Usedom: „Nightis“ aus dem Steigenberger machen die Nacht zum Tag
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Usedom Arbeiten von 21 bis 6 Uhr: „Nightis“ aus dem Usedomer Steigenberger machen Nacht zum Tag
Vorpommern Usedom

Usedom: „Nightis“ aus dem Steigenberger machen die Nacht zum Tag

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15:50 07.07.2021
Tom Richter (r.) und Krzycztof Kapys sortieren zum Beispiel die Rechnungen aus dem Restaurant und der Bar den einzelnen Zimmernummern zu, damit es keine Probleme bei der Abrechnung gibt.
Tom Richter (r.) und Krzycztof Kapys sortieren zum Beispiel die Rechnungen aus dem Restaurant und der Bar den einzelnen Zimmernummern zu, damit es keine Probleme bei der Abrechnung gibt. Quelle: Hannes Ewert
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Heringsdorf

Wenn alle Gäste tief und fest schlafen, dann sind Tom Richter und Krzycztof Kapys hellwach. Die beiden Männer arbeiten als „Night Auditor“ im Steigenberger Grandhotel in Heringsdorf und kennen eigentlich nur eine Arbeitszeit – nachts zwischen 21 und 6 Uhr morgens. Zu zweit sorgen sie dafür, dass es immer einen Ansprechpartner für alle Belange im Haus gibt.

Samstagnacht, 0 Uhr: an der Bar im Eingangsbereich des Hauses herrscht noch Betrieb, wenige Minuten vorher endete eine musikalische Darbietung gleich daneben. Allmählich ziehen sich die Gäste auf ihre Zimmer zurück. Manche sitzen noch eine Weile, um sich bei einem Getränk zu unterhalten. „Obwohl wir Hochsaison haben, ist es auf der Straße verhältnismäßig ruhig. Draußen findet um die Uhrzeit kaum noch etwas statt“, sagt Kapys. Der Swinemünder kennt auch die andere Seite der Grenze, denn er fährt fast täglich von dort zur Arbeit nach Heringsdorf. „Auf polnischer Seite starten jetzt Partys, die Leute tummeln sich auf der Promenade und in der Stadt – kein Vergleich zu den Kaiserbädern“, sagt er. Fast alle seiner rund 400 Gäste befinden sich auf den Zimmern. Das Hotel ist fast bis auf das letzte Zimmer ausgebucht.

Für rund 400 Gäste ist im Steigenberger Platz. Quelle: Steigenberger Grandhotel & Spa Heringsdorf

Um 0.15 Uhr verabschiedet sich der Koch von seiner Schicht und knipst an seinem Arbeitsplatz das Licht aus. „Alle Kollegen kommen noch bei uns vorbei, um sich zu verabschieden“, erklärt Richter. Aus der Küche gibt es für die Männer noch einen kleinen Gruß: Grillfleisch vom Abend. Auch die Kollegen von der Bar zehren noch vom hauseigenen Grillabend.

Tom Richter arbeitete zuvor auf der Aida

Bis Ende 2019 schipperte Tom Richter aus Bansin noch mit der Aida auf den Weltmeeren umher. Er arbeitete als Scout und zeigte den Passagieren an Land die schönsten Reiseziele der Welt. Er war unter anderem auf den Seychellen, Madagaskar und Umgebung sowie im Mittelmeer unterwegs. Ein Armbruch beendete an Heiligabend abrupt seinen Dienst auf dem Schiff. „Ich musste sofort nach Hause. Einen weiteren Vertrag nach der Heilung gab es nicht, weil dann das Coronavirus die gesamte Branche zum Erliegen brachte“, erklärt er. Erst wurden Verträge in Aussicht gestellt, dann wurden die Corona-Maßnahmen verlängert und vieles wurde hinfällig.

Zurück in der Heimat suchte er sich einen neuen Job. Als gelernter Kaufmann für Tourismus und Freizeit heuerte er nun im Steigenberger an. Rundgänge durch das Haus, Abrechnungen sortieren, Bargeld annehmen und quittieren oder auch Gästewünsche betreuen – die Aufgabenpalette ist breit gefächert.

Man gewöhnt sich an die Arbeitszeiten

Sein Kollege Krzycztof Kapys macht den Job seit fünf Jahren. Für ihn war es am vergangenen Samstag die dritte Nacht in Folge. „Man gewöhnt sich an die Arbeitszeiten. Manchmal helfen auch Kaffee und Cola, um über die müden Punkte hinwegzukommen“, sagt er und lacht. Vor allem sei es die Arbeit, die wachhält.

Ganz alleine sind die Usedomer nicht im Hotel. „In der Nacht kommen die Reinigungskräfte oder Mitarbeiter anderer Sicherheitsfirmen, die mehrmals in der Nacht den Außenbereich bestreifen. „Dieser Job geht nur zu zweit, denn es kann immer sein, dass sich ein Gast meldet und einen Wunsch äußert“, so Richter. Wünsche sind zum Beispiel etwas Kleines zu essen, ein Getränk oder es gibt technische Probleme. In der Nacht sammeln die Nachtportiers auch die Frühstückswünsche der Gäste ein. „Darauf notieren sie, was sie zum Frühstück essen möchten und wann es auf das Zimmer geliefert werden darf.“

Mehr Freizeit als an Bord

Den Unterschied zwischen dem Job an Bord der Kreuzfahrtschiffe und im Hotel kennt Tom Richter ganz genau. „An Bord gibt es zwei Möglichkeiten, sich nach Feierabend zu beschäftigen – entweder in die Crewbar oder man geht auf die Kabine. Hier an Land kann ich in meiner Freizeit eigentlich machen, worauf ich Lust habe. Zumal ich im Sommer an den Strand gehen kann, wenn ich ausgeschlafen bin. Ein entscheidender Faktor ist auch, dass an Bord der Kreuzfahrtschiffe bis zu sechs Monate am Stück durchgearbeitet wird. Hier habe ich in der Woche bis zu zwei Tage frei.“

Gegen 5.30 Uhr kommen die ersten Kollegen wieder von zu Hause, um den Frühstücksbetrieb anzuschieben. „Ein Großteil wird am Abend schon vorbereitet, aber es muss ja am Morgen frisch gekocht werden“, erklärt Richter.

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Gegen 6 Uhr geht es für beide nach Hause. Krzycztof Kapys kümmert sich dann darum, dass seine Kinder in die Kita kommen. Dann ist auch für ihn die Schlafenszeit gekommen. Bis es nächsten Abend wieder über die Grenze ins Steigenberger geht.

Von Hannes Ewert