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Usedom Schlag auf Schlag: Mit dem Drachenboot nach Berlin
Vorpommern Usedom Schlag auf Schlag: Mit dem Drachenboot nach Berlin
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16:56 11.05.2019
Zwölftklässler der Waldorfschule paddeln auf dem Ryck. Im September wollen 220 Waldorfschüler von Greifswald bis nach Berlin paddeln. Quelle: Christopher Gottschalk
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Greifswald

 Einmalig ist das, was nie wiederkehrt. Geburtstage gehören dazu oder auch Mammutprojekte. Die Waldorfschule Greifswald geht derzeit einen einmaligen Weg: 220 Schüler wollen mit einem Drachenboot von Greifswald nach Berlin paddeln und dort in der Hauptstadt das 100-jährige Jubiläum der Waldorfschulen in Deutschland feiern. Seit Monaten laufen die Vorbereitungen und seit der ersten Maiwoche trainieren die Fünft- bis Dreizehntklässler auf dem Ryck.

Drachenboot startet auf dem Ryck

420 Kilometer liegen vor den Schülern, zwischen dem 14. und 19. September fahren sie von Greifswald aus über den Ryck und Bodden nach Klein Jasedow. Weiter nach Słepnica und Schwedt über die Oder und den Oder-Havel-Kanal nach Marienwerder und anschließend nach Berlin. Gefahren wird von Sonnenauf- bis Sonnenuntergang: „Das Boot soll dabei nie still stehen“, sagt Pia Schulte-Hötte (18), Zwölftklässlerin und Mitglied im Organisationsteam für das Projekt „Waldorf bewegt“. Sie gewann bei Deutschen und bei Europa- und Weltmeisterschaften mehrere Titel im Drachenboot, auch die Teams der Waldorfschule belegen regelmäßig erste Plätze bei Schulwettbewerben.

Für die Berlin-Reise gelte: „Man muss natürlich seinen inneren Schweinehund überwinden können. Dieses Durchhalten ist eine Motivation“, sagt sie. „Man konzentriert sich darauf, dass man es schafft und es gar nicht mehr so lange dauert.“

DRK begleitet die Fahrt bis nach Berlin

Nach 45 Minuten, so lange fahren die 20 Mann starken Teams auch im Training, wechseln die Teams direkt auf dem Wasser. Täglich fahren je drei Teams, neun sind es insgesamt. Die Schüler steigen auf ein Schlauchboot und von dort aus in eine der zwei Barkassen, die das Drachenboot ständig begleiten. Mitglieder vom Deutschen Rotes Kreuz Ostvorpommern sind bei der Fahrt dabei und sichern die Schüler ab. Hinzu kommen Eltern und Schüler, die an Land bereits das Lager für die Nacht aufschlagen. Entweder wird geschlafen in Zelten für je 20 Menschen oder in Turnhallen und Räumlichkeiten anderer Schulen. Ein Elternteil kocht zusammen mit Schülern in einer Feldküche das Essen für die knapp 250 starke Waldorf-Crew.

Mehrere Tage am Stück 24 Stunden miteinander zu verbringen, das kommt auf die Schüler, Lehrer, Eltern und Rettungskräfte zu. „Dieser Zusammenhalt in der Schule wird viel mehr verflechten durch die Fahrt. Sonst haben Fünft- und Zwölftklässler kaum etwas miteinander zu tun“, sagt Nis Stühmer (15). „Auch die Kleinen sind schon heiß auf die Fahrt“, stimmt Pia Schulte-Hötte zu.

Sehen Sie hier Bilder des Drachenboots der Waldorfschule

Greifswalder Bodden ist größte Problemstelle

Für eine reibungslose Fahrt braucht es vor allem einen gemeinsamen Rhythmus. Diesen Takt zu brechen sei der folgenschwerste Fehler, den ein Paddler machen kann, sagt Pia Schulte-Hötte. Auf den hinteren Positionen falle das weniger ins Gewicht. Das Paddeln im Drachenboot ist vor allem eine Angelegenheit des Oberkörpers: Die Hände greifen das Paddel oben und unten, der untere Arm wird gestreckt und das Paddel senkrecht gehalten. Der Oberkörper beugt sich so weit nach vorne wie möglich, das Paddel wird in das Wasser getaucht und dann mit dem Oberkörper nach hinten bis auf Hüfthohe gezogen.

Dabei passiert es auch, dass der Vordermann einen Stoß in den Rücken bekommt, das Wasser spritzt über die wenige Zentimeter hohe Reling, der Atem geht schnell. Die Schlagzahl wird 50 pro Minute sein, sagt Sportlehrer Dirk-Carsten Mahlitz. Mit den ersten Trainingseinheiten ist er zufrieden, die Schüler seien auf einem guten Weg. Mahlitz steht als Steuermann hinten im Boot und ruft Sätze wie: „Noch 250 Meter! Auf den letzten Metern werden wir nicht schneller. Wir werden nur technisch sauberer!“

Fahrt der „Waldorf bewegt“ in die Hauptstadt kostet 60.000 Euro

Die Generalprobe ist Anfang Juli, die Oberstufe fährt von Greifswald nach Freest und wieder zurück. Sorgen machen sich die Schüler und Lehrer nur über zu starken Wind und Wellengang im Greifswalder Bodden und die Schleusen und Schiffhebewerke auf dem Weg. „Die größte Problemstelle ist der Bodden, ansonsten sorgen wir uns über Krankheitsausfälle und sonst nichts“, sagt Nis Stühmer. Auf der letzten Etappe soll das Drachenboot auf Händen getragen werden, direkt bis zum Berliner Tempodrom, einem Veranstaltungsort mit Platz für rund 5000 Menschen.

Lesen Sie mehr: Das sind Vorpommerns Drachenbootfeste

Die gesamte Fahrt koste rund 60.000 Euro, so Sportlehrerin Bettina Rose. 10.000 Euro würden derzeit noch fehlen, über Spenden freue sich die Schule. Das Geld stammt von Eltern, aus dem Verkauf von T-Shirts mit dem Aufdruck „Waldorf bewegt“ oder von Schülern handgemachten Drachenbooten und von Sponsoren. Das Boot wurde beispielsweise von einer regionalen Bank finanziert, die Kleidung von einem Pflegedienstleister aus Greifswald.

Waldorf in 80 Ländern

Die erste Waldorfschule wurde 1919 in Stuttgart gegründet. Das Konzept der Schule basiert auf den Ideen von Rudolf Steiner (1861 –1925). Grundlage der Waldorfpädagogik ist ein Menschenbild, das von unterschiedlichen Anlagen, Begabungen und Entwicklungsmöglichkeiten jeder Person ausgeht. Heute gibt es weltweit rund 1.100 Schulen dieser Art in rund 80 Ländern, heißt es auf der Webseite der Waldorfschulen. Mit einem Festakt wird dieses Jahr das 100-jährige Jubiläum der Waldorfschulen gefeiert.

Christopher Gottschalk

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