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Usedom Tramper nehmen wieder Fahrt auf
Vorpommern Usedom Tramper nehmen wieder Fahrt auf
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03:55 20.08.2013
„Männer bekommen viele Körbe“, sagt Mario, der in Zempin auf den nächsten Anhalter wartet. Quelle: Irene Burow
Im Internet

In manchen Ländern ist es üblich, in Kuba ist Anhalten sogar Pflicht: Auf Usedom kommt das Trampen zurück. Hier und da werden wieder Daumen hochgehalten — es ist das international bekannte Zeichen der Reiselustigen. „Ich glaube, dieses Solidarprinzip kommt wieder“, sagt Mario (27) aus Leipzig, der kürzlich in Zempin am Straßenrand stand. Auf dem Zempiner Zeltplatz hat er eine Freundin besucht und will jetzt weiter. Nach Polen.

Sein riesiger blauer Trekking- Rucksack lehnt an einem Leitpfosten, in der Hand hält er einen Block, geziert mit großen Lettern „Wolgast A20“. Die Richtung ist klar, doch „Landstraßen sind eine mittlere Katastrophe“, weiß er aus Erfahrung. „Ältere Menschen und Frauen halten dann noch seltener an.“ Doch eine grobe Route planen und warten — mehr kann er erst mal nicht tun. Er will sich nach Stettin durchschlagen und später weiter nach Danzig. Dort hat er sich bei Fremden angemeldet, zum Couch-Surfen. Gastfreundliche Netzwerke im Internet machen es möglich, für kurze Zeit die Sofas anderer zu nutzen. Urlaub zum Nulltarif. „Inzwischen beschäftigen sich viele Netzwerke mit dem Teilen“, sagt Mario. Er glaubt, das hängt mit der Schere zwischen arm und reich zusammen, die immer größer wird. „Die ärmere Schicht schließt sich zusammen.“

Vor zwei Jahren hat ein Kumpel den Elektrotechnikstudenten in die Kunst des Trampens eingeführt. „Er hat mir gezeigt, wo die besten Plätze sind.“ In vielen Städten gibt es bereits offizielle Tramperstellen. Aber auch Raststätten an Autobahnen und Tankstellen seien vielversprechende „Spots“ (Stellen), um auf „Lifts“ (Mitfahrgelegenheiten) zu warten, wie es in der Szene-Sprache heißt.

„Dort kann man die Menschen direkt ansprechen. Doch Männer bekommen trotzdem viele Körbe“, gesteht er. „Frauen haben da weniger Probleme.“ Doch die weiblichen Tramper, die er kennt, „sehen meist so aus, als könnten sie sich wehren“, witzelt der 27-Jährige. Wichtig ist auch, dass Autos nicht zu schnell unterwegs sind und Platz zum Parken haben.

Mario versucht es immer mit Freundlichkeit. „Manche wollen nicht reden, gehen in die Tankstelle und über legen es sich dann aber doch.“ Manch einer sei sogar froh über einen Gesprächspartner auf einer langen Autofahrt. Nicht selten trifft er dabei auch auf alte Abenteurer. Sie erzählen dann vom Freiheitsgefühl der kultigen Hippiezeit oder wie normal das Fahren per Anhalter in der DDR war.

Das beschreibt auch, was ihn dazu antreibt, auf Bahn, Bus oder Flieger zu verzichten. „Es ist nicht nur günstig und umweltfreundlich. Es ist Lebensphilosophie“, sagt Mario. Ein Jahr lang sei er für sein Studium an den Schreibtisch gefesselt gewesen, musste Prüfungen und Kurse vorbereiten. Nun ist Zeit, die Welt zu sehen. Noch bis Anfang Oktober will er per Daumen reisen. Nach Süddeutschland.

München, Nürnberg, Würzburg. Und schließlich in die tschechische Hauptstadt Prag. Von Leipzig nach Usedom brauchte er übrigens nur sechs Stunden. Sorge, dass er bis Mitternacht am Straßenrand warten muss, hat er keine. „Für diesen Fall gilt die alte Tramper-Weisheit: Irgendwann, irgendwann kommt einer, und nimmt dich mit“, sagt er.

Infos im Netz
geben verschiedene Plattformen Tipps zum Trampen. So ist auf www.hitchwiki.org beschrieben, in welchen Ländern diese Art des Reisens einfach ist. Dazu gehört neben Deutschland auch Kanada, Marokko oder Russland. Schwieriger ist es demnach in Italien und Spanien. Weitere Seiten sind: www.abgefahren-ev.de; www.hitchhikers.org oder www.hitchbase.com.

Irene Burow

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