Spektakel am Nachthimmel

Perseiden: Tipps und Tricks für das perfekte Sternschnuppenfoto

Um aus einem technisch guten ein besonderes Foto zu machen, kommt die Bildgestaltung ins Spiel: Es braucht einen interessanten Vordergrund.

Um aus einem technisch guten ein besonderes Foto zu machen, kommt die Bildgestaltung ins Spiel: Es braucht einen interessanten Vordergrund.

Wer die Perseiden fotografieren will, muss sich zunächst eine Frage beantworten: Geht es darum, nur irgendwie eine Schnuppe aufs Bild zu bekommen – oder soll es ein Foto werden, das technisch gut und zudem ansprechend gestaltet ist? Was geht, hängt natürlich auch von der Ausrüstung ab, aber selbst mit Smartphones kann man mit etwas Glück die blitzschnellen Leuchtspuren am Himmel erwischen.

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Perseiden fotografieren: Wann ist der beste Zeitpunkt?

Die meisten Perseiden sind in der Nacht vom 12. auf den 13. August zu erwarten, vor allem nach Mitternacht steigen die Chancen, relativ viele zu sehen: Es können im Idealfall bis zu 100 pro Stunde sein, realistischer sind 30 bis 40 – natürlich nur, wenn es einen möglichst wolkenfreien Himmel gibt. Um den Schwarm der Perseiden zu sehen, sollten Schaulustige nach Angaben der Vereinigung der Sternfreunde in Deutschland nach Osten schauen. Sternengucker könnten normalerweise etwa 30 bis 50 Meteore pro Stunde wahrnehmen. Durch den vom Mond aufgehellten Himmel werde man dieses Jahr aber nur einen Blick auf die hellsten Exemplare erhaschen können.

Sehr hilfreich ist auch ein dunkler Himmel fern von künstlichen Lichtquellen, da sonst viele schwächere Sternschnuppen im Lichtdunst untergehen. Es lohnt sich, in der Sternschnuppennacht einmal die helle Stadt zu verlassen und einige Kilometer aufs Land rauszufahren – wohnt man in einer Großstadt, dürfen es ruhig 30 oder mehr Kilometer sein. Die Perseiden kommen scheinbar aus dem Sternbild Perseus, der zurzeit um Mitternacht im Nordosten am Himmel zu sehen ist. In diese Richtung also sollte man seine Kamera halten. Unbedingt notwendig ist ein Stativ, auch wenn man es mit seinem Smartphone versucht. Es reicht allerdings ein kleines und günstiges Tischstativ – sofern man es so aufstellen kann, dass man freie Sicht auf den nordöstlichen Himmel hat.

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Perseiden mit dem Smartphone fotografieren?

Beim Fotografieren mit dem Smartphone ist entscheidend, ob es eine Option für das manuelle Einstellen längerer Belichtungszeiten hat. Zwar können viele Sternschnuppen so hell sein, dass der Sensor des Smartphones sie aufnehmen kann. Das Problem ist jedoch, dass die Schnuppen sehr schnell sind: Beim Aufleuchten sind sie mit bis zu 250.000 Stundenkilometer unterwegs, nach weniger als einer Sekunde sind sie verschwunden.

Man steigert seine Chancen also gewaltig, wenn man die Kamera zum Beispiel 10, 20 oder 30 Sekunden lang aufnehmen lässt. Manche Smartphones haben dafür einen besonderen Nachtmodus. Dann macht man so lange Langzeitaufnahmen, bis man eine oder mehrere Schnuppen erwischt hat. Um Verwacklungen zu vermeiden, kann man den Selbstauslöser (Timer) des Smartphones nutzen und einige Sekunden Verzögerung einstellen. Noch besser: Bei manchen Smartphones lässt sich die Kamera über die Kopfhörer oder eine Watch berührungsfrei auslösen. Übrigens: Das Blitzlicht sollte man unbedingt ausschalten, es sorgt in diesem Fall nur für Lichtverschmutzung.

Je kürzer die Belichtungszeit, je mehr wird der Versuch zur Glückssache. Bei längeren Belichtungszeiten und vielen Aufnahmen steigt auch die Chance, mal mehr als eine Leuchtspur auf einmal zu fotografieren. Und falls keine Schnuppe zu sehen ist, gibt es auf jeden Fall einen anderen Beifang: Je nach Qualität des Smartphones wird man viele Sterne sehen können. Aber man sollte sich keine Illusionen machen: Das fertige Foto wird nicht schön sein. Wahrscheinlich ist nur ein heller Strich zwischen Punkten am sehr dunklen Himmel zu sehen – aber man hat eine Sternschnuppe fotografiert! Wem das genügt, der kann es ruhig mal versuchen mit dem Smartphone.

