Vorpommern-Greifswald: Ex-Landrätin Syrbe fordert schnelles Handeln
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Usedom Vorpommern-Greifswald: Ex-Landrätin fordert schnelles Handeln – statt kluger Reden
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Vorpommern-Greifswald: Ex-Landrätin Syrbe fordert schnelles Handeln

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20:15 01.03.2021
Ex-Landrätin Dr. Barbara Syrbe (Linke) zur aktuellen Corona-Situation.
Ex-Landrätin Dr. Barbara Syrbe (Linke) zur aktuellen Corona-Situation. Quelle: Stefan Sauer/dpa
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Karlshagen

„Corona bestimmt unser aller Leben seit einem Jahr – wir müssen die Krankheit bekämpfen, und wir müssen unter diesen Bedingungen das öffentliche Leben organisieren. Denn das Virus wurde nicht von Politikern gemacht.“ Das sagt Ex-Landrätin Dr. Barbara Syrbe (Linke). Sie bricht nach dem Kreisausschuss vom Freitag zum Krisenmanagement und der Impfstrategie von Landrat Michael Sack (CDU) und der damit verbundenen Kritik von SPD, Linken, Grünen und Tierschutzpartei eine Lanze für die Verwaltungsmitarbeiter.

Sie stört sich nach zahlreichen Gesprächen mit Mitarbeitern aus diesem Bereich daran, wie pauschal über die Arbeit in der Kontaktnachverfolgung geurteilt wurde: „Will man die Arbeit der Kontaktnachverfolgung kritisieren, soll man das tun, aber bitte mit Sachkunde und bitte auch mit Verständnis denjenigen gegenüber, die diese Arbeit leisten. Sophistische Zahlenspiele sind da wenig hilfreich. Die Kontaktnachverfolger sind sich völlig im Klaren darüber, dass schnelle Information Leben retten kann. Sie arbeiten mit großem persönlichen Einsatz. Sieben Tage in der Woche, oft nur mit einem Tag frei dazwischen.“

Beschränkungen des persönlichen Lebens

Die Zahlenjonglierer sollten sich lieber mal ein Bild davon machen, was eigentlich in den Telefonaten geleistet werden muss. „Man muss verängstigte, besorgte, manchmal wütende, oft verständnisvolle Menschen, aber auch große Kritiker des gesamten Verfahrens dazu bringen, die Fragen für die Erfassungsbögen zu beantworten und gleichzeitig Beschränkungen für das persönliche Leben zu akzeptieren.“

Das mache man nicht mit einem Hingeworfenen: „Sie sind jetzt in Quarantäne – halten Sie sich daran!“ Einfühlungsvermögen, Sachkenntnis und Verständnis seien gefragt.

Was wurde zum Schutz der Pflegeheime getan?

Syrbe geht noch weiter: „Haben sich all jene Politiker und Berichterstatter, die jetzt direkt oder indirekt den Mitarbeitern die Schuld daran geben, dass in Vorpommern-Greifswald die Zahlen der Infizierten einfach nicht sinken, weil angeblich nicht schnell genug nachverfolgt wird, mal gefragt, wie es Mitarbeitenden geht, wenn sie einen ihrer Telefonkontakte auf den Listen der Verstorbenen wiederfinden?“

Will man kritisieren, dann sollten sich nach ihren Worten die Politiker aus Kreis und Land den Fragen zuwenden, für die sie wirklich zuständig sind: Was wurde seit dem Lockdown im Frühjahr 2020 getan, um die Pflegeheime mit genügend Personal auszustatten? Was wurde getan, damit die Schulen auf digitalen Unterricht vorbereitet werden?

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„Selbst nichts anzubieten, als einen Schuldigen zu suchen“

Der früheren Linkenpolitikerin dränge sich so nur ein Eindruck auf: „Sie haben selbst nichts anzubieten, als einen Schuldigen zu suchen, warum der eine Kreis besser als der andere dasteht in den Inzidenzen.“ Das könne morgen schon wieder ganz anders sein, wie man gerade am Landkreis Rostock sehe.

Das Virus jedenfalls richte sich nicht nach Wahlen, so Syrbe. Sie findet es „einfach unanständig, eine für viele Menschen tödliche Pandemie auszunutzen, um sich als Mahner zu betätigen und um sich im Wahlkampf gut dastehen zu lassen.“

Von Cornelia Meerkatz