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Usedom Viele offene Fragen zum Bildungscamp in Warthe
Vorpommern Usedom Viele offene Fragen zum Bildungscamp in Warthe
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18:46 09.08.2019
So könnte das Bildungscamp in Warthe aussehen. Quelle: Repro
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Rankwitz

 Es steht nicht auf der Tagesordnung und dürfte doch in der Gemeindevertretersitzung der Gemeinde Rankwitz am Montag für viel Gesprächsstoff sorgen: Das geplante Millionenprojekt des Berliner Vereins „Interkulturelle Pädagogische Gesellschaft Mitra“ im Lieper Winkel. Der Verein möchte im Ortsteil Warthe der Gemeinde Rankwitz ein internationales Bildungscamp errichten, wo bis zu 100 Kinder und Jugendliche – teilweise aus Russland – an Seminaren teilnehmen. Fünf Millionen Euro sollen investiert werden. Der Vier-Seiten-Hof, in dem das Bildungscamp untergebracht werden soll, wurde bereits durch den privaten Eigentümer saniert. Mitra will dann weitere Anbauten vornehmen.

Rankwitz’ Bürgermeister Arno Volkwardt und eine Mehrheit der Gemeindevertretung haben sich bereits im Juli positioniert, sie sprechen sich gegen das Projekt aus. Sie befürchten in der ruhigen Gegend des Lieper Winkels vor allem Lärmbelästigung durch die jungen Leute. Allerdings wollen einige Gemeindevertreter die Planungsunterlagen noch gar nicht gesehen haben.

Befürworter sehen Projekt als Chance

Doch es gibt auch zahlreiche Befürworter des geplanten Vorhabens: Dazu gehört Doris Kreiseler, die das Restaurant „Rankwitzer Hof“ betreibt. Sie war völlig fassungslos, als ihr Bürgermeister Volkwardt während der letzten Bürgersprechstunde sagte, dass die Gemeinde nicht in ihrem „Dornröschenschlaf“ gestört werden will. „Ich verstehe die Welt nicht mehr. Der Lieper Winkel überaltert völlig und dann sollen jungen Leute fern bleiben?“, so Kreiseler. Auch andere Bewohner des Lieper Winkels hätten nichts gegen jugendliche Seminarteilnehmer einzuwenden: Denn mit ihnen käme auch das Geschäftsleben wieder in Gang. Derzeit gibt es lediglich zwei (im Sommer drei) tief in die Jahre gekommene Tante-Emma-Läden für Brötchen und Zeitungen.

Bürgermeister Arno Volkswardt sieht grundsätzlich noch Informationsbedarf: „Wenn es gewünscht wird, dass der Bauantrag der Berliner auf die Tagesordnung kommt, dann ist das so“, sagte er im Juli. Allerdings hoffen viele Einwohner des Lieper Winkels – egal, wie sie zu dem Vorhaben stehen – dass sich der Verein bald persönlich in der Gemeindevertretung vorstellt und seine Pläne den Bürgern detailliert erläutert. Damit könnten auch Spekulationen und Mutmaßungen entgegengetreten werden.

Für Ablehnung braucht es triftige Gründe

René Bergmann als Verwaltungschef des Amtes Usedom Süd sagt, dass er das Projekt gut findet. Der Lieper Winkel würde damit auch für junge Leute interessant. „Und die Seminare sind immer zeitlich begrenzt“, so Bergmann. Die Entscheidung, ob Mitra in Warthe ansässig werden könne, liege aber bei der Gemeinde. Allerdings: Für eine Ablehnung des Vorhabens müssen triftige Gründe vorliegen, erläutert der Verwaltungschef. Die Tatsache, dass man lediglich Ruhe haben will, dürfte kaum ausreichen. In einem solchen Fall könnte der Kreis laut Kommunalverfassung das gemeindliche Einvernehmen herstellen, sprich: Er könnte die Genehmigung für die Umsetzung des Bildungscamps aussprechen.

Zustimmung zum Vorhaben wurde bereits durch die Landesregierung in Persona von Wirtschaftsstaatssekretär Stefan Rudolph (CDU) und Vorpommern-Staatssekretär Patrick Dahlemann (SPD) und den Landkreis signalisiert. Der stellvertretende Landrat Jörg Hasselmann (CDU) spricht klare Worte: „Wir müssen Klarheit schaffen, ehe Mitra abspringt. Das würde bedeuten, dass Arbeitsplätze nicht kommen und Zulieferer aus der Region leer ausgehen.“

Verein gehört Paritätischen Wohlfahrtsverbänden an

Mitra betreibt gegenwärtig zehn bilinguale Kindergärten in Berlin, Leipzig, Potsdam und Köln sowie eine private deutsch-russische Lomonossow-Grundschule (Berlin) mit gezielter Sprachförderung für etwa 810 Kinder. Der Verein ist seit 2000 anerkannter überregionaler Träger der freien Jugendhilfe und Mitglied Paritätischer Wohlfahrtsverbände in mehreren Bundesländern. Laut Geschäftsführerin Marina Burd arbeiten bei Mitra 200 deutsch- und russischsprachige Mitarbeiter. Sie arbeiten mit Elterninitiativen, sozialen Projekten und Verbänden, Bildungseinrichtungen und wissenschaftlichen Institutionen in Deutschland und im Ausland zusammen. Marina Burd sagt: „Kultur und Bildung verbinden, auch gerade auf dieser schönen Sonneninsel.“

In der Einwohnerfragestunde am Montag dürfte es also viel zu diskutieren geben. Die Gemeindevertretersitzung findet im Versammlungsraum des Feuerwehrgerätehauses in Liepe statt und beginnt um 19 Uhr.

Von Rainer L. Hein und Cornelia Meerkatz

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