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Usedom Pflege- und Wohnheim in Wolgast abgelehnt
Vorpommern Usedom Pflege- und Wohnheim in Wolgast abgelehnt
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14:03 29.10.2019
So sollte das für den Wolgaster Fischmarkt geplante Pflege- und Wohnheim aussehen. Quelle: MPP Meding Plan + Projekt GmbH
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Wolgast

Herber Rückschlag für die LGE Mecklenburg-Vorpommern GmbH: Die Wolgaster Stadtvertretung hat am Montag die vorgelegten Pläne für den Bau eines Pflege- und Wohnheims für Senioren sowie eine Anlage für betreutes Wohnen am Fischmarkt mehrheitlich abgelehnt. 18 Abgeordnete sprachen sich gegen das Projekt aus, lediglich sechs waren dafür.

Bekanntlich versucht die LGE als Eigentümerin des neben der ASB-Kita „Brummkreisel“ gelegenen Areals seit 2005, das Gelände zu bebauen. Nachdem im Boden schlummernde Altlasten die Pläne zur Entwicklung eines kleinen Wohngebiets vereitelten, holte der zuständige LGE-Mitarbeiter Georg Lembcke den Hamburger Immobilienmakler John Klüver ins Boot. Dieser konzipierte zusammen mit Liam Earley von der MPP Meding Plan + Projekt GmbH ein Pflege- und Wohnheim mit 120 Zimmern und ein benachbartes betreutes Wohnen mit 52 Wohnungen. Zuvor soll das Areal gegen die Bodenkontaminationen versiegelt werden.

Immobilienmakler John Klüver, Planer Liam Earley und Georg Lembcke von der LGE MV (stehend, von links) stellten den Abgeordneten ihr Projekt für den Wolgaster Fischmarkt vor. Quelle: Tom Schröter

Zweifel an der Seriosität des Trägers

Das laut Klüver insgesamt 20 bis 25 Millionen Euro teure Vorhaben stieß von Anfang an bei vielen Abgeordneten auf Skepsis. Zunächst war es die Massivität der sechs paarweise angeordneten, dreigeschossigen Langhäuser, welche die Kritiker abschreckte. Während der Diskussion am Montag standen jedoch Zweifel an der Seriosität des künftigen Trägers der Gesamtanlage, der Alloheim-Gruppe, im Mittelpunkt.

„So viel Negatives habe ich über keinen anderen Betreiber im Internet gefunden“, erklärte Sebastian Gabriel (CDU). Christoph Eigbrecht (BfW) verwies auf Berichte in den Stuttgarter Nachrichten über unhaltbare Zustände in von Alloheim geführten Einrichtungen und gab zu bedenken: „Es handelt sich um ein äußerst renditeorientiertes Unternehmen.“

Martin Schröter (KfW) störte die Kompromisslosigkeit des Investors: „Ich wünsche mir einen behutsamen Umgang mit dem letzten Stück Bauland, das wir am Wasser haben. Das vorliegende Konzept erinnert mich an Prora.“

„Schon jetzt großer Fachkräftemangel

Marko Friszewski (AfD) argwöhnte seinerseits, ob es dem Träger überhaupt gelingen könnte, die benötigte Anzahl von bis zu 80 Fachkräften in der hiesigen Region zu rekrutieren. „Schon jetzt“, so mahnte er, „gibt es ein hohes Defizit an Fachpersonal in der Pflege.“

Christoph Wendlandt (SPD/Grüne/Einzelbewerber) warf ein, dass Fachkräftemangel nahezu jede Branche betreffe, was Bürgermeister Stefan Weigler (parteilos) bekräftigte: „Wir schließen auch keine Schulen oder Kitas, bloß weil wir kein Personal dafür haben.“

Der Bürgermeister unterstützte das Vorhaben – nicht zuletzt angesichts der Tatsache, dass laut einer Prognose im Jahr 2030 knapp ein Drittel aller Wolgaster im Rentenalter sei und bereits aktuell innerhalb des Amtes Am Peenestrom 135 Pflegeplätze fehlten. „Wir haben massive Probleme auf dem Grundstück und brauchen eine vernünftige wirtschaftliche Lösung“, so Weigler.

„Überall ruht still der See“

Jörg Köppen (Die Linke) mahnte generell Investitionstätigkeit für Wolgast an. „Wir sollten endlich damit beginnen, etwas zu tun“, sagte er. Es wäre ein großer Fehler, sich Neuem zu verschließen. Hans-Werner Lotz (SPD/Grüne/Einzelbewerber) argumentierte ähnlich: „Im Stadthafen, auf der Schlossinsel, am neuen Rathaus – überall ruht still der See. Wenn das Gleiche jetzt auch am Fischmarkt passiert, kann ich das dem Bürger nicht mehr erklären.“

Am Ende behielten die Skeptiker aber die Oberhand. Daran konnte auch nichts mehr ändern, dass Klüver vorschlug, das Pflege- und Wohnobjekt auf zwei Langhauspaare zu reduzieren und die übrigen zwei um eine Etage aufzustocken, um breitete Sichtachsen vom Fischmarkt auf die Spitzenhörnbucht zu erhalten.

„Ich bin fix und fertig“, bekannte am Dienstagvormittag LEG-Mitarbeiter Lembcke. „Wenn man bedenkt, wie viel Arbeit und Hoffnung wir in das Projekt gesteckt haben…“ Die Suche nach einem Verwendungszweck für den wassernahen Landstreifen gehe nun weiter. Möglicherweise könne ein alternativer Träger gefunden und so am Heimprojekt festgehalten werden. Lembcke: „Wir müssen in Ruhe genau überlegen, was wir weiter machen.“

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