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Usedom „Wir werden gerade abgeschafft“
Vorpommern Usedom „Wir werden gerade abgeschafft“
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00:00 01.08.2017
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Ahlbeck

Blauer Himmel, ein weiter Blick über die Ostsee und immer frischen Wind um die Nase. Auf den Arbeitsplatz von Uwe Krüger sind mit Sicherheit viele Leute neidisch.

Doch dem 58-Jährigen treibt es die Sorgenfalten auf die Stirn, wenn er an seine berufliche Zukunft denkt. Er und sein Schwiegersohn sind die beiden letzten Küstenfischer im Seebad Ahlbeck. Vor rund 100 Jahren gingen noch 200 Fischer ihrem Beruf in dem Ort nach.

Die Lage ist also ernst. „Derzeit darf ich nur sechs Tonnen Hering pro Jahr fangen. Das ist verhältnismäßig wenig. In ein bis zwei Jahren könnte die Quote auf nur noch zwei Tonnen fallen“, so Krüger.

Der Ahlbecker ist auch ein umtriebiger Gastronom mit 30 Angestellten, die auch ihre Familien ernähren müssen. Er denkt, dass er in den kommenden Jahren Personal entlassen muss, wenn es so weiter geht. „Ich bin vor 42 Jahren Fischer geworden, um draußen auf der Ostsee zu fischen und nicht, um nur irgendwo Fisch aufzukaufen, um ihn dann hier zu verkaufen“, erklärt er sein Credo. An Berufsnachwuchs in der Fischerei sei kaum zu denken: „Die Rahmenbedingungen werden immer komplizierter. Der Beruf ist nicht mehr attraktiv – wir sind gerade dabei, uns selbst abzuschaffen.“

Für die Touristen seien die hölzernen Fischerboote am Strand ein begehrtes Fotomotiv. „Wie lange die Fischerboote dort noch liegen, kann aber niemand sagen“, gesteht Michael Schütt, Vorsitzender der Fischereigenossenschaft „Peenemündung“ in Freest. Die Zukunft der Branche sieht seiner Meinung nach nicht allzu rosig aus. „Die Quoten wechseln jährlich. Es gibt keine Garantie mehr, dass es im nächsten Jahr immer noch so ist wie in diesem“, sagt er. „Als junger Fischer müsste man sich ein Boot zulegen oder im günstigsten Fall eines mit einer zugewiesenen Quote übernehmen. Und wer bei der Bank in unsicheren Zeiten nach einem Kredit fragt, hat in der Regel schlechte Karten.“

Schütt weiß auch, dass 95 Prozent des hier gefangenen Fischés die Region verlässt. „Wir haben hier nur wenige Produktionsstätten, in denen wir den Fisch schnell weiterverarbeiten können“, sagt er.

Der Fisch lande zum Beispiel in Polen, Dänemark oder den Niederlanden, um veredelt zu werden. Von dort werde er wieder aufgekauft, um ihn zurückzubringen und unter anderem an Imbiss-Ständen auf Usedom zu verkaufen. „Man sagt, dass man Fische eigentlich nur in Monaten mit ,R’ im Namen fangen sollte. Im Sommer ist es hier zu warm. Wenn der Fisch nach ein paar Stunden schon unappetitliche Stellen bekommt, ist dieser nur schwer zu verkaufen“, betont Schütt.

Aber zurück zu Uwe Krüger: Seit sechs Generationen, etwa seit 1830, ist die Familie in der Branche tätig. „Mein Traum ist es, dass ich mit 88 Jahren noch auf das Meer fahren kann, um Fische zu fangen. Am liebsten mit meinem Urenkel – so wie es mein Urgroßvater mit mir getan hat. Als fünfjähriger Junge war ich oft dabei“, schildert er.

Vor kurzem besuchten Südamtsvorsteher Karl-Heinz Schröder und Werner Kuhn (beide CDU) aus dem Europaparlament den Küstenfischer. Uwe Krüger erklärte den Christdemokraten seine Situation. Er könne die Quotenregelung nicht nachvollziehen. „Man sagt uns, dass durch die Klimaerwärmung und der damit einhergehenden Erhöhung der Wassertemperatur die Quote gesenkt werden muss, um die Fischbestände zu schonen. Aber: Es gibt in einem Jahr mehr Dorsch, im anderen Jahr weniger. Das ist halt die Natur“, meint Krüger.

Den Fischern machten die ständigen Veränderungen in der Branche zu schaffen. Jeder Frosch wird laut Krügers Meinung inzwischen besser geschützt als die Küstenbewohner allgemein.

Krüger verweist auf die in Folge der Wiedervernässung früherer Polder entstandene prekäre Verkehrssituation an der Zecheriner Brücke: „Bald gibt es dort vielleicht keine befahrbare Straßenanbindung mehr, aber der Frosch darf weiterleben.“

Nun hofft der Küstenfischer auf Hilfe von den Politikern. Schröder und Kuhn hörten sich seine Probleme an und wollen diese in die entsprechenden Gremien tragen. „Wir hoffen, dass wir einen gemeinsamen Termin mit Vertretern des Landes und der Fischereiämter bekommen. Wir müssen an einem Strang ziehen“, meint Schröder. Um das Fischereihandwerk zu erhalten, brauche der Berufsnachwuchs eine solide Grundlage.

Hannes Ewert

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