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Usedom Lokführer: Mit dem Panzer zur Arbeit
Vorpommern Usedom Lokführer: Mit dem Panzer zur Arbeit
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16:44 28.12.2018
Im Schneewinter 1978/79 waren die Schienen auf Usedom meterhoch zugeweht. Quelle: Eberhard Dillner
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Mölschow

Mit dem Panzer zur Arbeit: Genau das ist Eberhard Dillner aus Korswandt passiert. Der heute 81-Jährige erinnert sich noch ganz genau an den Schneewinter 1978/79 und damit verbundene Chaos. „Ich war damals Lokführer, gehörte zur Lokbrigade ’7.Oktober’. Anfangs glaubte niemand, dass wir zwischen meterhohen Schneewänden hindurch fahren müssen, aber wir wurden schnell eines besseren belehrt“, erinnert sich der Rentner bei seinem Besuch in der OZ-Redaktion.

Der Schneefall habe kein Ende genommen, die Verwehungen seien wegen des starken Windes immer höher geworden. „Irgendwann hatten sie vier Meter und mehr erreicht, es ging gar nichts mehr. Wir haben normalerweise unseren Schichtwechsel auf den Triebfahrzeugen immer in Mölschow vollzogen. Aber die Lokführer waren ja von der ganzen Insel, manche auch vom Festland. Es war kein Rankommen mehr. Damit wir arbeiten konnten, halfen dann die Nationale Volksarmee und Männer von der IG Wismut“, erinnert sich der Korswandter. Mehrere Tage sei die Schichtablösung mit dem Panzer über den Acker gebracht worden. „Mit dem Panzer, das muss man sich mal vorstellen ... Aber anders war kein Rankommen an die Lok“, so Eberhard Dillner.

Wismut-Schnaps hielt die Männer warm

Damit überhaupt eine Lok samt Waggon von der Lokbrigade „7. Oktober“ auf den Schienen fahren konnte, mussten die Gleise freigeschippt werden. Diese Aufgabe hatte man den Angehörigen der Marine und den Männern von der IG Wismut übertragen. Anfang 1979 sei es dann auch noch bitterkalt geworden. Die Schneeschipper vom Dienst, vor allem die jungen Mollis – so nannte man damals die Marinesoldaten – hätten wie verrückt gefroren, trotz der anstrengenden körperlichen Betätigung. „Aber die Wismutler wussten Abhilfe“, sagt Dillner und muss lachen, als er davon spricht: „Bei der Wismut erhielten die Männer im Uranbergbau Deputat-Schnaps. Der war sehr hochprozentiger reiner Alkohol. Sollte wohl die Lungen reinigen. Jedenfalls ließen sie während des Schneeschippens die Flaschen kreisen, denn trotz Kälte gefror der Schnaps nicht ein. Die jungen Mollis waren so Hochprozentiges nicht gewohnt und im Handumdrehen betrunken. Dann hat man sie erst mal in die warme Unterkunft gebracht, dass sie wieder zu einem klaren Kopf kamen.“ Weil das Schippen über viele Tage ging, waren sie am Ende nach Eberhard Dillners Worten auch ganz gut „trainiert“. „Sie fielen nicht mehr um, sondern leisteten gute Dienste.“

In Mölschow saßen die Lokführer fest. Sie wurden mit dem Panzer bis an die Schienen gebracht. Marinesoldaten und Angehörige der IG Wismut waren zum 24-Stunden-Schneeschippen eingeteilt.

14-Jähriger brachte warme Getränke über den Acker

Eine Geschichte aus diesem langen und eiskalten Winter lässt den früheren Lokführer keine Ruhe: „Ein Schüler aus Bannemin, vielleicht 13 oder 14 Jahre alt, kam fast täglich durch den tiefen Schnee über den Acker gelaufen und brachte uns von zu Hause warmen Tee und Essen, denn wir konnten auch etliche Tage nicht nach Hause. Es war ja gar keine Straße mehr zu erkennen“, erzählt Dillner. Als dann endlich irgendwann im Frühjahr alles wieder normal lief, seien er und seine Lokführer-Kollegen sich einig gewesen, dass solches selbstloses Handeln wie das den Jungen gewürdigt werden muss. er sollte eine kleine Prämie erhalten. „Mensch, als Jugendlicher paar Mark zu kriegen, das wäre doch klasse gewesen“, sagt Eberhard Dillner. Doch aus ihrem Vorhaben wurde nichts. „Die SED-Kreisleitung hat uns damals verboten, in die Schule zu gehen. Der Junge käme aus einem nicht so linientreuen Elternhaus wurde uns mitgeteilt.“

Wer kennt den hilfsbereiten Jungen?

Für Eberhard Dillner ist das immer noch schwer zu begreifen. „Er hat uns Lokführer mit Essen und Getränken versorgt, damit wir das Schneechaos aushalten und unsere Arbeit verrichten können. Wir waren ihm so dankbar und durften es nicht öffentlich vor versammelter Klasse kundtun. Das werde ich nie verstehen“, sagt er beim Blick auf ein Foto mit dem Jungen. Eberhardt Dillner würde gern wissen, was aus dem Jungen geworden ist, ob er heute noch auf der Insel lebt. Wenn Sie, liebe Leser, also wissen, wer der junge Mann ist, dann melden Sie sich bitte in der OZ-Lokalredaktion in Zinnowitz. „Ich würde mich riesig freuen, wenn ich etwas zum Verbleib unseres jungen Helfers erfahren könnte“, bittet Eberhard Dillner.

Die Fotos vom Schneewinter 1978/79 hat er in sein Fotoalbum geklebt und liebevoll beschriftet. So hält er die Erinnerung wach. „Ein solches Schneechaos bleibt jedem, der es erlebt hat, für ewig im Gedächtnis“, ist er sicher. Dass er damals alles dokumentarisch festhalten konnte, ist der Tatsache geschuldet, dass er früher gerne fotografiert hat. „Ich hatte in meiner Lok in meiner Arbeitstasche immer meine Kamera dabei. Heute möchte sagen – zum Glück.“

Die Schneemassen sorgten damals für spektakuläre Motive in ganz MV. Klicken Sie sich hier durch die Bildergalerie:

Cornelia Meerkatz

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