Perseiden 2022: Faustformel fürs Fotografieren von Sternschnuppen

Kameras mit Wechselobjektiven bieten mehr Einstellmöglichkeiten als Smartphones. Kombinieren sollte man sie mit einem möglichst weitwinkligen Objektiv: Weniger als 30 Millimeter sind gut, um einen großen Bereich des Himmels zu erfassen. Die Blende sollte so weit wie möglich geöffnet sein, sehr gut ist Blende 2,8 oder sogar noch weniger.

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Bei der Wahl der Belichtungszeit muss man bei Kameras mit Objektiven die Erdrotation bedenken: Sie führt dazu, dass die Sterne bei langen Belichtungszeiten zu kleinen Strichen werden – es entsteht Bewegungsunschärfe. Die maximal mögliche Belichtungszeit, bei der die Sterne noch Punkte bleiben, lässt sich für jede Brennweite genau berechnen. Beim Fotografieren von Sternschnuppen kommt es aber nicht so genau darauf an, es reicht eine Faustformel: Bei einer Vollformatkamera dividiert man 300 durch die Brennweite, bei einer sogenannten Cropkamera (oder Aps-c-Kamera) teilt man 200 durch die Brennweite. Bei einem 20-mm-Objektiv wäre die maximale Belichtungszeit also 15 beziehungsweise 10 Sekunden.

Sternschnuppen fotografieren: ISO-Zahl, Fokussierung, Auslöser

Die ISO-Zahl darf ruhig hoch sein, bei einem sehr dunklen Himmel zum Beispiel 3200. Ist es in der Nähe einer Stadt heller, empfiehlt sich Iso 1600 oder Iso 800. Das Bild rauscht bei hohen ISO-Zahlen mehr, aber das ist kaum entscheidend, wenn dafür eine schöne Sternschnuppe zu sehen ist. Wer mit Bildbearbeitungsprogrammen arbeitet, sollte übrigens immer im RAW-Format fotografieren, da dies die Bearbeitungsmöglichkeiten enorm erhöht.

Etwas kniffelig ist die Fokussierung. Der Autofokus ist nachts praktisch unbrauchbar, man schaltet ihn am besten ab. Eine gute Methode: Wer eine Kamera mit Display hat, kann sich einen hellen Stern oder Planeten suchen, ihn wenn möglich vergrößern und manuell fokussieren. Dies kann auch mit weit entfernten hellen Objekten (etwa ein beleuchtetes Gebäude) funktionieren.

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  • Tipp: Tagsüber ein fernes Objekt mit dem Autofokus scharf stellen, den Autofokus abschalten und die Einstellung am Objektiv mit Klebeband für das Shooting in der Nacht fixieren. Die Markierung „Unendlich” am Objektiv ist übrigens in den allermeisten Fällen nicht präzise.

Mit diesen Einstellungen kann man loslegen. Es ist durchaus möglich, jedes Foto einzeln mit ein paar Sekunden Verzögerung mit dem Selbstauslöser der Kamera aufzunehmen. Manche Geräte haben jedoch eine programmierbare Intervallfunktion, was viel besser ist. Optimal ist ein Fernauslöser (kabelgebunden oder per Funk) mit einer Timerfunktion: Dann kann man die Einstellungen einmal vorgeben und anschließend die Kamera stundenlang Hunderte Fotos aufnehmen lassen (sofern die Batterie voll und die Speicherkarte leer ist).

Die Bildgestaltung: Auf den Vordergrund kommt es an

So ausgestattet, ist es fast ein riesiges Pech, wenn man nicht die eine oder andere Sternschnuppe vor der Kulisse des Sternenhimmels aufs Bild bekommt. Um nun aus einem technisch guten ein besonderes Foto zu machen, kommt die Bildgestaltung ins Spiel: Es braucht einen interessanten Vordergrund. Das können Bäume sein, ein See, Berge, ein Gebäude oder am Horizont die Silhouette eines Ortes oder einer nicht zu hell erleuchteten Stadt.

  • Tipp: Wenn man nicht direkt nach Nordosten, sondern etwas mehr Richtung Norden oder Osten fotografiert, steigen die Chancen auf längere Sternschnuppenbahnen. Es empfiehlt sich, den geplanten Standort schon vorab einmal bei Dunkelheit aufzusuchen, um die Gegebenheiten zu prüfen und schon etwas mit den Kameraeinstellungen zu experimentieren.

Am Ende darf ein Rat nicht fehlen: Sternschnuppennächte im Sommer können wunderschön sein – man sollte den Anblick nicht versäumen, weil man stundenlang an der Technik hantiert.

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