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Usedom Unfälle, Zeckenbisse und Splitter im Finger – Strandretter auf Usedom ziehen Bilanz
Vorpommern Usedom

Unfälle, Zeckenbisse und Splitter im Finger – Strandretter auf Usedom ziehen Bilanz

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10:00 21.09.2021
Die Rettungsschwimmer von Zinnowitz machen ihren Jetski bereit für den Einsatz.
Die Rettungsschwimmer von Zinnowitz machen ihren Jetski bereit für den Einsatz. Quelle: Hannes Ewert
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Heringsdorf/Zinnowitz

Hunderttausende Badegäste lagen in den Sommermonaten zwischen Karlshagen und Ahlbeck am Strand und ließen die Seele baumeln. Während sie sich erholten, sorgten sich Hunderte Rettungsschwimmer um deren Sicherheit. Sowohl die Urlauber als auch ein Großteil der Rettungsschwimmer sind wieder abgezogen. Jetzt ziehen die Rettungsschwimmer Bilanz.

Von einer äußerst ruhigen Badesaison sprechen die Männer und Frauen in Zinnowitz. „Es war eines der ruhigsten Jahre überhaupt“, meint Wachleiter Christian Baller vom Deutschen Roten Kreuz. Nur ein einziges Mal musste der Rettungshubschrauber aufgrund eines Herzinfarktes den Strand anfliegen. „Nur zwei weitere Male wurde der Rettungswagen alarmiert, welcher die Badegäste ins Krankenhaus brachte“, sagt er.

Eine Erklärung für das geringe Unfallaufkommen hat Baller nicht. „Wir können es uns nicht erklären, warum nicht mehr los war. Nichtsdestotrotz sind wir froh, dass nicht so viel passiert ist.“ Kleinere Erste-Hilfe-Einsätze gab es dennoch reichlich. „Das waren aber alles keine schweren Fälle – entweder ein Splitter im Finger oder eine Zecke am Körper“, so Baller.

Schwerer Unfall an der Zinnowitzer Seebrücke

Der schwerste Unfall am Zinnowitzer Strand spielte sich allerdings erst nach Feierabend ab, als Mitte Juli eine junge Mutter mit ihren Kindern auf der Seebrücke während des Sonnenunterganges ein Foto von ihnen machen wollte und ihr nur zwei Jahre alter Sohn durch das Brückengeländer rutschte und aus fünf Metern Höhe in die Ostsee fiel. Die Mutter sprang geistesgegenwärtig und in Panik hinterher. An der Stelle hatte das Wasser allerdings nur eine Tiefe von 40 Zentimeter. Durch die Wucht des Aufpralls verletzte sie sich schwer an den Beinen und musste ins Krankenhaus geflogen werden. Dieser Fall sorgte an dem Abend für sehr viel Aufmerksamkeit, da zu dieser Zeit viele Spaziergänger die Seebrücke passierten. 

Froh ist Christian Baller darüber, dass er in diesem Jahr keine Personalsorgen hatte. „Wahrscheinlich liegt es daran, dass die jungen Leute durch die Corona-Einschränkungen doch lieber im eigenen Land geblieben sind, anstatt ins Ausland zu reisen“, sagt er.

Der Hubschrauber landete am Strand auf Höhe des Campingplatzes von Karlshagen. Doch dem Badegast konnte nicht mehr geholfen werden. Quelle: Rainer Decke

„Kinder lernten das Schwimmen am Strand“

„Die Strände waren an der Ostsee in diesem Sommer immer rappelvoll. Unter den gegeben Corona-Bedingungen ist die Saison sehr gut verlaufen“, sagt Thorsten Erdmann, Sprecher der Deutschen Lebens-Rettungs-Gesellschaft e. V. Allerdings stieg mit Ferienbeginn in den einzelnen Bundesländern auch die Anzahl der Unfälle.

Bemerkbar machte sich, dass vor allem die Kinder in den vergangenen Monaten weniger Schwimmunterricht in den Schulen hatten. „Deshalb haben wir den Jungen und Mädchen angeboten, am Strand das Schwimmen zu lernen. Rund 1000 Kinder nutzten das Angebot zwischen Rügen, dem Darß und Usedom und erhielten somit das Seepferdchen bzw. das Schwimmabzeichen in Bronze“, erklärt Erdmann. Wichtig sei der DLRG, dass selbst kleine Kinder an das Wasser gewöhnt werden. Monatelang hatten sie dafür überhaupt keine Chance, denn alle Schwimmbäder waren aufgrund der Corona-Auflagen geschlossen.

Personalsorgen durch die Corona-Krise

Personalsorgen hatten die Lebens-Rettungs-Gesellschaft nur zu Beginn der Saison. „Es war ein stottriger Start in die Saison, denn zu Beginn wusste auch niemand genau, wann es losgeht. Einige Rettungsschwimmer entschieden sich dann nicht für einen Dienst am Strand, sondern arbeiteten lieber in den Impf- und Testzentren der Region. Vielleicht war es für manche auch ein finanzieller Aspekt“, so Erdmann. Jetzt seien nur vereinzelt die Hauptwachen geöffnet. „Der Badebetrieb kommt aufgrund der niedrigen Wassertemperaturen zum Erliegen. Jetzt ist die Zeit der Kiter“, erklärt er.

Die Badesaison ist vorbei. Jetzt kommen die Strandkörbe wieder ins Winterquartier. Quelle: Stefan Sauer

Für die Polizei lief die Saison am Strand ruhig ab

Die Polizei schätzt die abgelaufene Badesaison als verhältnismäßig ruhig ein. „In Karlshagen und in der Gemeinde Loddin sind Gäste beim Baden ums Leben gekommen“, so Sprecher Andrej Krosse. Die Badetoten waren 82 und 83 Jahre alt. Im August kam zudem ein 51 Jahre alter Urlauber aus Baden-Württemberg bei einem Jetskiunfall nahe der Heringsdorfer Seebrücke ums Leben. Im Frühjahr wurde ein Mann leblos im Hafen von Krummin geborgen. Zuvor war er wochenlang als vermisst gemeldet.

Mitte September wurden die meisten Rettungstürme der Insel leergezogen. Einzig in den Kaiserbädern arbeiten die Rettungsschwimmer noch bis Ende des Monats. Im Mai 2022 geht es wieder los. Bis dahin bereiten sich alle auf die neue Saison vor – jetzt beginnt aber erstmal die Zeit der Reparaturen und der Erholung.

Von Hannes Ewert