Menü
Ostsee Zeitung | Ihre Zeitung aus Mecklenburg-Vorpommern
Anmelden
Usedom Immer mehr Hotels: Wie viele Betten verträgt Usedom noch?
Vorpommern Usedom Immer mehr Hotels: Wie viele Betten verträgt Usedom noch?
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
16:42 04.09.2019
In Trassenheide entsteht derzeit ein Kinder- und Familienhotel im Waldhof. Quelle: Hannes Ewert
Anzeige
Ahlbeck

„Irgendwann wird Usedom aus allen Nähten platzen. Von Erholung keine Spur und die Einheimischen tun mir unendlich leid. Usedom war mal ein kleines Urlaubsparadies, jetzt verkommt es zu einer reinen Bettenburg. Die Kaiserbäder sind für mich in der Hochsaison nicht mehr zu ertragen“, schreibt OZ-Leserin Nadine Hahn bei Facebook als Reaktion auf dasgeplante Mega-Hotel an der Ahlbecker Promenade. Auf dem Gelände der ehemaligen Kaufmännischen Berufsschule will die Berliner Primus Immobilien AG bis zur Saison 2021 eine rund 80 Millionen Euro teure Hotelanlage (die OZ berichtete) errichten.

Model des neue Suitenhotels an der Ahlbecker Promenade. Quelle: Primus Immobilien AG

Investitions- und Spekulationsobjekte

Wie viele Betten verträgt die Insel Usedom noch? „Wir bewegen uns hier in einem Spannungsfeld. Qualität und Bettenanzahl – wie passt das zusammen?“, fragt Michael Raffelt, Vize-Chef des Tourismusverbandes der Insel Usedom (TVIU). Für den Koserower Hotelier sind neue Hotels auf der Insel nicht das Problem. „Viel mehr stören mich reine Investitions- und Spekulationsobjekte im Bereich von Ferienwohnungen. Ich meine damit nicht die Unterkünfte unserer Gastgeber, die eine Ferienwohnung betreiben. Hotelbetten vom Hotelverband Usedom, das sind 34 Häuser, machen gerade mal zehn Prozent auf Usedom aus. Insgesamt beschäftigen wir 2000 Mitarbeiter“, sagt Raffelt.

Über all diese Fragen wollen Touristiker vom TVIU, Dehoga, Hotelverband und der Usedom Tourismus GmbH (UTG) am 17. September mit Vertretern kommunaler Wirtschafts- und Betriebsausschüsse diskutieren.

Mit dabei sein wird auch UTG-Geschäftsführer Michael Steuer. Zu den Betten auf Usedom hat er eine klare Meinung: „Es gibt genügend Kapazitäten auf der Insel. Unser Hauptaugenmerk muss darauf liegen, bestehende Kapazitäten ganzjährig besser auszulasten. Da haben wir noch Luft nach oben. Wir müssen die Insel als ganzjährigen Wirtschaftsfaktor betrachten. Ich begrüße aber Investitionen in die Qualität. Wir brauchen Produkte, die sich abheben. Ich denke da an Themenhotels, wie das Familienhotel in Trassenheide oder den ,Heimathafen’ in Heringsdorf. Dort wird eine spezielle Zielgruppe angesprochen“, sagt Steuer.

„Wir haben ein temporäres Verkehrsproblem“

„Der Aufschrei ist dem Momentum der Staus auf der B 111 geschuldet. Ja, wir haben auf Usedom ein Verkehrsproblem, allerdings nur ein temporäres. In dieser Zeit ist Usedom an der Belastungsgrenze. Die Insel muss das sechs bis acht Wochen im Sommer und zu Silvester aushalten.“

Zum Neubau an der Ahlbecker Promenade meint Steuer: „Da gibt es sorgfältige Standortanalysen und Wirtschaftlichkeitsberechnungen. Nach wie vor ist es profitabel. Das wird man kaum verhindern können.“

Bemühungen, weitere Ferienwohnanlagen auf Usedom zu verhindern, gibt es bereits. „Die Ostseebäder im Inselnorden haben sich mit Beschlüssen gegen die Ausweisung weiterer Ferienhausgebiete ausgesprochen. Ein Hotel ist aber kein Ferienhausgebiet“, sagt Manuel Schneider, Leiter des Bauamtes im Inselnorden, und bezieht sich auf das geplante Familienhotel in Karlshagen. Knapp 300 Betten sind dort geplant.

So soll das Hotel in Karlshagen einmal aussehen. Quelle: Visualisierung: Axel Höer

„Tourismusunverträgliche Entwicklung“

Im September 2018 hatte Heringsdorfs Kurdirektor Thomas Heilmann in einem Interview mit der OZ bereits einen kompletten Bettenstopp für die Kaiserbäder gefordert. Er sprach von einer immer weiter auseinander gehenden Diskrepanz zwischen Wohnen und Tourismus und von einer „tourismusunverträglichen Entwicklung“. Die Zukunft seien Investitionen in die Infrastruktur, wie beispielsweise der Baumwipfelpfad in Heringsdorf, das Fischereierlebniszentrum in Bansin oder das HdE in Ahlbeck.

Bürgermeisterin fordert Bettenstopp

Für einen Bettenstopp macht sich Heringsdorfs Bürgermeisterin Laura Isabelle Marisken stark. „Der Tourismus ist unbedingt wieder in Einklang mit den Interessen der Menschen, die hier leben, zu bringen. Das muss das Leitziel der touristischen Entwicklung unserer Gemeinde sein! Hier ist jedoch auch der Gesetzgeber gefragt. Es besteht dringender gesetzlicher Novellierungsbedarf! Ich werde die Vorsitzenden der Landtagsfraktionen aus diesem Grund zu einem Gespräch vor Ort einladen, um die Probleme vorzutragen, mit dem Ziel der zügigen Abhilfe durch Gesetzesänderungen. Die Infrastruktur des Ortes, wie etwa die Trinkwasserversorgung und die Verkehrsführung, gibt einen weiteren Zuwachs so nicht her“, sagt die Bürgermeisterin.

Und fügt hinzu: „Die Tourismusakzeptanzstudie über die Insel Usedom als auch die Gespräche mit Einwohnern im Rahmen des Wahlkampfes haben gezeigt, dass die touristische extensive Entwicklung so nicht von den Einheimischen mitgetragen wird.“

Mehr zum Thema:

Prora auf Rügen: Auferstanden aus Ruinen

Urlaubsland MV: Nur immer neue Hotels reichen nicht

Hotel-Boom in MV: Wie viele Urlauber verträgt unser Land?

Von Henrik Nitzsche und Hannes Ewert

Usedom Pudagla will investieren Kita-Anbau und Schloss-Umbau

Die Kita soll erweitert werden, das Erdgeschoss des Schlosses umgebaut. Die Pudaglaer hoffen auf Fördermittel, um die ehrgeizigen Ziele umzusetzen. Geplante Investition: Rund eine Million Euro.

04.09.2019

Die Agentur für Arbeit in Greifswald bekommt einen neuen Chef. Ab dem 16. September kümmert sich Andreas Wegner um die Belange der Jobsuchenden. Sein Vorgänger wechselte in die Landespolitik.

04.09.2019

Für 7,4 Millionen Euro wird in Koserow bis zum Sommer 2020 eine neue Seebrücke gebaut. Im Herbst beginnen die Abrissarbeiten des alten Bauwerkes. Das Amt hofft, dass der Winter mild bleibt und die Arbeiten vorangehen können. Seit August 2013 sind Teile des Bauwerkes für die Öffentlichkeit gesperrt.

04.09.2019