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Usedom Warum eine 80-Jährige zum ersten Mal in ihrem Leben die Insel Usedom verlassen kann
Vorpommern Usedom

Warum eine 80-jährige zum ersten Mal in ihrem Leben die Insel Usedom verlassen kann

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19:03 07.02.2020
Erika Bruss mit ihren Helfern Steve Henschel und Klaus-Dieter Hoddow beim Besuch des Ozeaneums in Stralsund Quelle: privat
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Usedom

Es war für Erika Bruss ein verspätetes Geburtstagsgeschenk: Am 31. Dezember feierte sie ihren 80. Geburtstag, wenige Tage später verließ sie zum ersten Mal die Insel Usedom. Das Zeitreisemobil des DRK brachte sie nach Stralsund ins Ozeaneum. Die Usedomerin ist schwer krank und hätte niemals allein diese Reise unternehmen können. „Ich bin den Männern so dankbar“, sagt sie.

Die Männer – das sind Klaus-Dieter Hoddow und Steve Henschel, die beiden Ehrenamtler, die das Zeitreisemobil steuern und sich fürsorglich um Erika Bruss kümmern. Sie packten sie warm ein im Rollstuhl, damit sie nicht friert, sie erklärten ihr vor den einzelnen Becken alles und ließen sich alle Zeit, damit die Seniorin diesen ganz besonderen Ausflug genießen kann.

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Die 80-jährige Erika Bruss konnte dank des Zeitreisemobils erstmals die Insel Usedom verlassen. Quelle: Cornelia Meerkatz

Mit 14 Jahren schon verrentet

Mit ihren Pflegeeltern und deren drei Kindern kam sie auf der Flucht aus Hinterpommern in den Kriegswirren 1945 auf der Insel an. Die Familie ließ sich im kleinen Städtchen gleichen Namens nieder. „Wir waren arm, haben aber immer fleißig gearbeitet. Mein Papa hatte die Fellannahmestelle und den Altstoffhandel in der Stadt. Wir Kinder sind ihm beim Sortieren zur Hand gegangen“, erinnert sie sich. „Ich hatte ein gutes Zuhause mit lieben Eltern und Geschwistern. Doch meine Gesundheit war von Anfang an nicht die beste“, berichtet Erika Bruss. Mit 14 Jahren sei sie schon verrentet worden. Viele Operationen habe sie über sich ergehen lassen müssen. Jetzt könne sie sich nur sehr langsam fortbewegen. Mit dem Rollator schafft sie höchstens 50 Meter, dann geht nichts mehr. „Zum Glück habe ich eine liebe Freundin, die Barbara“, sagt sie.

Fische zu beobachten, war großartig

Barbara Reiche war es auch, die sie für die Fahrt mit dem Zeitreisemobil angemeldet hat. „Ich habe die Berichte während der OZ-Weihnachtsaktion gelesen. Und weil es dieses wunderbare Mobil gibt, wollte ich Erika überraschen“, so die Seniorin. Das ist ihr gelungen – Erika Bruss hat vor dem Ausflug vor Aufregung nicht schlafen können. „Aber dann war die Fahrt so angenehm. Ich träume immer noch davon. Ich habe die Fische beim Füttern beobachtet, ein Taucher hat das Futter gebracht – und ich habe mich erschrocken, weil plötzlich da dieser Hai auftauchte“, erzählt sie. Wunderbar sei auch dieser Walgesang gewesen. Und diese pinkfarbenen Quallen ...

Ein Stück neue Welt erlebt

Ein großes Dankeschön möchte sie auch dem Ozeaneum in Stralsund sagen, weil die Einrichtung es ermöglicht hatte, dass ihre Zeitreisemobil-Begleiter kostenlosen Eintritt bekamen. „Allen meinen Bekannten habe ich von meiner Fahrt erzählt. Die konnten gar nicht glauben, dass es so was Tolles für kranke Menschen gibt. Mir ist ja viel mehr als nur ein großer Wunsch erfüllt worden. Ich habe ein Stück neue Welt kennengelernt. Das war großartig“, meint die zierliche Frau.

Erika Bruss mit ihren Helfern Steve Henschel und Klaus-Dieter Hoddow beim Besuch des Ozeaneums in Stralsund Quelle: privat

Einzig die Tatsache, dass das Zeitreisemobil von Spenden lebt und sie selbst nichts spenden kann, bedrückt sie. „Ich habe doch nur 600 Euro Rente, bekomme noch Grundsicherung dazu“, meint sie und kämpft mit den Tränen. Freundin Barbara jedoch versichert, dass diesmal die Erika diejenige sein sollte, die etwas geschenkt bekommt: Zeit, eine Fahrt ins Glück und liebe Helfer. „Ich werde ewig von der Reise nach Stralsund zehren“, versichert sie.

Wenn auch Sie einem schwer kranken Menschen mit der Fahrt im Zeitreisemobil einen Wunsch erfüllen wollen, dann melden Sie sich: DRK-Kreisverband Uecker-Randow, Telefon 03973 / 43840.

Von Cornelia Meerkatz