Usedomer Autorin berührt mit ihren Alltagsgeschichten
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Usedom So berührt diese Usedomer Autorin mit ihren Alltagsgeschichten
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Usedomer Autorin berührt mit ihren Alltagsgeschichten

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20:03 19.12.2020
Die deutsch-österreichische Schriftstellerin Regina Faerber lebt seit April 2019 in Bansin. Jetzt hat sie hier ihr erstes „Usedomer“ Buch veröffentlicht. Quelle: Dietmar Pühler
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Bansin

Die Bansiner Autorin Regina Faerber hat ihrer neuen Heimat ein kleines literarisches Denkmal gesetzt. Vor bald zwei Jahren ist sie von Stuttgart auf die Insel gezogen. Jetzt ist ihr erstes im Seebad Bansin geschriebenes Buch im Anthea-Verlag erschienen.

Es heißt „Am Meer – Alltagsgeschichten aus den Kaiserbädern an der Ostsee“ und es ist eine Sammlung von zehn Kurzgeschichten. Als Bonbon gibt es zum Buch im DIN A4-Format noch ein Hörbuch mit vier der Geschichten dazu, gelesen von der Autorin selbst.

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Buch ab 20. Dezember erhältlich

Auf dem Markt ist das Buch ab dem 20. Dezember erhältlich. Regina Faerber ist froh, dass es jetzt wie geplant erscheint, zumal ihr Verleger am 5. November plötzlich im Alter von 59 Jahren verstorben ist. Wie es mit dem Verlag weitergeht, ist noch offen. Geplant war, dass auch der zweite Band von „Am Meer“ vom Anthea-Verlag veröffentlicht wird.

Auch wenn ihr der Schicksalsschlag sehr nahe ging, ist Regina Faerber glücklich über das Druckwerk. „Das 1. Buch ist da, Libre Del Mar ist gegründet. Ich fühle mich mit wenigen Ausnahmen hier angenommen. Alles in allem ist es das geworden, was es werden sollte“, beschreibt die Schriftstellerin ihre ersten Monate in der Villa Laetitia. Dort hat sie ihr Atelier, in dem die Geschichten zu Papier gebracht werden. Entstehen tun diese aber dort, wo Regina Faerber die Muse hat, Situationen und Gesagtes in sich aufzusaugen.

Alles genau beobachten

„Wenn ich im Café sitze und Wein trinke und beobachte, sehe ich alles. Es ist für mich das Normalste, dass ich alles extrem genau beobachte. Ich kann nicht anders, als alles wahrzunehmen“, erklärt die Autorin. So sind seit Oktober 2019 jene Geschichten entstanden, die nun als Alltagsgeschichten im Buch zu finden sind.

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Jede einzelne Geschichte ist Regina Faerber kostbar. „Die Menschen berühren mich immer mehr. Ich bin sehr glücklich mit den Momentaufnahmen, die erhalten bleiben“, sagt sie voller Dankbarkeit. Zuhause in ihrem Atelier hört sie das Meer: „Ich brauche diese Ruhe. Es gibt nichts, was mich treibt.“ Hier kann sie ihre Geschichten „poetisch ausweiten“ und künstlerisch veredeln. Hinter allem stecke „viel Liebe zu den Menschen“, betont die Schriftstellerin, die im Sommer mit der Ahlbecker Bestatterin Linda Deckerdt das Projekt „Libre del MAR – Reisen des Lebens und der Freiheit“ für trauernde Hinterbliebene ins Leben rief.

Faerber hält die Lupe ans Herz

Bei allem, was sie tut, hat sie einen hohen Qualitätsanspruch an sich selbst. „Es muss glänzen“, sagt Regina Faerber dazu. Wie bei Libre Del Mar – „Du lebst ein Stück mit“ – sieht sie auch als Autorin eine große Verantwortung gegenüber den Menschen: „Die Figuren wollen gestaltet werden.“ Sie setze die Lupe an, schaue ins Herz und wolle ja auch etwas sagen, beschreibt die Bansinerin ihre Arbeit.

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Entstanden sind so berührende und teils auch humorvolle Geschichten, in denen Regina Faerber ihre ersten Monate auf Usedom Revue passieren lässt. So beginnt das Buch mit der Kurzgeschichte „Sommer“, das den lauten Sommer 2019 und den stilleren Sommer 2020 beschreibt und mit einem Ausblick endet: „Wie wird der dritte Sommer sein? Und jeder weitere? Ein Sommer der Dankbarkeit? Einer der Freude und der Umsicht? Ich glaube, ja. In anderer Buntheit; in schöneren Farben; Farben der Seelen.“

So erlebte sie einen aufdringlichen Verehrer

Die Leser erfahren in den kurzweilig geschriebenen Geschichten unter anderem, wie der Regina Faerber ans Herz gewachsene Malermeister „Boschko“ zu seinem Spitznamen kam, wie sehr sie ihre Tierärztin, die sie in „Eding oder der weiße Hund“ liebevoll „Dr. Dolittle“ nennt, schätzt und in „Herzass“ was sie mit einem aufdringlichen Verehrer auf der Terrasse des „Banzino“ erlebte.

Die Alltagsgeschichten sind absolut lesenswert und Regina Faerber gibt in der Geschichte „Wer sie sind“ ein Bekenntnis für ihr Schaffen ab: „Und, glauben Sie mir, die Einzelschicksale gehen mich was an, sie gehen mir nach; das ist mein Beruf. Und mein Herz. Es sind auch die Sehnsuchtsvollen: Dass das Meer alles wegspülen solle, was sie belastet.“

Von Dietmar Pühler