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Usedom Wird Wolgast bald Erholungsort?
Vorpommern Usedom Wird Wolgast bald Erholungsort?
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21:14 10.04.2019
Mitglieder des Beirats für Kur- und Erholungsorte MV prüften in Wolgast, ob die Kriterien zur Anerkennung als Erholungsort erfüllt sind. Quelle: Tilo Wallrodt
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Wolgast

Die alte Herzogstadt hat sich am Mittwoch den Mitgliedern des Beirats für Kur- und Erholungsorte MV von ihrer besten Seite gezeigt. Fünf Vertreter, allen voran der für Tourismus zuständige Referatsleiter im Schweriner Wirtschaftsministerium, Gerd Lange, besichtigten bei strahlend blauem Himmel die historische Altstadt mit Runge-Haus, Schlossinsel, Fischmarkt, Lustwall, Postel und Hundert-Haus, Petrikirche und historischem Rathaus. Sie hörten von der Gustav-Adolf-Schlucht, der Badestelle, Bootsverleihen, den Werften. In einer Präsentation im Rathaus erfahren sie noch Wissenswertes zum Tierpark, zur Bibliothek mit Lesesaal, zum Stadthafen und zum Wald der Sinne in Buddenhagen, aber auch zu den gewachsenen Bettenkapazitäten, zu Lärm und Verkehr sowie zum Bau der Ortsumgehung.

Hintergrund des Besuches ist das Vorhaben, für die Stadt Wolgast die staatliche Anerkennung als „Erholungsort“ zu bekommen. Den Titel zu erhalten, ist kein einfaches Unterfangen, weiß Wolgasts Bürgermeister Stefan Weigler (parteilos). 2008 wurde bereits ein vergeblicher Versuch unternommen – die Kommission lehnte die Anerkennung mit Verweis auf zu geringe Urlauber-Übernachtungszahlen ab.

Ein Ziel: Weiter von Bäderregelung profitieren

Doch die Stadt gibt nicht auf. Drei Jahre ist es her, dass Wolgast beim Schweriner Wirtschaftsministerium erneut den Antrag stellte, den Status „Erholungsort“ zugesprochen zu bekommen. Nun wird erneut geschaut und Weigler hofft, dass es diesmal klappt. Vor allem die scheidende Museumschefin Bärbel Roggow und ihr Nachfolger Stefan Rahde beeindruckten die Beiratsmitglieder mit ihrer lebendigen Darstellung der Geschichte und jüngsten Entwicklung Wolgasts. Die Mühe und große Sorgfalt, mit der alle Beteiligten die Herzogstadt präsentierten, kommt nicht von ungefähr: Laut Aussage des Bürgermeisters könnten Wolgast aus dem avisierten offiziellen Status Vorteile erwachsen. „Wir würden als ,Erholungsort’ wieder von der Bäderregelung profitieren, Märkte dürften am Sonntag öffnen“, erklärt er.

Nach dem aktuellen Gesetz gehört Wolgast nicht mehr zu jenen Orten, für die die Bäderregelung gilt. Für die Stadt am Peenestrom, so argumentiert das Stadtoberhaupt, bedeute dies einen Attraktivitätsverlust gegenüber den benachbarten Seebädern, geringere Gewerbesteuereinnahmen und den Verlust von Arbeitszeiten. Denn nicht wenige Ausflügler und Urlauber, die die Stadt am Sonntag auf der B 111 von und zur Insel Usedom passieren, versorgten sich in den geöffneten Märkten mit Lebensmitteln. Und etliche verbanden mit dem Einkauf auch einen kurzen Abstecher auf den historischen Marktplatz oder in die Petrikirche. Ohne offiziellen Titel als „Erholungsort“ sei das nicht möglich.

Die Usedomer Bäderbahn fährt durch die Stadt Wolgast. Quelle: Tilo Wallrodt

Schöne Stadt, aber viel Verkehrslärm

Für die Auszeichnung als „Erholungsort“ sind mehrere Bedingungen zu erfüllen. „Mit unseren 35 000 Urlauber-Übernachtungen pro Jahr liegen wir weit unterhalb der Vorgabe von mehr als 100 ­000 Übernachtungen. Alle anderen Kriterien für die Anerkennung erfüllen wir jedoch“, sagt Weigler. Die Stadt habe Gutachten für Lärm- und Gewässerschutz und zur Luftqualität anfertigen lassen und könne eben mit vielen touristischen Angeboten aufwarten. Auch die Bahnstrecke direkt in der Stadt gebe Pluspunkte.

Gerd Lange lobte die Entwicklung von Wolgast sehr. „Es ist augenscheinlich, wie sich die Stadt verschönert hat. Wahrscheinlich wissen die Bürger gar nicht, welch schöne Ecken es hier gibt“, betonte er. Andererseits aber mache ihm der durch die B 111 verursachte große Verkehrslärm Sorge, wenn es um die Titel-Anerkennung gehe, sagt er. Denn durchschnittlich 13000 Fahrzeuge durchfahren innerhalb von 24 Stunden die Stadt, was bedeute, dass es im Sommer sehr viel mehr und im Winter sehr viel weniger sind. „Es wäre ein Segen, wenn die Ortsumgehung gebaut würde“, so Lange.

Luftaufnahme von Wolgast. Quelle: Tilo Wallrodt

Nadine Riethdorf, Vorsitzende des Tourismusverbandes Insel Usedom, nahm als Gast am Rundgang bei. Sie sprach rundherum aus, was neben Weigler auch die anderen Vertreter der Stadt hoffen: „Wolgast ist wirklich schön geworden. Ich finde, die Stadt hat die Anerkennung als Erholungsort verdient.“

Am 15. Mai will der Beirat bekannt geben, ob Wolgast den Titel „Erholungsort“ verdient hat. So lange heißt es: Warten und Daumen drücken!

Cornelia Meerkatz