Corona-Impfung für Schwangere: Wieso die Stiko sie jetzt doch für alle empfiehlt

Die Ständige Impfkommission hat nun auch eine Impfempfehlung für Schwangere ausgesprochen.

700.000 bis 800.000 Schwangere gibt es in Deutschland pro Jahr. Bislang fehlte für diese Gruppe eine generelle Impfempfehlung gegen Covid-19. Nur Schwangere mit bestimmten Vorerkrankungen oder einem Beruf mit höherem Risiko wurde angeraten, Risiko und Nutzen gemeinsam mit Arzt oder Ärztin für sich persönlich abzuwiegen. Nun wird der Zugang zur Impfung aber wohl wesentlich einfacher. Die Ständige Impfkommission (Stiko) hat sich am Freitag für eine generelle Empfehlung für alle Schwangeren und Stillenden ausgesprochen.

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1) Was empfiehlt die Stiko Schwangeren konkret?

Dem neuen Beschlussentwurf müssen die Bundesländer noch final zustimmen, bevor die Impfempfehlung aktualisiert wird. Darin spricht sich die Stiko nun für eine generelle Covid-19-Impfung für alle Schwangeren ab dem zweiten Schwangerschaftsdrittel aus – sowie auch Stillende. Das Expertengremium empfiehlt zudem „ausdrücklich allen noch nicht oder unvollständig Geimpften im gebärfähigen Alter die Impfung gegen Covid-19, damit bereits vor Eintritt einer Schwangerschaft ein sehr guter Schutz vor dieser Erkrankung besteht“, wie es in einer auf der RKI-Homepage veröffentlichten Mitteilung heißt. Die Impfung sollte mit zwei Dosen eines mRNA-Impfstoffes erfolgen.

„Wir begrüßen die aktuelle Stellungnahme sehr“, sagte Prof. Mario Rüdiger, Vorstandsmitglied der Deutschen Gesellschaft für Perinatale Medizin (DGPM). Gemeinsam mit der Deutschen Gesellschaft für Gynäkologie und Geburtshilfe (DGGG) und weiteren Fachverbänden hatte die DGPM bereits im Mai eine Covid-19-Impfung für Schwangere befürwortet. Im Ausland, etwa in den USA und Großbritannien, haben die Gesundheitsbehörden ebenfalls eine Impfung für Schwangere empfohlen.

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2) Wieso hat die Stiko ihre Empfehlung verändert?

Eine generelle Empfehlung sei inzwischen möglich, weil in den vergangenen Wochen eine Reihe von neuen Erkenntnissen aus internationalen Studien systematisch ausgewertet werden konnte – „insbesondere zum Verlauf von Covid-19 in der Schwangerschaft als auch zur Sicherheit und Wirksamkeit in Schwangerschaft und Stillzeit“, erklärte Stiko-Mitglied und Gynäkologin Dr. Marianne Röbl-Mathieu in einem Briefing des Science Media Center (SMC). Deshalb überwiege in der Bewertung der Nutzen der Impfung das Risiko. Zudem habe sich die Delta-Variante ausgebreitet. „Es ist zu erwarten, dass auch bei ungeimpften Schwangeren ein erhöhter Infektionsdruck besteht“, so die Expertin.

Sicherheitsdaten hätten weltweit nicht darauf hingewiesen, dass durch die Impfung Komplikationen bei Schwangeren oder Ungeborenen auftreten. Man müsse aber wissen, dass die Datenlage zur mRNA-Impfung bei Schwangeren und Stillenden im Gegensatz zu anderen Impfstoffen begrenzt bleibt, sagte Stiko-Mitglied Röbl-Mathieu. „Eine Unsicherheit bleibt dadurch, dass es keine systematische Aufarbeitung in Studien mit Vergleichsgruppen gibt“, sagte die Expertin. Eine Beratung zur Impfung bei Arzt oder Ärztin sei deshalb weiterhin sinnvoll.

3) Welches Risiko geht von Covid-19 für Schwangere aus?

