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Usedom Neues Leben: So hat dieser Usedomer mehr als 50 Kilogramm abgenommen
Vorpommern Usedom Neues Leben: So hat dieser Usedomer mehr als 50 Kilogramm abgenommen
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15:33 15.08.2019
Patrick Hoff kann seine Hose nun ausrangieren. Er hat mehr als 50 Kilo in einem Jahr abgespeckt. Quelle: Henrik Nitzsche
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Zinnowitz

Den Autoscooter hat er komplett ausgefüllt – mit 143 Kilo. Jetzt kann er auf dem Rummel getrost eine zweite Person einsteigen lassen. Patrick Hoff hat in einem Jahr 52,7 Kilo abgespeckt. „Ich bin so stolz auf mich“, sagt der 25-Jährige aus Karlshagen. Sein Leben hat eine Wendung genommen.

So wie das von weiteren fünf Teilnehmern der CJD-Maßnahme „AktiWa“, die für Aktivierung und berufliche Wiedereingliederung bei Adipositas steht und vom Jobcenter Vorpommern-Greifswald Nord begleitet und finanziert wird. Mit Unterstützung eines großen Teams aus Beratern, Betreuern, Therapeuten und Kooperationspartnern haben sechs Langzeitarbeitslose von der Insel Usedom und der Stadt Wolgast in zwölf Monaten insgesamt 221,7 Kilogramm purzeln lassen. „Das ist das beste Ergebnis, was wir jemals hatten“, sagt Reinhard Guhl, Teamleiter beim Christlichen Jugenddorfwerk (CJD).

Patrick Hoff hat in einem Jahr 52,7 Kilo abgenommen. Quelle: Christa Labouvie

32 Teilnehmer lassen 900 Kilo purzeln

Mit 52,7 Kilo führt Patrick das Ranking aller bisherigen fünf Maßnahmen mit 32 Teilnehmern (es gab nur zwei Abbrecher) an, die seit 2016 durch das Programm gesundheitliche Stabilität und eine berufliche Perspektive erlangt haben. Um die 900 Kilo wurden insgesamt abgebaut. „Ich bewege mich jetzt mehr und fühle mich fit“, sagt Patrick Hoff, der als Ein-Euro-Jobber in Mölschow beschäftigt war. „Bei der Arbeit war ich schnell erschöpft. Über mein Gewicht habe ich mir nie groß Gedanken gemacht. Auch beim Essen habe ich nicht nachgedacht“, sagt der Karlshagener.

Das änderte sich durch einen Anruf vom Jobcenter. „Sie haben mir von der Maßnahme erzählt. Da hat es bei mir ‚klick‘ gemacht“, so Patrick, der inzwischen seinen kompletten Kleiderschrank aussortiert hat. Alle T-Shirts wurden ausrangiert, nur eine Hose von früher ist geblieben, die der Karlshagener zur Abschlussveranstaltung der Maßnahme mitgebracht hat. Er hält sie vor seinen Körper – unglaublich, was er in zwölf Monaten an Kilos weggeschafft hat. Ab September soll er im Karlshagener Bikerhotel einen Job bekommen. „Alle Teilnehmer haben nach Jahren der Stagnation wieder eine berufliche Perspektive“, betont Frank Adam, pädagogischer Mitarbeiter beim CJD.

Die Teilnehmer haben zum Abschluss ihre abgespeckten Kilos in Sandsäcke gepackt und daraus eine Pyramide gebaut. Quelle: Laura Benn

Mit viel Sport, Psychologie, Pilates und einer Ernährungsberatung haben auch die anderen Teilnehmer zwischen 30 und 40 Kilogramm verloren. „Ich konnte vorher gerade mal noch Fahrrad fahren. Jetzt kann ich auch wieder laufen“, so eine Teilnehmerin. Aquagymnastik am Wasser – die einst übergewichtigen Gestrandeten kannten das gar nicht.

„Ich heirate nur, wenn ich ins Brautkleid passe“

Auch für Antje El-Gareh war das eine neue Welt. Die 40-jährige Wolgasterin hat im Juni Hochzeit gefeiert. Und sich vorher ein Versprechen gegeben: „Ich heirate nur, wenn ich auch ins Brautkleid passe.“ Sie passte. 143,9 Kilo hatte sie zum Start der Maßnahme im August 2018, nun zeigte sie sich selbstbewusst mit 104,9 Kilo. „Bei Bewerbungsgesprächen hatte ich immer das Gefühl, das mein Gegenüber nur denkt, wie dick ich bin. Das war schrecklich“, sagt die zweifache Mutter.

Antje El Gareh (40) hat 143,9 Kilogramm gewogen. Quelle: Christa Labouvie

Die gelernte Köchin sah für sich keine Perspektive mehr. „Jetzt fahre ich wieder Fahrrad, tobe mit meinen Kindern und genieße Spaziergänge.“ Im September beginnt sie eine Ausbildung in Greifswald als Krankenpflegehelferin. „Ohne die Gruppe hätte ich es niemals geschafft. Ohne Chrissi auch nicht.“ Mit Chrissi meint sie Ernährungsberaterin Christa Labouvie.

Antje El Gareh (40) hat in der CJD-Maßnahme fast 40 Kilo abgenommen. Quelle: Christa Labouvie

Obwohl das Projekt laut Nico Röhrdanz vom Jobcenter zu den „preisintensivsten Maßnahmen“ zählt, „ist der Erfolg enorm. Deshalb werden wir auch eine sechste Maßnahme fördern“, kündigt Röhrdanz an. Bis zum 8. März 2020 sollen Langzeitarbeitslose gefunden werden, die bei der Maßnahme „Adipositas“ ihrem Leben einen neuen Kurs geben. Sieben sind bereits dabei. „Finanziell mussten wir zwar Abstriche machen. Von unserer zertifizierten Stelle heißt es, dass Gesundheitsmaßnahmen nicht mehr gefördert werden. Wir sind aber im Gespräch mit den Krankenkassen“, sagt Guhl, der hofft, dass „die Politik das endlich aufnimmt und uns die Krankenkassen unterstützen. Es kann ja nicht die Aufgabe des Jobcenters sein, die Menschen gesund zu machen.“

Dank des Jobcenters hat Patrick Hoff sein altes Leben hinter sich gelassen. Er hat nun eine eigene Wohnung. Seit vier Tagen besitzt er einen Führerschein, im Fitnessstudio will er sich auch anmelden. Vor einem Jahr undenkbar für den Karlshagener – „ich habe bei meinen Eltern gewohnt, mich kaum bewegt und über mein Gewicht nie nachgedacht.“

Mehr zum Autoren gibt es hier.

Von Henrik Nitzsche

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