Menü
Ostsee Zeitung | Ihre Zeitung aus Mecklenburg-Vorpommern
Anmelden
Usedom Veränderte Sicht: Blick nach Afrika
Vorpommern Usedom Veränderte Sicht: Blick nach Afrika
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
Jetzt kostenlos Testen Zur Anmeldung
00:00 28.04.2017
Kenner der politischen Entwicklungen in Europa und Afrika: Skh Prinz Asfa- Wossen Asserate beim Eröffnungsabend. Quelle: Foto: Dietmar Pühler
Anzeige
Heringsdorf

Die 9. Usedomer Literaturtage unterscheiden sich von ihren Vorgängern durch eine veränderte Sicht. Galt das literarische Interesse bisher dem Osten Europas, so dreht sich in diesen Tagen alles um die Identität ganz Europas. Bei der Eröffnungsveranstaltung im Heringsdorfer Kaiserbädersaal am Mittwochabend ging der Blick sogar nach Afrika, von wo aus eine Völkerwanderung ungeahnten Ausmaßes Europa vor eine gewaltige Herausforderung stellt.

Eröffnet wurden die Literaturtage von Landtagspräsidentin Sylvia Bretschneider, die unterstrich, dass „das Thema, über das sie heute Abend sprechen werden, hochwichtig ist“. Moderator Manfred Osten hätte für den Auftakt der Literaturtage keinen besseren Ersatz für Martin Walser, der aus gesundheitlichen Gründen kurzfristig absagte, finden können als Skh Prinz Asfa-Wossen Asserate. Der Großneffe des letzten äthiopischen Kaisers Haile Selassie, der 1974 abdanken musste, lebt seit der Entmachtung Haile Selassies in Deutschland und ist ein profunder Kenner der politischen und gesellschaftlichen Entwicklungen sowohl in Europa als auch in Afrika.

Anzeige

Manfred Osten, der als Diplomat viele Jahre in Afrika war, unterhielt sich mit Dr. Asfa-Wossen über dessen Buch „Die neue Völkerwanderung. Wer Europa bewahren will, muss Afrika retten“. Der Deutsch-Äthiopier machte deutlich, dass sowohl die Haltung der demokratischen Regierungen in Europa gegenüber den Potentaten in Afrika als auch die Agrarpolitik der EU die Ursachen für den massenhaften Exodus aus Afrika sind.

„Die gemeinsame Agrarpolitik Europas bedeutet für uns den Tod, weil dadurch die ganze Agrarproduktion Afrikas zunichte gemacht wird, da sie preislich durch die Subventionen in Europa nicht mehr mithalten kann“, machte er deutlich. Es sei nötig, diese Agrarprotektion zu beenden, durch die Afrika rund 30 Milliarden Euro verliere. Das sei das Doppelte an Entwicklungshilfegeldern, die nach Afrika fließen. „Wenn man Afrika die Chance gäbe, in den europäischen Markt zu kommen, wäre die ganze Entwicklungshilfe nicht nötig“, schätzt der Prinz ein. Bedenklich sei aber auch der Ausverkauf von Böden. So habe Äthiopien bereits 1,5 Mio. Hektar Land unter anderem an Investoren in China und Saudi-Arabien verkauft. Die darauf produzierten Lebensmittel gingen ausnahmslos in den Export, während in Äthiopien 20 Mio. Menschen hungerten.

„Die größten Exporteure der Flüchtlinge sind die Gewaltherrscher in den afrikanischen Ländern. Leider werden die von europäischen Steuergeldern alimentiert“, führte Dr. Asfa-Wossen weiter aus. Im Gespräch von Manfred Osten mit dem äthiopischen Prinz wurde auch über die Dürre als Folge des Klimawandels, die Bevölkerungsexplosion und die Ethnienvielfalt in Afrika gesprochen. Letztere verhindere, dass sich ein Nationalitätsbewusstsein entwickle und sei Ursache für viele Stammesfehden, die neben dem Erstarken islamistischer Bewegungen, für Blutvergießen sorge. Europa dürfe sich nicht abschotten, forderte Asfa-Wossen und zitierte den früheren Bundespräsidenten Horst Köhler: „Afrika ist der Lackmustest, an dem sich Europas Humanität beweist.“ Nur mit demokratischen Grundsätzen und einem fairen globalen Handel könne verhindert werden, dass der Flüchtlingsstrom nach Europa weiter zunehme.

Dietmar Pühler

Mehr zum Thema

Literaturfestival auf der Insel thematisiert ab heute aktuelles Zeitgeschehen

26.04.2017

Literaturfestival auf der Insel thematisiert ab heute aktuelles Zeitgeschehen

26.04.2017

Literaturfestival auf der Insel thematisiert ab heute aktuelles Zeitgeschehen

26.04.2017

Anwohner aus Zarnitz kündigen Gang vor Verwaltungsgericht an

28.04.2017

Einwohner wünschen sich außerhalb der Schulzeit Busverkehr im Inselnorden

28.04.2017
Usedom GUTEN TAG LIEBE LESER Die Düne wird zum Laufsteg

Diese Schilder kennt wohl jeder: „Betreten der Dünen ist verboten!“ Viele Gäste denken, dass es sich bei diesem Verbot lediglich um den Schutz der Natur handelt.

28.04.2017