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Usedom Zimmerfrauen beklagen: Deutsches Personal ist rar
Vorpommern Usedom Zimmerfrauen beklagen: Deutsches Personal ist rar
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00:00 08.04.2017
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Heringsdorf

Kaffeeklatsch der Hausdamen? Die Einladung klingt einfach klischeebehaftet wie ..., na, denken Sie sich selbst einen Vergleich aus! Sie werden in jedem Fall falsch liegen! Ulrike Köster, die 1. Hausdame im „Kaiser Spa Hotel Zur Post“, ist staatlich anerkannte Hauswirtschaftsleiterin. Sie war es, die die Einladung an ihre Berufskolleginnen ausgesprochen hat. Übrigens tat sie dies schon zum zehnten Mal.

35 Hausdamen (zwei sogar von der Insel Rügen) waren ihrer Einladung ins Steigenberger Grandhotel zum Erfahrungsaustausch, zur kostenlosen Weiterbildung und, ja, auch zum zwanglosen Plaudern gefolgt.

„Unsere Arbeit geht in der öffentlichen Wahrnehmung oft unter“, beklagt Ulrike Köster. „Und das, obwohl wir einen so wichtigen Job im Gastgewerbe machen. Ich könnte bestimmt zehn Berufsfelder aufzählen, die wir in unserer Arbeit zu berücksichtigen haben. Manche meinen abfällig, dass wir einfach nur die Chefs der ,Putzen' sind, die gerade so ihren Schulabschluss geschafft haben.“

Sie seien Abteilungsleiterinnen, die die Zimmerfrauen anleiten und schulen. Die Dienst- und Urlaubspläne erstellen und deren Verantwortung vom Einkauf der Reinigungsmittel bis zur Inaugenscheinnahme jedes Zimmers reicht. Jeder Personalausfall, aus welchen Gründen auch immer, müsse schnell ausgeglichen werden. Der Gast erwarte Höchstleistungen und das möglichst unauffällig.

„Unser größtes Problem ist der ständige Zeitdruck“, ergänzt Daniela Freude, Hausdame im Bansiner Hotel „Villen im Park“. „Bis um 11 Uhr haben die Gäste Zeit mit der Abreise, um 15 Uhr muss alles wieder hundertprozentig stimmen.“

Mehr Personal aus Polen

Dann sprechen die Frauen eine weitere Tendenz an: Es sei fast unmöglich, deutsche Mitarbeiterinnen für die Arbeit als Zimmerfrau zu bekommen. Deshalb sind im Hotel „Zur Post“ von 23 Mitarbeiterinnen 20 polnischer Herkunft, in den „Villen im Park“ ist das Verhältnis mit 20:5 ähnlich. In beiden Häusern werden Leistungsprämien, Urlaubs- und Weihnachtsgeld gezahlt, um die Leute zu binden. Das ist jedoch nicht gang und gäbe.

„Die Zimmerfrauen bekommen Mindestlohn, was für polnische Lebensumstände durchaus attraktiv sein kann, für deutsche Verhältnisse jedoch kaum ausreicht, um angemessen zum Familienunterhalt beitragen zu können. Alleinstehende Frauen müssten zusätzlich staatliche Hilfe in Anspruch nehmen, obwohl sie bei uns schwer arbeiten“, versucht eine weitere Gesprächspartnerin, die ihren Namen nicht nennen möchte, eine Erklärung. Diese Tendenz sei im gesamten Gastgewerbe zu beobachten. Auf Stellengesuche würden sich kaum noch Bewerber aus der Region finden. Das werde dazu führen, dass kleine Restaurants auch im Sommer Ruhetage einführen müssen, befürchten die Frauen.

Diesmal hatte Ulrike Köster noch fünf Firmen mit ins Boot geholt, die interessante Angebote unterbreiteten, „wie wir unsere Arbeit im Housekeeping effizienter organisieren können.“ Da wurde von der Firma Numatic beispielsweise eine neuartige Walzenmaschine zur Tiefenreinigung von Teppichböden vorgestellt, die Firma Tana zeigte neue Produkte zur sicheren und zeitsparenden Reinigung, Kahla präsentierte kratz- und rutschfestes Geschirr, das die Möbel schont, und mit den Firmen Lloyd und H & H empfahlen sich gestandene Unternehmen im Bereich Großverbraucherservice und Hoteldienstleister.

Ingrid Nadler

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