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Usedom Wolgast: Autohändler wartet bis zu einem Jahr auf Neuwagen – das ist der Grund
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Wolgast: Autohändler wartet wegen Halbleitermangel auf Neuwagen

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19:06 19.10.2021
Da sind die Ersatzteile rechtzeitig gekommen: Toni Schmidt vom Autohaus Kruse baut an einem Fahrzeug einen LED-Scheinwerfer aus.
Da sind die Ersatzteile rechtzeitig gekommen: Toni Schmidt vom Autohaus Kruse baut an einem Fahrzeug einen LED-Scheinwerfer aus. Quelle: Henrik Nitzsche
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Ahlbeck

Kai Kruse legt den Hörer auf. Er musste gerade wieder einen Kunden vertrösten und um Geduld bitten. Verschobene Liefertermine für Neuwagen und ausgefallene Lieferungen von Ersatzteilen – der Ahlbecker spürt täglich die aktuelle Krise im Autohandel. Schuld ist der Lieferengpass bei Halbleitern aus Asien. Ohne Halbleiter, das heißt ohne Computerchips, bewegt sich heute kein Auto mehr. Sie lösen die Airbags aus, regeln Fahrverhalten und Antrieb und sind für alle wichtigen Steuerungsfunktionen verantwortlich.

„Der Autohandel steht mit dem Rücken zur Wand“, sagt der Präsident des Zentralverbandes Deutsches Kraftfahrzeuggewerbe (ZDK), Jürgen Karpinski. Er geht davon aus, dass sich durch die Situation in den nächsten Wochen und Monaten weitere Beeinträchtigungen ergeben und die aktuell große Nachfrage nach Neufahrzeugen nicht annähernd bedient werden kann.

Keine Chips für Rückfahrkamera und Navi

Ist das vor Ort auch so? Wir haben in Autohäusern der Region mal nachgefragt. „Das sorgt für Unverständnis bei den Kunden und unseren Mitarbeitern. Was von einem Tag auf den anderen ging, braucht jetzt Wochen, sogar Monate. Das geht mittlerweile so weit, dass die Hersteller diverse Ausstattungen bei Neuwagen nicht mehr gewährleisten können. Das reicht von der Rückfahrkamera bis zu Navigationsgeräten. So kommt es zu massiven Wartezeiten. Europa hat es verschlafen, ein Halbleiterwerk am Laufen zu halten“, sagt Kruse, Inhaber des Mercedes-Autohauses in Ahlbeck.

Von Wartezeiten bei Neuwagen bis zu einem Jahr berichtet Michael Esser, Geschäftsführer des gleichnamigen Autohauses in Wolgast. „Die Probleme sind massiv. Die Lieferzeiten sind aber von Modell zu Modell unterschiedlich. Das ist markenübergreifend. Im Durchschnitt sind es sechs bis neun Monate. Die Krise schlägt sich ja nicht nur auf den Verkauf nieder. Leasingverträge laufen aus und müssen dann verlängert werden, bis das neue Fahrzeug vor Ort ist“, sagt Esser.

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Auch der Ford-Händler beklagt Schwierigkeiten bei Ersatzteilen. „Teile, die vom asiatischen Markt kommen, sind besonders schwer zu bekommen. Bei Verschleißteilen, wie Bremsen und Reifen, geht es aber.“

Kunde braucht Dauerleihwagen

In Hohendorf stehen auf dem Gelände von Gunnar Burmeister kaum Neuwagen. „Ich hoffe, dass wir bis Jahresende noch einige bekommen. Die Situation ist schwierig. Zwei bis drei Monate müssen wir auf ein neues Fahrzeug warten“, sagt der Renault-Händler. Welche Auswirkungen ein abgelaufener Liefertermin haben kann, hat Burmeister gerade erlebt. „Die Lieferfrist für ein Neufahrzeug war schon abgelaufen. Weil der Kunde seinen gebrauchten Pkw schon verkauft hatte, habe ich ihm einen Dauerleihwagen zur Verfügung gestellt.“

Und Ersatzteile? „Da ist es besonders bei elektronischen Teilen schwierig. Schließsysteme für Fahrzeugtüren, auf die wir in der Regel eine Woche gewartet haben, sind nun acht Wochen unterwegs“, sagt Burmeister.

Von Problemen berichtet auch Roland Gnisch vom gleichnamigen Skoda-Autohaus in Wolgast. „Wir haben Verzögerungen bei der Auslieferung von Neuwagen. Allerdings ist das von Modell zu Modell unterschiedlich. Die Spanne reicht von keiner Verzögerung und zwei bis drei Monaten Wartezeit. Der Halbleitermangel macht sich bei uns vor allem bei Navigationsgeräten bemerkbar“, so Gnisch. Ersatzteile seien hingegen gut lieferbar.

Das bestätigt auch Marco Bergmann von der Kfz-Werkstatt in Pudagla. „Die meisten unserer Ersatzteile bekomme ich zeitnah. Die Halbleiterproblematik ist bei uns kein Thema.“

Anfänge davon spürt René Kruck, Werkstattleiter im Kölpinseer Autohaus Peene GmbH. „Neuwagen, die wir bestellt haben, sind bislang einigermaßen pünktlich gekommen. Nun haben wir mit ersten Wartezeiten bei Ersatzteilen zu tun. Das gilt beispielsweise bei Einbausätzen für Anhängerkupplungen. Da dauert die Lieferung drei bis vier Wochen. Toyota nutzt andere Vertriebswege als andere Hersteller, so dass wir bislang ganz gut durchgekommen sind.“

Von Henrik Nitzsche