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Usedom Bald läuft der Zapfhahn im Wolgaster Rathauskeller
Vorpommern Usedom

Wolgaster Rathauskeller: Bald läuft wieder das Bier

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10:03 26.12.2021
Eduard Eisner vom Verein Wolgaster Braukultur befreit die insgesamt fünf jeweils 800 Liter fassenden Gär- und Lagertanks von der Verpackungsfolie.
Eduard Eisner vom Verein Wolgaster Braukultur befreit die insgesamt fünf jeweils 800 Liter fassenden Gär- und Lagertanks von der Verpackungsfolie. Quelle: Tom Schröter
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Wolgast

Im Keller des historischen Wolgaster Rathauses zieht wieder neues Leben ein. Wie angekündigt, wurde in dieser Woche diverse Technik angeliefert, um in den beeindruckenden Gewölben künftig Wolgaster Bier brauen zu können.

Das hiesige Transportunternehmen Lossau brachte die Komponenten vom tiefen Bayern bis ins nördliche Vorpommern. Gefertigt wurden die aus Edelstahl bestehenden Module von der in Grünkraut/Gullen am Bodensee ansässigen Firma Wengert.

Raupenfahrzeug als wendiges Hilfsmittel

Mit Spezialtechnik und Muskelkraft wurde auch der Sud- und Läuterbottich in den Gewölben des alten Rathauskellers in die gewünschte Position gebracht. Quelle: Tom Schröter

Mitglieder des jungen Vereins Wolgaster Braukultur erwarteten die Fracht schon mit sichtlicher Vorfreude. Teil für Teil wurden die fünf Gär- und Lagertanks, die jeweils 800 Liter fassen, das Kühlaggregat, eine Flaschenreinigungs- und eine Befüllungsanlage, allerlei Zubehör und schließlich der Sud- und Läuterbottich durch die alte Rathaustür zunächst in den Flur und von hier aus die steile Treppe hinunter in den Keller bugsiert.

Hierbei brachten die erfahrenen Lossau-Mitarbeiter ein ebenso leistungsfähiges wie wendiges Raupenfahrzeug zum Einsatz. Mit dem Spezialvehikel war auch die Treppenpassage im Handumdrehen bewältigt, sodass die Einzelteile schließlich mit vereinter Muskelkraft im Keller in ihre endgültige Position gebracht werden konnten.

„Der Sud- und Läuterbottich ist das Herzstück der Anlage und hat bei der Herstellerfirma im Beisein mehrerer Vereinsmitglieder bei der Abnahme seinen Probelauf bestanden“, berichtete Vereinsmitglied Martin Schröter.

„Voraussichtlich in der zweiten Januarwoche wird Firmenchef Wengert persönlich die Anlage in Wolgast installieren und in Betrieb setzen.“ Also müssen bis dahin auch die nötigen Grundstoffe wie Braugerste und Hopfen an Ort und Stelle sein. „Am 26. Januar, so ist der Plan, wird der erste Probesud gemacht und im März soll es dann das erste Bier geben.“

Prüft, ob die Technik den Transport schadlos überstanden hat: Sven Pietrucha vom Verein Wolgaster Braukunst. Quelle: Tom Schröter

Ein erstes kühles Blondes zur Stärkung

Die hohen Lagertanks machen in den uralten Kellergewölben eine gute Figur. Etwa zehn Vereinsmitglieder packten am Anlieferungstag fleißig mit an, unter ihnen auch Eduard Eisner und Sven Pietrucha, der abschließend prüfte, ob alle Bauteile den langen Transport auch schadlos überstanden hatten. Tom Lada, Arne Koplin und viele andere Mitstreiter schwitzten und prusteten, als sie den Läuterbottich auf das vorgesehene Untergestell hievten.

Nach getaner Arbeit gab es für alle Helfer ein frisch Gezapftes – diesmal noch von der Handwerksbrauerei Hennings aus Leezen. Quelle: Tom Schröter

Währenddessen ließ Thomas Krüger per Zapfhahn schon mal kühles Bier in Gläser ein. Schließlich sollte auf die Ankunft der Brautechnik – eine Mikrobrauerei in Form einer Drei-Hektoliter-Anlage – angestoßen werden – wenn auch dieses Mal noch mit Gerstensaft aus der Handwerksbrauerei Hennings aus Leezen.

Wolgaster Bier als starke regionale Marke

Die Räume, in denen sich früher der Ratskeller befand, waren zuvor mit großem Aufwand renoviert und für ihren neuen Verwendungszweck hergerichtet worden. Ziel, der vor knapp drei Jahren geborenen Idee, in Wolgast wieder eine Brauerei zu etablieren, ist es, einen Beitrag zur Belebung der Innenstadt zu leisten.

„Außerdem soll das Bier eine regionale Marke sein, auf die die Wolgaster stolz sind“, erklärte Arne Koplin. Schon stellte man sich lebhaft vor, dass am 1. Mai an langen, diagonal auf dem Rathausplatz aufgestellten Tischen gemeinsam mit Wolgaster Standardbier angestoßen wird.

Finanziell unterstützt wird die Brauerei-Investition mit einem fünfstelligen Euro-Betrag aus dem Förderprogramm Leader der Europäischen Union. Für die Sanierung der Bausubstanz stellte die Stadt die notwendigen Mittel bereit. Zudem trugen der Handels- und Gewerbeverein sowie der Verein Wolgaster Braukultur selbst einen Teil der Kosten.

Von Tom Schröter