40 Millionen Autos auf einer Plattform

Volkswagens Digitaloffensive: Alles Gute kommt „over the air“

Vorerst nur eine Silhouette: Das Projekt Trinity soll den Einstieg in ein neues Zeitalter bei Volkswagen markieren.

Volkswagen hat mal wieder Großes vor und stellt dafür die Weichen: „Früher war die Welt noch einfach“, sagt Entwicklungschef Thomas Ulbrich. Doch für die Transformation zum softwarebasierten Mobilitätsanbieter „muss die komplette Entwicklung neu gedacht werden“. 11.500 Mitarbeiter werden künftig in dem 800 Millionen Euro teuren Entwicklungszentrum Campus Sandcamp, das demnächst auf dem Werksgelände entstehen soll, die Zukunft des Konzerns planen und entstehen lassen.

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Worum es geht, bringt Ulbrich auf einen kurzen Nenner: „Von Hardware first zu Software first“ heißt das Motto, unter dem schon jetzt fachübergreifend gearbeitet wird. Die Elektrifizierung des Antriebsstrangs sei erst der Anfang, die Digitalisierung werde künftig viel radikalere Lösungen bringen mit dem autonomen Fahren als vorläufiges Ziel.

Damit verkündet der VW-Chefentwickler eine Binsenweisheit, denn schon vor Jahren war klar: Die Elektromobilität ist für die Automobilindustrie eher ein Hygienefaktor, der eigentliche Gamechanger ist das autonome Fahren. Und hier werden zuerst einmal Visionen entworfen und in Conceptcars beziehungsweise Studien gegossen.

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Wie so etwas aussehen könnte, haben die Niedersachsen bei der vergangenen IAA in München mit dem ID. Life gezeigt – einem Auto voller Möglichkeiten im Kleinformat. Der Life soll tatsächlich 2025 auf den Markt kommen, dann aber mutmaßlich der meisten seiner visionären Features beraubt – schon deshalb, weil für vieles erst noch die gesetzlichen Voraussetzungen geschaffen werden müssen.

Das stört in Wolfsburg wohl niemanden, denn dort denkt man inzwischen in anderen Dimensionen: Als Plattformlieferant für den gesamten Konzern sollen die verschiedenen Architekturen in der elektrischen Zukunftsplattform SSP (Scalable Systems Platform) zusammengeführt werden, die als Basis aller Marken und Modelle dienen wird. In der Summe ist sie damit die Grundlage für mehr als 40 Millionen Konzernfahrzeuge. Zum ersten Mal soll sie im Projekt Trinity zum Einsatz kommen, jenem visionären Fahrzeug, das schon jetzt eine ähnliche Aura umweht wie das sagenumwobene Atlantis und von dem bisher nicht viel mehr bekannt ist als eine Silhouette.

„Gesamterlebnis in einem nachhaltigen Ökosystem“

Glaubt man den Autoherstellern, ist die Zukunft zum Greifen nah, die Pläne für künftige Modelle müssten eigentlich nur noch aus der Schublade gezogen werden. Doch tatsächlich gibt es nichts Konkretes, nichts, in das man sich schon mal reinsetzen und es anfassen könnte – von den genannten Studien einmal abgesehen. Nur soviel scheint klar: „Das Auto als Kino oder Büro, das wird die Regel werden“, prophezeit Ulbrich und verweist darauf, wie leistungsfähig schon heute moderne Navis seien, die einen intelligent und selbstständig unter Berücksichtigung aller zur Verfügung stehenden Parameter ans Ziel brächten. Und was künftige Autofahrergenerationen wünschen, weiß der Entwicklungsmann ebenfalls: „Für den Kundenkreis von morgen ist nicht mehr die Fahrmaschine entscheidend, sondern das Gesamterlebnis in einem nachhaltigen Ökosystem.“

Weil die eigentliche Fahrmaschine nach Überzeugung von VW an Bedeutung verliert, sich das Wesentliche sozusagen von außen nach innen verlagert, die Größe des Bildschirms wichtiger wird als die Motorleistung und alles Gute „over the air“ nach und nach aufgestockt werden kann, ist der Kunde laut Ulbrich „immer auf der Höhe der Zeit“. So bleibe das Auto „flexibel“ und werde „nachgestaltbar“. Da muss es schmerzen, dass auch die Autos der Zukunft Baugruppen haben, deren Lebensdauer endlich ist – beispielsweise Bremsen oder Achsen, eben alles, was nach guter alter Art mechanisch funktioniert und nicht über Softwareupdates auf dem jüngsten Stand gehalten werden kann.

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Auch deshalb setzt man in Wolfsburg auf standardisierte Hardware, beteuert aber, dass aus dem Konzept kein „Einheitsauto“ hervorgehen werde. Die Modelle, das versichert Volkswagens Chefentwickler, blieben „hochattraktiv“. Auf die Frage, was denn künftig aus so einem hochemotionalen Produkt wie dem Golf GTI werde, den es in dieser Form dann ja nicht mehr geben kann, hat Thomas Ulbrich auch schon eine Antwort: „Am sportlichen Fahren werden wir weiter arbeiten.“ Und der Titel des Films, der dann endet, wenn ein Insasse plötzlich aus einer Laune heraus zum Lenkrad greifen will, steht auch schon fest: „Zurück in die Zukunft“.

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