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Usedom So kam der Usedomer Streckelberg zu seinen Bäumen
Vorpommern Usedom So kam der Usedomer Streckelberg zu seinen Bäumen
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09:21 04.02.2019
Diese historische Postkarte zeigt den Gedenkstein (rechts im Bild) zu Ehren des Oberförsters Wilhelm Heinrich Schrödter am Fuße des Streckelberges in Koserow. Quelle: Archiv Dr. Franz Jeschek
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Koserow/Insel Usedom

Am 3. November 1897 starteten fünf Koserower Männer – Gemeindevorsteher Ludwig Kasch, Gastwirt Louis Beyer, Tischlermeister Hermann Kelch, Lehrer Carl Koch und Pastor Max Trapp – in der Lokalzeitung „Wolgaster Anzeiger“ einen öffentlichen Aufruf. Darin ging es um die Errichtung eines Denkmals am Koserower Streckelberg zu Ehren von Wilhelm Heinrich Schrödter, dem früheren Königlichen Oberförster des Reviers Pudagla-Zinnowitz.

Schrödter wird als genialer Forstmann gelobt, dem es „unter unsäglich mühevoller Arbeit gelang, den Streckelberg 1818 und 1819 zu beforsten“. 200 Jahre ist dies heute her, so dass die Gelegenheit günstig ist, des Grünrocks zu gedenken, dem am 18. Mai 1900 zu Füßen des Streckelberges besagtes Denkmal in Form eines schlichten Gedenksteins gesetzt wurde, der bis heute existiert.

Gedenkstein am Streckelberg in Koserow für den früheren Oberförster Wilhelm Heinrich Schrödter in den 1940-er Jahren. Quelle: Archiv Dr. Franz Jeschek

Wilhelm Heinrich Schrödter ist einer der beiden Söhne des aus Klein Behnitz im Land Brandenburg stammenden Königlichen Hof- und Revierjägers August Wilhelm Schrödter (1752-1821), seit 1810 Revierförster und späterer Oberförster in Zinnowitz. Verdienste erwarben sich Vater und Sohn mit dem Anlegen so genannter Dünenketten an der Usedomer Seeküste, insbesondere aber durch die Bewaldung großer küstennaher Flächen.

Viele Jahre lang war der Streckelberg, der während des Siebenjährigen Krieges (1756-1763) abgeholzt worden sein soll, das Sorgenkind der hiesigen Forst- und Dünenverwaltung. „Die rauen Seewinde, die im Frühjahr und Herbst fast ununterbrochen über die schmale Landenge zwischen der Ostsee und dem Achterwasser streichen, wirbelten den losen Sand auf und trieben ihn über die Felder bis in die Gärten und Häuser und das Achterwasser, wo er oft fingerdick auf den Booten lagerte“, heißt es in einer Schildung von 1897. „Coserow lag damals wie eine Oase in der Wüste da und galt als eine ,gefährliche Ortschaft’.“

Die Forstleute Schrödter verstanden es in meisterhafter Weise, die unfruchtbaren Sandwüsten zu kultivieren und mit Buchen aufzuforsten. Somit war Usedoms höchster Küstenberg fortan gegen die gefürchteten Sandverwehungen geschützt. Koserow wurde zu einem freundlichen Badeort und der einst wandernde Streckelberg der Park des heutigen Ostseebades.

Der Buchenwald am Streckelberg bei Koserow auf einer Ansichtskarte aus den 1930-er Jahren. Quelle: Archiv Dr. Franz Jeschek

Die Aufforstung erregte die Beachtung an höchster Stelle. Während seiner Rundreise durch Pommern im Jahr 1820 machte König Friedrich Wilhelm III. in Begleitung seiner Söhne, des Kronprinzen und der Prinzen Wilhelm und Karl am 7. Juni in Koserow Station, wo er den Streckelberg bestieg und die seinerzeit gerade erst angelegten Dünen- und Forstkulturen in Augenschein nahm.

80 Jahre später wurde besagter Gedenkstein am Hauptweg beim Aufstieg des Berges feierlich eingeweiht. Der Ortspfarrer hielt die Festrede und frisch gepflanzter Efeu umrankte den natürlich gerandeten, polierten Granitstein mit der Aufschrift „Oberförster Schrödter bewaldete den Streckelberg 1818 und 1819“.

Der Name des Oberförsters ist auch mit dem des Pfarrers und Dichters Wilhelm Meinhold verbunden, dessen Werk „Die Bernsteinhexe“ weit über die Inselgrenzen hinaus berühmt wurde. Am 21. Juni 1827 wird Schrödter als Taufpate für Meinholds Sohn genannt. 1835 wurde Wilhelm Heinrich Schrödter als Oberförster nach Friedrichsthal versetzt. Von seinem Wirken im Herzen der Insel Usedom profitieren Einheimische und Urlauber bis heute.

Tom Schröter