Schwere der Erkrankung relevant

Auf Covid folgt die Depression? Studie untersucht Zusammenhang auch bei milden Verläufen

Die Studie deutet auf einen Zusammenhang zwischen Covid-19 und langfristigen Folgen für die psychische Gesundheit 16 Monate nach der Krankheit hin.

Die Studie deutet auf einen Zusammenhang zwischen Covid-19 und langfristigen Folgen für die psychische Gesundheit 16 Monate nach der Krankheit hin.

Die meisten Corona-Infektionen verlaufen mild. Wer sich mit Sars-CoV-2 infiziert, kann sich dann oft zu Hause auskurieren. Dass dies jedoch nicht bedeutet, dass eine Corona-Infektion auch spurlos an den Betroffenen vorbeigeht, zeigt eine neue Studie, die am Dienstag im Fachmagazin „The Lancet“ erschienen ist. Das internationale Team fokussierte sich darin auf die Langzeitauswirkungen einer Infektion auf die mentale Gesundheit von Menschen, die nicht zwingend im Krankenhaus behandelt werden mussten. Die Forscherinnen und Forscher stellen fest, dass es einen Zusammenhang zwischen psychischen Erkrankungen und einer Corona-Infektion gibt. Doch auch die Schwere der Erkrankung spielt eine Rolle.

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Dazu untersuchte das Team insgesamt 247.249 Menschen aus sechs Ländern – rund 10.000 von ihnen hatten sich im Laufe des Untersuchungszeitraums mit Corona infiziert. Sie litten, so legt es die Studie nahe, insgesamt häufiger bis zu 16 Monate nach der Diagnose unter depressiven Symptomen und schlechtem Schlaf als Menschen, die keine Corona-Infektion hatten.

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Allerdings machte es einen Unterschied, wie stark die Menschen an Covid-19 erkrankt waren. Denn die Menschen, die länger als sieben Tage mit Corona im Bett lagen (1613 Personen), hatten ein höheres Risiko (50 bis 60 Prozent) für Depressionen und Ängste als Menschen, die gar nicht infiziert waren. Bei Menschen jedoch, die nur sehr mildes Covid hatten, war das Risiko sogar geringer als bei Nichtinfizierten.

Verschiedene Auswirkungen auf psychische Gesundheit

Das liegt daran, dass die Auswirkungen einer Infektion auf die psychischen Gesundheit wohl sehr vielfältig sind. Zum einen, so erklären es die Forschenden, sind da die Sorgen, die sich viele infizierte Menschen gemacht haben. Fragen wie: „Habe ich eventuell andere Menschen infiziert?“ Oder: „Wie schlimm wird meine Infektion verlaufen?“ Es sei anzunehmen, dass solche Bedenken sich aber im Verlauf der Zeit zerstreuten. Tatsächlich, das konnten die Forscherinnen und Forscher zeigen, verschwanden die meisten psychischen Symptome zwei Monate nach der Corona-Diagnose.

Bei Menschen, die nur sehr mild oder asymptomatisch erkrankt waren, könnte sich dann sogar eine gewisse Erleichterung breit gemacht haben, zum Beispiel, weil sie sich nun weniger als andere (darunter auch Menschen, die noch nicht infiziert waren) darum sorgen mussten, eventuell Verwandte anzustecken.

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„Sorgen und ein Gefühl der Hilflosigkeit“

Anders bei Menschen, die mehr als sieben Tage das Bett hüten mussten. Ihre lang anhaltenden Angst- und Depressionssymptome könnten unter anderem darauf zurückzuführen sein, dass sie wegen anhaltender Krankheit ihre sozialen Kontakte länger einschränken mussten. Das könne „Sorgen und ein Gefühl der Hilflosigkeit hervorrufen“, so die Forschenden. Eventuell könnten dafür aber auch körperliche Prozesse verantwortlich sein. Tatsächlich, so die Wissenschaftler und Wissenschaftlerinnen, gebe es einen Zusammenhang zwischen Entzündungen, wie sie bei chronischen, infektiösen Krankheiten auftreten, und der Entstehung von psychischen Krankheiten.

Ob einer der beiden Faktoren oder beide zusammen die hohe Depressionsrate in dieser Gruppe erkläre, bleibe „weiter zu klären“, so die Forschenden. In jedem Fall sollten die Studienergebnisse Anlass für Ärzte und Ärztinnen sein, bei Menschen mit schwereren Covid-Erkrankungen auch im Hinblick auf die psychische Gesundheit wachsam zu sein.

RND/asu

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