Westklüne/Usedom - Tour nach Kaseburg mit fachkundiger Begleitung – OZ - Ostsee-Zeitung
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Usedom Tour nach Kaseburg mit fachkundiger Begleitung
Vorpommern Usedom Tour nach Kaseburg mit fachkundiger Begleitung
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00:25 30.08.2014
Ingrid Müller-Meng wurde in Kaseburg getauft. Quelle: Ingrid Nadler
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Westklüne

Heinrich Petersen sprüht vor Elan, wenn er von seiner Kindheit in Kaseburg, dem heutigen Ortsteil Swinemündes, erzählt. Sein Elternhaus stand genau gegenüber der Schule, einen kürzeren Weg konnte es nicht geben. Da ist noch immer die alte Eichenallee die die Dorfstraße begrenzt, da der deutsche Friedhof, den die polnische Verwaltung unter Denkmalschutz gestellt hat und da ist die kleine mittelalterliche Kirche mit dem später aufgesetzten Schinkel-Turm.

Es ist die Taufkirche seiner Partnerin Ingrid Müller-Meng. Die beiden Senioren, die vor acht Jahren von Hamburg weggezogen und im Usedomer Achterland schnell heimisch geworden sind, verbringen viel Zeit in ihrem früheren Heimatdorf. Fast jedes Haus lässt Erinnerungen aufkommen — an Schulkameraden, Handwerksleute, Dorfschullehrer. Und sie können so mitreißend darüber erzählen, dass sich immer mehr Einheimische und gar Weitgereiste ihren Stippvisiten anschließen. „Wir haben 40 Namen auf unserer Warteliste“, erklärt Ingrid Müller-Meng ihr kleines „Reiseunternehmen“ schmunzelnd. „Als eine im Krieg 1940 geborene Kaseburgerin, es war die letzte deutsche Generation, möchte ich möglichst vieles über mein fast vergessenes Heimatdorf weitergeben. Es war immerhin das größte Dorf im Kreis Usedom- Wollin.“

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Die Zeit ist auch hier nicht stehen geblieben. 2012 ist die schmale Brücke, die Kaseburg mit der Insel Wollin verbindet, durch eine moderne Zufahrt ersetzt worden. Der ursprüngliche Gedanke, von den Passanten eine Mautgebühr zu kassieren, sei nach heftigen Protesten der Einheimischen schnell fallen gelassen worden, erzählt Heinrich Petersen. „Kaseburg war durch den Bau der Kaiserfahrt mit den Ortsteilen Fresenland, Woitzig und Lohberg Ende des 19. Jahrhunderts zu einer Insel im Oder-Delta geworden. Es gehörte damit zu den 43 Inseln, die zum Teil aus den Untiefen der Swine entstanden waren und den Kaseburger Landwirten als sogenannte saure Wiesen für ihre Rinder dienten.“

Ingrid Müller-Mengs Elternhaus war ein von den Polen unter Denkmalschutz gestelltes altes Wendenhaus, das inzwischen abgerissen wurde. Die 74-Jährige erzählt: „Die dort 1991 bei meinem ersten Besuch nach Kriegsende lebende Polin Halina hat mich sehr freundlich und liebevoll durchs Haus geführt und im Vorgarten unter Omas Apfelbaum bewirtet. Es ist schade, dass die Obstgärten, die früher zu jedem Haus gehörten, zum größten Teil verschwunden sind. Kaseburg war früher für seine ertragreichen Obsternten weit und breit bekannt.“ Weil sich immer mehr ehemalige Nachbarn, Bekannte oder an der Geschichte Interessierte bei Petersen und Ingrid Müller-Meng gemeldet und um Reisebegleitung gebeten haben, ist vor zwei Jahren im Störr-Verlag ein Büchlein „Kaseburg — Erinnerungen an ein fast vergessenes Dorf der Insel Usedom“ erschienen. Die beiden haben es mittlerweile vielfach — sogar bis nach Kanada — verschickt. Wer Lust auf eine kurzweilige Zeitreise auf diese Insel bekommen hat, kann sich natürlich selbst auf den Weg machen oder — was vorzuziehen ist — auf der Warteliste in Westklüne vormerken lassen.

Kontakt: ☎ 03 83 72/77 98 88



Ingrid Nadler