Schwangere gehören zur vulnerablen Gruppe. Bei Infektionserkrankungen wie Influenza tragen sie ein erhöhtes Risiko für schwere Verläufe. Internationale Studien haben inzwischen zeigen können, dass Schwangere auch bei Covid-19 ein höheres Risiko für einen schweren Verlauf haben – und sich mit einer Impfung davor schützen können. Die Daten zeigen:

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  • Schwangere stecken sich nicht häufiger mit dem Coronavirus an als nicht Schwangere. Aber Schwangere mit Covid-19 haben im Vergleich zu nicht Schwangeren ein 1,5-fach höheres Risiko, auf die Intensivstation eingewiesen zu werden und ein 1,7-fach höheres Risiko für maschinelle Beatmung. „Das absolute Risiko für einen schweren Covid-19-Verlauf ist immer noch gering, aber höher als bei nicht schwangeren Frauen“, erklärt Röbl-Mathieu diesen Befund.
  • Schwangere mit Covid-19 litten eher an Präeklampsie. Das ist eine ernsthafte Erkrankung in der Schwangerschaft, mit hohem Blutdruck und Nierenschäden. Das Verhältnis bei Schwangeren mit Viruserkrankung war 33 Prozent höher als bei Schwangeren ohne Covid-19.
  • Frühgeburten traten häufiger auf – allerdings nicht als akute Reaktion auf die Infektion, sondern erst im Verlauf der Schwangerschaft.
  • Das Risiko, dass Sars-CoV-2 in der Schwangerschaft auf das Kind übertragen wird, ist vermutlich gering. Ausgeschlossen ist es aber nicht.

4) Sind die mRNA-Impfstoffe wirksam?

Auch bei Schwangeren gelten die mRNA-Impfstoffe zur Verhinderung schwerer Covid-19-Verläufe als hochwirksam. Die Konzentration von Antikörpern im Blut von Schwangeren, Stillenden und nicht Schwangeren fällt nach einer Impfung mit einem mRNA-Impfstoff vergleichbar aus. Das deutet auf eine ähnliche Schutzwirkung hin. Röbl-Mathieu verweist auf eine größere Studie aus Israel, wo mehr als 20.000 Frauen untersucht wurden, die Hälfte von ihnen mit dem Vakzin von Biontech geimpft. Die Rate der Covid-19-Erkrankungen war bei den geimpften Frauen deutlich geringer als bei den ungeimpften. Symptomatische Infektionen wurden in der Untersuchung zu 97 Prozent vermieden.

5) Ist die Corona-Impfung für Schwangere sicher?

Es gibt bislang keine Hinweise darauf, dass ernste oder andere Nebenwirkungen sowie Impfreaktionen durch die Impfung zu erwarten sind. Schwangere berichteten nach einer Covid-19 Impfung mit einem mRNA-Impfstoff häufiger von Schmerzen an der Einstichstille als nicht Schwangere, aber seltener von Kopfschmerzen, Schüttelfrost und Fieber. Die Impfung ist bislang auch nicht assoziiert mit erhöhten Komplikationen bei der Geburt und der Schwangerschaft. Unerwünschte Ereignisse wie etwa Frühgeburten waren ähnlich häufig wie bei Schwangeren vor der Covid-19-Pandemie. Es gibt auch keinerlei Hinweise, dass die Impfstoffe unfruchtbar machen – weswegen die Stiko auch Frauen mit Kinderwunsch explizit die Impfung empfiehlt, statt bis zur Schwangerschaft zu warten.

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Dass Schwangeren die Impfung erst ab dem zweiten Schwangerschaftsdrittel empfohlen wird, hat dem Stiko-Mitglied und Immunologen Prof. Christian Bogdan zufolge mit einer theoretischen Überlegung zutun. „Bei einer Impfung kann es immer zu ganz normalen Impfreaktionen kommen“, sagte der Experte im SMC-Gespräch. „Dazu gehört auch Fieber, ein potenzieller Faktor für das Auslösen einer Fehlgeburt.“ Mit der Stiko-Empfehlung würden solche Risiken in den ersten drei Monaten der Schwangerschaft minimiert. Zudem gebe es zu geimpften Schwangeren in dieser sehr frühen Phase keine ausreichenden Daten.

6) Profitieren Neugeborene vom Immunschutz der Mutter?

Kinder können vom Immunschutz der Mutter profitieren. Das ist auch schon von anderen Impfungen bekannt, etwa gegen Keuchhusten. „Wir wissen inzwischen, dass auch durch die Covid-19-Impfung der Mutter Antikörper auf Ungeborene über die Plazenta übertragen werden“, erklärte Kindermediziner Rüdiger den Forschungsstand. „Neugeborene haben dann einen gewissen Nestschutz, gerade in der besonders empfindlichen Phase nach der Geburt.“ Es sei davon auszugehen, dass dieser rund ein halbes Jahr bestehen bleibe. Forschende haben auch in der Muttermilch von geimpften Frauen neutralisierende Antikörper gefunden.

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