelt, da konnte man eine Stecknadel fallen hören“, sagt Manolito Wille.

Verena (40, links) und Ingrid Stier (75) sind große Fans des Zirkus William. In ihrem zweiwöchigen Urlaub haben sie neun Mal vorbeigeschaut und dabei drei Hauptvorstellungen gesehen. Quelle: Dana Frohbös

Auch Verena und Ingrid Stier zählen zu den Menschen, die in solchen Momenten gebannt zuschauen. „Wir sind zwei Wochen im Urlaub auf Usedom und haben in dieser Zeit drei Hauptvorstellungen gesehen“, sagt Verena Stier. Die 40-Jährige ist begeistert von dem Mix aus Witz, Akrobatik und den Tieren. Auch ihre Mutter Ingrid ist ein großer Fan, besonders auch vom respektvollem Umgang der Zirkusleute mit ihren Tieren. „Man will die Tiere ja in ihrer Natürlichkeit erleben und nicht dieses Dressierte.“ Und genau das werde bei Zirkus William gelebt, sagt Tochter Verena.

Jede Vorstellung hat etwas Eigenes

Zehn Wochen sind die Ausnahmeartisten gemeinsam mit dem Zirkus William in Heringsdorf neben der Bansiner Tankstelle zu Gast. Sechs Mal pro Woche zeigen sie ihre Show. Langeweile kommt trotzdem nie auf. „Jeder Abend hat wieder neue Emotionen“, sagt Fábio Farfan, der aus einer traditionellen Zirkusfamilie stammt.

Die nächste Vorstellung ist am Mittwoch um 19 Uhr. Und auch dann hoffen sie wieder auf eine gute Show. „Die haben wir nur dann, wenn alle zufrieden sind“, sagt Nara Júlia Sales Sousa. Funktioniere der Trick eines Einzelnen perfekt, hakt es hingegen bei einem anderen, ist keiner glücklich mit dem Abend.

Montags und donnerstags ist Familientag

Der Zirkus William stammt aus dem brandenburgischen Müncheberg. Dort verfügt die Familie über einen festen Wohnsitz, acht Hektar Land, einem See und Stallungen. Noch bis zum 29. August sind sie in Heringsdorf an der Bansiner Tankstelle zu Gast. Die Shows finden montags und donnerstags um 17 Uhr, mittwochs, freitags und samstags um 19 Uhr und sonntags um 15 Uhr statt. Täglich ab 10 Uhr können Interessierte zur Tierschau vorbeikommen und sich einen Eindruck verschaffen, wie die Tiere untergebracht sind.

Runterklettern wäre langweilig

Weil sie dem gesamten Equipment übrigens ihr Leben anvertrauen, bringen sie es selbst mit. „Die verschmelzen damit“, sagt Manolito Wille. Das Netz unter ihnen vergessen sie bei ihren Kunststücken. Am Ende der Show landen sie aber alle darin. „Es wäre ja langweilig, wenn sie einfach wieder runterklettern würden“, sagt Manolito Wille.

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Dana Frohbös

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